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er in der Schule ſelbſt kaum etwas andres als Mittheilungen aus Geſchichtsbüchern gab. So wie alles, was ihn gemüthlich aufregte und ihn durch feſtlichen Anſtrich und Feierlichkeit ſpannte, ſeine Sache nicht war, ſo liebte er auch keinerlei öffentliche Darlegung des Schullebens; Schul⸗ feſten und Prüfungen, die Voß nie anſtellte, hätte auch er ſich gern entzogen. Beiden war eigentlich die Schule Fortſetzung ihrer Häuslichkeit, beiden war der Unterricht freier Verkehr mit jungen Freunden, wie in den Schulen der Alten, wo keine Uhr die Unterhaltung begann und endete. Bei dieſem, wie bei jenem kam es nie auf ein beſtimmtes Penſum an, der Faden durfte bei einer lockenden Abſchweifung einmal einlaufen. Bei Voß bildeten die alten Sprachen entſchieden den Mittelpunkt, von wo aus er nur gelegentlich manche Realkenntnis mittheilte; eigentlicher Sach⸗Unterricht wurde den Primanern erſt durch Voßens Gehülfen, die ſich in ſpäterer Zeit freiwillig boten oder ihm amtlich beigegeben wurden, zu Theil. Voß arbeitete mit ſeinen Schülern an dem, was ihn grade beſchäftigte; ſie ſahen ſeine Werke theilweis entſtehen, und darin lag viel Reiz zu ſelbſtändiger Forſchung; König, vielſeitigerer Gelehrter als jener, und etwas weniger überhäuft als Voß, konnte regelrechter unterrichten, und ſeine Weiſe näherte ſich der ſtrenger eintheilenden und abmeßenden Lehrart neueſter Zeit, welche beſtimmte Lehrpenſa und Lernreſultate fordert, und bei größern Anſprüchen und vermehrten Lehrmitteln fordern muß und darf. Nöthigung zum Fleiß wendete König ſelten an. Lernen war ihm„freier Act des Willens“. Seine Disciplin war milde und nachſichtig. In das Leben auch auswärtiger Schüler außer der Schule griff er wohl auf eine ſehr eigenthümliche Weiſe warnend ein, thätig aber nur nothgedrungen; er hielt das nicht für ſeine Pflicht. Nicht dieſe Milde allein, ſondern auch, und mehr noch ſein hoher ſittlicher Ernſt, die Tüchtigkeit des Gelehrten und das Intereſſe, was er durch ſeine Friſche und Lebendigkeit ſelbſt noch im Alter, ſo wie durch ſeine Originalität einflößte — die Schüler hatten nicht bloß an der Lehre, ſondern auch an dem Lehrer zu ſtudiren— haben ſeinen Zöglingen Achtung und begeiſterte Liebe gegen ihn eingeflößt. Einen Beweis davon geben zwei Stimmen, die unmittelbar nach dem Tode König's zu uns hertönten. Sie gehören um ſo mehr hieher, da ſie zugleich geeignet ſind, dieſe Skizze zu ergänzen. Der eine Nachruf erſchien ſelbſtändig im Druck unter der überſchrift:
„Georg Ludwig König. Einige Worte der Erinnerung an den Verewigten von einem ſeiner Schüler.“ Oldenburg 1849. 8 Seiten. 8.
Die andere Anſprache iſt in den Blättern der Vereine zur Beförderung des Gemeinwohls im Fürſtenthum Lübek. 1849. Nr. 43.
König's Geſichtszüge ſind in glücklicher Auffaßung wiedergegeben in einer Stein⸗ zeichnung von J. J. Hörup.
Die Ausführlichkeit dieſes Nekrologs glaubt der Verfaßer deſſelben durch den Gegenſtand gerechtfertigt. überdies führt das, was Schul⸗Bericht darin iſt, einen bedeutenden Abſchnitt des Lebens unſerer Schule unter der dreißigjährigen activen Wirkſamkeit König's für unſere Chronik


