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Der Lehr⸗Kurſus begann am 19. April 1841 in gewöhnlicher Weiſe. Der Stundenplan war im Weſentlichen nicht abgeändert worden; wie er ausgeführt worden ſei, erhellt aus der voranſtehenden Lehrverfaſſung. Nur vom 4. Januar bis zum 5. Februar trat eine Aenderung deſſelben ein. In den früheren Jahren nämlich hatten die Lehrer darauf gehalten, daß auch in der rauheſten Winterzeit die Lektionen früh um 7 Uhr begannen. Die nothwendige Folge war, daß nicht ſelten 1 ½ Stunde bei Lam⸗ penbeleuchtung der Unterricht gehalten wurde. Wollte man die Lektionen um 8 Uhr beginnen laſſen, ſo mußten nothwendig die des Nachmittags um 2 Uhr anfangen. Damit war aber wenig gebeſſert, da ei⸗ nige unſerer Auditorien düſter ſind und nicht ſelten auf die Nachmittage 3 Lektionen fallen. Nach Ver⸗ nehmung der Lehrer⸗Konferenz trug daher der Direktor bei dem hochpreisl. Oberkonſiſtorium darauf an, daß in den kurzen und ſtrengen Wintertagen die Lektionen Mittwochs und Sonnabends von 8— 12 Uhr, an den übrigen Tagen aber von 8— 11 Uhr, die des Nachmittags aber in der durch den Stundenplan feſtgeſetzten Weiſe von 1 Uhr an gehalten würden; dadurch würde auch die nach den Lektionen übrige Zeit, erforderlich ſowohl zur Erholung als auch zur häuslichen Arbeit, den Schülern nicht ſo ſehr be⸗ ſchränkt werden. Dem hohen Kollegium erſchienen die vorgelegten Gründe genugſam für den Antrag zu ſprechen und es genehmigte durch Reſcript vom 10. Decbr. 1841, daß die beantragte Veränderung ver⸗ ſuchsweiſe eintrete und wegen der dadurch nöthig werdenden Umgeſtaltung der Lektionen von der Direktion der Ephorie ein für dieſe Zeit geltender Plan vorgelegt werde.
Die Ordnung der Schule brachte es mit ſich, daß am 12. und 13. Mai, ſowie am 3. und 4. November, nachdem die DD. Witzſchel und Schwanitz die Vorbereitungsandacht im Gymnaſium gehalten hatten, die konfirmirten Schüler in Gemeinſchaft mit ihren Lehrern die Beicht⸗ und Abendmahlsfeier be⸗ gingen, daß am 27. und 28. September das Privat⸗Examen gehalten und das Sommerhalbjahr am 30. d. M. mit der Cenſurvertheilung geſchloſſen, das Winterhalbjahr aber mit dem 12. Oktober begon⸗ nen, endlich am 25. November die Elmpt'ſche Gedächtnißrede von dem Primaner Jäger gehalten wurde.
Als am 2. Juni vorigen Jahres der Ephorus des Gymnaſium, Herr Oberkonſiſtorial⸗Vice⸗Prä⸗ ſident und Ritter, Dr. theol. Nebe unter allgemeiner freudiger Theilnahme ſein 25 jähriges Amts⸗Ju⸗ biläum feierte, brachte ihm auch das Lehrer⸗Kollegium ſeine Glückwünſche dar und überreichte ihm eine vom Direktor verfaßte lateiniſche Abhandlung. Auch Profeſſor Dr. Rein übergab dem Jubilar als Neffe eine lateiniſche Gratulationsſchrift.
Am 2. Februar wurde das Geburtsfeſt Sr. Königl. Hoheit, unſeres gnädigſten Großherzogs mit einem öffentlichen Rede⸗ und Deklamations⸗Aktus begangen. Profeſſor Dr. Rein hielt, nachdem der Choral:„Befiehl du deine Wege“ von dem Schülerchor geſungen worden war, die lateiniſche Feſtrede. Ausgehend von der höchſterfreulichen Veranlaſſung dieſes Feſtes und die Geſinnungen ehrfurchtsvoller Treue und lebendigſter Dankbarkeit gegen den erhabenen Erhalter und Beſchützer der Anſtalt, von denen die ihr Zugehörigen erfüllt ſind, ausſprechend behandelte dann der Redner einen intereſſanten Abſchnitt der Geſchichte unſeres Gymnaſium*) und ſchloß mit einem Gebete für das Wohl des durchlauchtigſten Landes⸗
*) Am 18. Oktober 1844 wird das Gymnaſium als Landesanſtalt ſein 300 jähriges Jubiläum feiern. Im Oberkonſiſtorial⸗Archiv iſt ein Bericht des vormaligen Direktor Johann Michael Heuſinger vorhanden, ge⸗ richtet an das Hochfüͤrſtl. Ober⸗Konſiſtorium zu Eiſenach am 14. September 1744, worin er um die Ge⸗ nehmigung der Feier des 200jährigen Jubiläum am 18. Oktober nachſucht. Je wichtiger und erfreulicher die erwähnte Ausſicht iſt, um ſo mehr Intereſſe wird folgender Auszug der Feſtrede, den der Verfaſſer der Direktion auf ihren Wunſch mittheilte, für die Freunde und Gönner der Anſtalt haben:„Urſprünglich waren 3 lateiniſche Parochialſchulen in Eiſenach, 1) zu St. Nicolaus, wahrſcheinlich die älteſte, nach einer Ur⸗ kunde des Landgrafen Hermann, welcher der Kirche Scholarium regimen verlieh; 2) zu St. Georgen(muth⸗ maßlich 1200 geſtiftet), wo jetzt der hintere Flügel des Reſidenzhauſes ſteht. Der Rector(um das Jahr 1334 wird Ulricus als rector scholae S. Georg. genannt) wohnte am Pfarrberge neben dem Diaconus— ein Beweis, daß die Schule nicht unter Leitung der Franciscaner ſtand; 3) zu Unſerer lieben Frauen(S. Beatae Virginis) am Frauenberge. Joh. de Mechele war 1350 Rector derfelben. Die erſte und dritte wurden im Bauernkriege aufgehoben, die dritte gänzlich, die erſte aber ſpäter als Elementarſchule erncuert. Dadurch mußte die Schule S. Georg. bedeutend wachſen, als von nun an die einzige lateiniſche Schule. 1507 war ſie in das heutige Schloßbrauhaus verlegt worden, da man den Platz derſelben zur Erweiterung des Landgrafenhofes(Reſidenzhaufes) nothig hatte. Da es hier bald an Raum fehlte, ſo wurde das im Bauernkriege verwüſtete Franciscanerkloſter(auf der zweiten Terraſſe der Charlottenburg) der Schule einge⸗


