Jahrgang 
1839
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Aus der Zahl der Lehrer ſchied mit dem Schluſſe des Jahres Herr Griſel, welcher mit un⸗ verkennbarem Eifer die franzöſiſche Sprache in Prima und Secunda gelehrt hatte. Die Profeſſoren Weißenborn und Dr. Rein traten ſogleich in ſeine Stelle und erklärten ſich bereit, bis auf Weiteres den franzöſiſchen Unterricht zu übernehmen.

Mit größtem Danke anzuerkennen iſt die durch H. Reſcript vom 7. Juli 1838 den Profeſſoren Briegleb und Weißenborn gewährte fire Entſchädigung für das von ihren Klaſſen früher er⸗ hobene Schulgeld. Auch der Lehrer der Mathematik Mahr hat eine Auszeichnung erhalten, indem ihm durch Höchſte Gnade das Prädikat eines Profeſſors und für die ſeit Oſtern vermehrte Zahl ſei⸗ ner wöchentlichen Lektionen eine Remuneration von 50 Thalern zu Theil geworden iſt.

Wie nun eine geregeltere Thätigkeit in der Schule ſich zeigte, ſtand auch die Behörde nicht an, das zu gewähren, was der Würde und Selbſtändigkeit des Lehrerkollegiums angemeſſen war. So wurde ihm die Prüfung der Recipienden in der Konferenz, ſo die Prüfung der auf die Univer⸗ ſität Abgehenden und die Ausſtellung der Zeugniſſe der Reife für dieſe übergeben, wovon Erſteres früher blos der Direktor, Letzteres das H. Oberkonſiſtorium vorgenommen hatte. Dem Direktor wurde das Recht eingeräumt, den Akt der Cenſurenvertheilung und der Entlaſſung der für die Univer⸗ ſität als reif Befundenen ſelbſt zu vollziehen. Endlich wurden, um die Thätigkeit der einzelnen Leh rer in ein Ganzes zu vereinigen, regelmäßige Konferenzen feſtgeſetzt, und, um das rechte Verhält⸗ niß der häuslichen Arbeiten der Schüler zu beſtimmen, Klaſſenbücher eingerichtet, die von Zeit zu Zeit in der Konferenz vorgelegt werden.

Was die Beſtimmung der Schule betrifft, ſo war es der Wille der Hochſten Behoͤrde, in allen Klaſſen dieſelbe als vorzugsweiſe der Gelehrtenbildung gewidmet äußerlich und innerlich geſtaltet und, ſo weit es die Ortsverhältniſſe zuließen, den reinen Gymnaſial-Zweck verfolgt zu ſehen. Daher wurde die Annahme ſtrenger Grundſätze auch für die Zulaſſung zu den unteren Klaſſen genehmigt, und durch geſetzliche Beſtimmung die unbedingte Theilnahme aller Gym⸗ naſiaſten an dem lateiniſchen Sprachunterrichte geboten, Dispenſation vom Griechiſchen aber nur dann gewährt, wenn die ſchriftlich vorgelegten Gründe dem Lehrerkollegium erheblich und mit den Zwecken des Gymnaſiums vereinbar erſchienen, worauf durch Vermittelung der Lehrer⸗Kon⸗ ferenz das Ober⸗Konſiſtorium die Dispenſation auszuſprechen hat. Die Form, unter welcher allein eine ſolche Dispenſation geſtattet wird, iſt mithin klar genug beſtimmt und ſo viel gewiß, daß dabei das Lehrer⸗Kollegium auf keine Weiſe umgangen werden kann. Vorausgeſetzt kann Dispenſation nicht werden.

Ferner ſollte das Gymnaſium auf einen ſolchen wiſſenſchaftlichen Standpunkt gehoben wer⸗ den, daß es den Anforderungen der Zeit entſprechen könnte. Die Möglichkeit, dieß zu erreichen, liegt nicht allein in den Händen der Lehrer, ſondern hängt zum großen Theile auch davon ab, daß theils die Lehrmittel alle vorhanden ſind, theils die Lehrer auch äußerlich ſo geſtellt ſind, daß ſie blos der Schule ihre Kräfte widmen und mit rechter Freudigkeit arbeiten. Wir ſind ſo glücklich, in jeder dieſer Beziehungen in dem verfloſſenen Jahre manches Erfreuliche, was aus dieſen Schulnachrichten erhellen wird, erfahren zu haben, und die Zukunft kann und wird uns noch Manches bringen. Was aber zur Hebung des wiſſenſchaftlichen Standes der Schule führt, hängt von der Idee ab, welche der Lehrer von ſeiner Klaſſe in ſich trägt, von der Aufgabe, die er ſich ſelbſt ſtellt. Daß aber das Gymnaſium ſich wiſſenſchaftlich gehoben hat, dieß Verdienſt muß den Lehrern zugeſtanden werden. Dazu trug Einiges bei der durch alle Klaſſen nach einer Idee durchgeführte Lehrplan, die jeder einzelnen Klaſſe mit Berückſichtigung des letzten Zieles geſtellte Aufgabe. Nicht ohne Einfluß war ferner die Aufhebung der Selecta. Das Gymnaſium hatte nämlich 5 eigentliche Klaſſen, davon Quinta und Quarta, zum Theile auch Tertia von Schülern vorzüglich beſucht wurden, die eine ſolche Bildung ſuchten, wie ſie eine höhere Bür⸗ gerſchule geben würde. Dadurch wurde dieſen Klaſſen ein zweideutiger Charakter gegeben, da ſie zwar dem Gymnaſium angehörten, aber zugleich nach den ſtädtiſchen Verhältniſſen die höheren