Das Dominikanerkloſter in Giſenach,
geſchichtlich und architektoniſch dargeſtellt von W. Rein. h A 2 N ͤ’ 4 4 3 I- J r; 1 G,., f . Der Dominikanerorden.¹) Ge/ ——
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Die Zeit, in welcher die alten Benediktinerklöſter ſowohl in geiſtiger als in materieller Beziehung Jahr— hunderte lang ſegeusreich gewirkt hatten ²), war vorüber, die wachſenden Reichthümer hatten Weichlichkeit und Müſſiggang erzeugt und die tiefgefühlte Nothwendigkeit einer Reform hatte mehrere Verbeſſerungsverſuche her⸗
1) Quellen: Antonius Florentinus, summa historialis bis 1458. Venet. 1481. J. de Susato, chron. rer. gest. ord. praed. Venet. 1584. Antonius Senensis(von Siena), annales et bibliotheca ord. praedicat. Paris 1585. Ferd. de Castillo y J. Lopez, hist. gen. del S. Dom. y de su ord. de pred. I. Matriti 1584. II. Pint. 1592. Abermals Pint. 1612 und Vallad. 1621. 22 in 5 Fol.— Italieniſch. II. Flor. 1596 und 1645. R. Hospinianus, de origine et progressu monachatus Tiguri 1588, S. 222— 230. 249— 266(leidenſchaftlicher Gegner des Mönchsweſens und der Bettelorden insbeſondere). Kalendarium perpetuum ord. praed. S. Dom. Romae 1612. Thom. Malvenda, annal. ord. praed. Neap. 1627. Vinc. Maria Fontana, constit. declar. et ordinat. capitulor. ab ann. 1220 usque 1650. II. Romae 1655. 56. Scriptores ord. praed., inchoavit J. Quietif, absolvit J. Ec har d. II. Lutet. Paris. 1719. 1721(hier werden 48 Dominikaner genannt, welche die Geſchichte ihres Ordens geſchrieben). Helyot, hist. des ordres monastiques. Paris 1721, III, S. 198— 263. J. Thom. Ripoll, bullarium ord. frat. praed. VI. Romae 1729 ff. Ma- machi, annales ord. praed. Romae 1756. In den deutſchen Bibliotheken ſind dieſe Werke mit Ausnahme Hospinian's, Echard's und Ielyot's ſehr ſelten zu finden, was auf die neueren Bearbeitungen nachtheiligen Einfluß übte. S. z. B. J. I. Schröckh, chriſtliche Kirchengeſchichte. Leipz. XXVII.(1798) S. 382— 404. XXXIII.(1801) S. 93 fl. M. Döring, Geſchichte der vorn. Mönchsorden. Dresden 1828. II, S. 39— 55. Beſſer G. W. Fink, in Erſch und Gruber Eneykl. 1. XXVI, Leipzig 1835, S. 432— 453. Vortrefflich iſt K. Nean der, Geſch. der chriſtl. Religion und Kirche. Hamb. 1841. 1845, V, S. 355 ff. 366 ff. und öfter, aber dieſem Werke lagen andere Geſichtspunkte zu Grunde.— Eine ſehr wichtige Quelle ſind bekanntlich die Kloſterurkunden, doch gerade bei den Dominikanern fließt dieſe Quelle ſpärlich, da dieſer Orden wegen ſeiner urſprünglichen Vermögensloſigkeit weniger Veranlaſſung hatte, Urkunden abzufaſſen. Daher kommt es, daß mehre ſehr anſehnliche Staatsarchive in Deutſchland gar keine Urkunden unſeres Ordens beſitzen. Daſſelbe Verhältniß findet ſich bei den gedruckten Dokumenten. Unter den veröffentlichten zahlloſen Kloſterurkunden beziehen ſich ſehr wenige auf die Dominikaner. Die Halleſchen hat der fleißige J. C. v. Dreyhaupt herausgegeben, in der Beſchreibung des Saalkreiſes. 1755, I, S. 780— 793. Die 4 vorhandenen Freiburger Urkunden publicirt H. Schreiber, Urkundenbuch der Stadt Frei⸗ burg i. B. 1828, I, S. 48— 51; die des Dortmunder Kloſters E. Krömecke, geſch. Nachr. über das Domkl. in Dort⸗ mund. 1854, S. 82— 126. Die Urkunden unſeres Kloſters, welche manchen Aufſchluß darbieten, folgen im Anhange.— Bei dieſer Gelegenheit ſage ich Herrn Archiv⸗Rath Dr. Röſe und ganz beſonders Herrn Reg. K. Aue, welcher die Eiſenachi—
ſche Abtheilung des Großh. Geheimen Archivs verwaltet, meinen Dank. Zugleich danke ich meinem lieben Vetter, dem Pf.
A. Nebe, Docent am th. Seminar zu Herborn, für ſeinen Beiſland, ſowie den beiden alten Schülern unſerer Anſtalt, welche
die Illuſtrationen bereitwillig geliefert haben. Herr Superint.⸗Vikar Baltzar zeichnete das Conventsſiegel, Herr Architekt
Möder fertigte den ganzen Grundriß des Kloſters und die architektoniſchen Details.
2) Die frommen Benedictiner waren lange Zeit die einzigen Pfleger der Wiſſenſchaften und Künſte und die Bildner der Jugend Sie übten aber auch die täglichen Gewerbe, vorzüglich Ackerbau und Gartenkultur, ſie pflegten die Armen und Kranken und
gewährten den Reiſenden ein gaſtliches Obdach. Aus einzelnen geiſtlichen Stiftungen erwuchſen oft mitten in ſtiller Einſam—
keit des von den fleißigen Brüdern gelichteten und urbar gemachten Waldes Dörfer und Städke, welche die Brennpunkte eines neuen Lebens wurden, von denen ſich Sittlichung und Kultur in immer weitere Kreiſe verbreitete. Dieſes zeigen die
rdruff, Hersfeld, Fulda, Fritzlar u. m. a.
aus unſerer Nähe genommenen Beiſpiele von Reinhardsbrunn, Georgenthal, Oh W. Titt⸗
Vergl. Kurtz, Kirchengeſchichte. Mitau 1856, II, S. 303 ff. Ueber die Entartung im 13. Jahrhundert ſ. F.
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mann, Geſch. Heinrich d. Erl. Dresden 1845, II, S. 122 ff.


