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hunderts gelegt werden. Sie ſtand urſprünglich da, wo jetzt der hintere Flügel des Reſidenzhauſes ſteht.“) Als aber dieſer Landgrafenhof**) im Jahre 1507 unter Friedrich dem Weiſen erweitert wurde, mußte die Schule weichen und wurde dahin verlegt, wo jetzt das Schloßbrauhaus ſteht. Als darauf 1525 die aufrühreriſchen Bauern in Eiſenach Kirchen und Klöſter verwüſteten, litten die Ma⸗ rien⸗ und Nikolai⸗Schule ſo ſehr, daß die erſte ganz geſchloſſen, die zweite erſt ſpäter und nur als Elementarſchule wieder eröffnet wurde. Blos die Georgenſchule war als höhere oder lateiniſche Schule geblieben. Dadurch mußte natürlich die Zahl der Schüler, welche die Georgenſchule beſuchten, ver— mehrt werden und der bisherige Raum in der Schule nicht mehr ausreichen. Daher wurde ſie im Jahre 1544 in das frühere Dominikaner⸗ oder Prediger⸗Kloſter gelegt,***) alſo in das Gebäude, in welchem ſie jetzt noch iſt. Daß man aber dieſes Kloſtergebäude dazu nahm und nicht andere Räume, an denen es nach Aufhebung der Klöſter in Eiſenach nicht fehlen konnte, lag gewiß nicht in dem Rufe, den die Predigermönche früher genoſſen hatten, wie Heuſinger in dem Programme des Jahres 1738. de antiquis Isenacensium studiis(Opusc. p. 29.) anzunehmen ſcheint, wo er von der Bedeutung dieſes Kloſters ſpricht und dann ſo ſchließt: Quem honorem non aedifieii magnitu- dini et splendori tributum possumus credere, quamvis nec ille fuerit postremus, sed incolen- tinm humanitati spectataeque virtuti, quae summis etiam principibus admirabilis visa fuit. Haec etsi dignos non invenit praecones, non ita tamen in tenebris iacet, quin ex iis, quae incuriosa suorum decorum aetas memoriae prodidit, utcunque possit colligi.... Non mirum itaque est, quod cum superiori saeculo XVI. excusso iugo pontificio a caeteris coenobiis vix abstineri pos- set iratae plebis iniuria, hoc prae ceteris ab ea intactum mansit et musis nostris, quibus ab a. MDXXXXIV. commodissimum hospitium praebet, concessum fuit. Daß es nicht verſchont ge⸗ blieben iſt, erhellt aus dem weiter unten zu erwähnenden Berichte des Amtmanns Chriſtoph von Harſtall an den Kurfürſten Johann Friedrich im J. 1544, daß das Predigerkloſter„ganz verwüſtet und verfallen“ ſei. Auch war, ſeitdem es von den Mönchen verlaſſen worden war, eine Salpe⸗ terſiederei darin eingerichtet worden(Heusinger. Opusc. p. 310). Doch war es aller Wahrſcheinlich⸗ keit nach wegen ſeiner maſſiven Mauern nicht ſo ſehr verwüſtet wie die anderen Klöſter, ließ ſich dem⸗ nach leichter wieder herſtellen und gewährte bequeme Räume zu Lehrzimmern.
*) Heusingeri Opusc- minor. ed. Toepfer p. 93:... eo loco, qui hodie partem arcis orientalem sustinet choro templi Georgiani oppositam. Mey Vaterlandskunde S. 114:„Anfangs in der Gegend unſerer Es⸗ planade, wo ſonſt der ſogenannte alte Herren⸗ oder Landgrafenhof und ſpäterhin das fürſtl. Schloß ſtand, und wo noch jetzt der Schloßthurm ſteht.“ Storch topographiſch⸗hiſtoriſche Beſchreibung der Stadt Eiſenach S. 44:„Die Schule hatte damals(als Luther ihr angehörte) ihren Standort bei dem Herren⸗ oder Landgrafen⸗ hofe, wo jetzt der Schloßthurm des Reſidenzhauſes iſt.“
**) Oder Zollhof, von Paullini domus telonii genannt. Siehe Storch S. 101.
***) Heuſinger war, wie ſchon erwähnt, früher ebenfalls der Meinung, daß die Schule zum Franciskanerkloſter gehört habe. Darum ſchrieb er im J. 1739 in dem Programme: Immortalia merita Serenissimae domus Saxonicae in ili. gymnas. Isen.(opusc. p. 48.) Folgendes: Domicilium vetus illa schola habuit pone mo- nasterium Franciscanorum, in quod ipsum deinde translatum aiunt. Allein weder Paullini Annal. Isenac. p. 125., noch Rebhan. histor. eccles. Isen. S. 17. und S. 110, auf die er ſich beruft, melden dies. Eben ſo unbegründet iſt, was er ferner ſagt: Urbe deinde, sub Ioannis Constantis imperio, pulsis plerisque fratribus cucullatis, et cum aliquot monasteriis Franciscano etiam a tumultuante plebe, ut videtur, vacue- facto, vetus illa disciplina Isenacensis conticuit desertaque aliquantisper stetit schola superstitionis ma- gistra. Ne tamen liberalior deesset iuventuti educatic, et cum superstitione humanitas quoque in exsi- lium iret, non multo post nova in iisdem Franciscanorum aedibus schola aperta, desertaeque docendi partes iis redditae sunt, qui pontificiam tyrannidem odisse et oppugnare coeperant. Itaque iam a. MDXXV. coenobium illud inertibus et barbaris sacriſiculis ereptum et postliminio in meliorem literarum ludum et bonae mentis templum conversum reperio. Dies will er bei Rebhan gefunden haben, welcher S. 133. be⸗ richtet: Strausius iam anno MDXXV. conciones suas, quamvis minus puras, in templo Franciscanorum conticescentibus monachis habuit, quod etiam exinde parochiale fuit usque ad a. MDLXI. Schola item trivialis reformata fuit, et dati discipulis ii ludimagistri ac praeceptores, qui non saltem artes liberales et utramque linguam, sed et capita pictatis rectius ac sincerius proposnerunt. Aus dieſen Worten läßt ſich gar nicht die Behauptung entnehmen, daß die Schule, wenn ſie nicht früher ſchon zu dem Franciskanerkloſter gehörte, i. J. 1525 in daſſelbe verlegt worden ſei. In den Chroniken, die der Verfaſſer dieſer Nachrichten ſelbſt vergleichen konnte, findet ſich nirgends eine Notiz der Art. Wie Heufinger auf dieſe Meinung gekommen ſei, iſt ſchon erwahnt. Später hat er ſie ſelbſt widerlegt und geleugnet, daß je die Schule mit dem Franeis⸗ kanerkloſter in Verbindung geſtanden habe.
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