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wiſſenſchaftliche Akuſtiker W's. Anſicht über die Tonintervalle gut heißen. Wir wollen vielmehr zeigen: wie man, ſo lange wir nun einmal noch keine den Naturgeſetzen vollkommen entſprechenden muſikaliſchen Inſtrumente haben, mit Hülfe der Zahlen für Tonintervalle den Faden wieder aus den Verwickelungen heraus ziehen kann, ohne daß er zerreißt,— auch zugegeben, daß er etwas dadurch gelitten hat. Man darf nämlich nur ein Wenig ab- und zugeben, nachdem man zu jedem anderen Ton der Cdur-Tonleiter als Grundton die fehlenden reinen Quarten und Septimen richtig eingeſtimmt oder vielmehr berechnet hat, was folgende Reſultate giebt: C Cis D Dis E F Fis G Gis A Ais H ctc. 5 5
1 135 2 25 45 3 25 225 15 2 128 28
2 8 8 3 32 2 1 6 3 12 8
C Des D Es E F Ges G As A B H ct. 9.. 5 8 4
4 1934 3 128 5 1.6 15 2 2 1 3 8 8
1 234 3 s worin Cis und Des, Dis und Es u. ſ. w. zwar verſchieden ſind, aber doch nur wenig von einander abweichen, eben deshalb beide in einen mittleren Ton zuſammenſchmelzen, und da man einmal dieſen Fehler begehen will, lieber für alle zwölf Töne zugleich die verhältnißmäßigen Mitteltöne mit Hülfe der ſtetigen geometriſchen Proportion ſuchen und zuſammenſtellen:
c eis p Dis p PſsR GC Gis A B II e ac. 1 2 1 2 1 2 12 1 2 1 2 12 1 2 1 2 12 12 1 2 1 2 W2o V2 N2 e s V2 V2s V2° V2o W211 V212 Das wäre die temperirte chromatiſche Tonleiter für gleichſchwebende Tempe⸗ ratur, welche für alle Tonarten paßt und von W., ohne ſeinen Schüler wiſſenſchaftlich darüber auf⸗ zuklären, benutzt wird. Wir freuen uns dieſer! Das kann aber kein Muſtiker ſagen, der nicht tiefer in die Naturgeſetze der Töne wiſſenſchaftlich eindringen will, als Gfr. W.,— nicht einmal die Ton— verhältniſſe der Geige und ähnlicher Inſtrumente, die nach reinen Quinten geſtimmt werden, kann er gründlich beurtheilen, ſelbſt wenn er der größte Virtuos auf einem ſolchen Inſtrument wäre, ge⸗ ſchweige denn das Klavier oder die Orgel, welche nach der oben angeführten gleichſchwebenden Ton⸗ leiter eingeſtimmt ſein müſſen, weil alle Töne darauf unwandelbar feſt ſtehen bleiben und demohnge⸗ achtet gerade für alle Tonarten geſchickt zu brauchen ſein ſollen. Aber auch das Verhältniß zwiſchen der Geige oder Violoncello und dem Klavier oder Orgel kann er ſich nicht mit wiſſenſchaftlicher Si— cherheit zum klaren Bewußtſein bringen; eben ſo wenig das zwiſchen der Geige und einer Sing⸗ ſtimme. Er wird alſo auch den Grund nicht einſehen, warum man einen angehenden Sänger nicht mit dem Klavier einſchulen darf, ſondern mit der Geige begleiten muß, was gerade dann am noth— wendigſten iſt, wenn der junge Schüler durch ſeine vorzüglichen Naturanlagen zu der Hoffnung be— rechtigt, einſt eine hohe Stufe der Kunſt zu erreichen. Wir ſehen ihn jetzt ſehr wohl ein. Denn die Geige iſt nach reinen Quinten gedaas eingeſtimmt, und in allen Tonarten, welche einen oder mehre dieſer vier Töne in ihren Tonleitern enthalten, wie Cdur, Gdur, Ddur, Adur u. ſ. w., treten ſie jedesmal rein hervor, ſo oft ſie angeſtrichen werden, und geben ſichere Anhaltpunkte für die übrigen gegriffenen Töne ab, welche man dann ebenfalls rein herausfühlen kann, weil durch das Aufſetzen der Finger an den verſchiedenen Stellen der Saiten längere oder kürzere Theile der letzteren abge⸗ meſſen werden, die durch den darauf hinſtreichenden Bogen in langſamere oder ſchnellere Schwingungen verſetzt und ſo veranlaßt werden, tiefere oder höhere Töne von ſich ausgehen zu laſſen. Wir ſehen jetzt ein, daß nur Geige und Violoncello wahre Concertinſtrumente ſind, weil auf ihnen alle Töne rein gegriffen werden können, um das Gemüth des Zuhörers auf das Angenehmſte anzuſprechen, zu befriedigen, vorausgeſetzt, daß der Künſtler es richtig zu behandeln verſteht. Unter den Blasinſtru⸗ 2
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