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Als Philolog beſaß er außer jener großen Leichtigkeit, den Geiſt einer Sprache in ſich aufzunehmen und wiederzugeben, gründliche Kenntnis mehrer Zweige der Alterthumswißenſchaft. Sein Wohlgefallen an den Alten gründete ſich eben ſo ſehr auf ſeinen gebildeten Schönheitsſinn, als auf das ſittliche Gefühl, mit welchem er vorzüglich Kernſprüche der Dichter aufnahm. Beim Leſen der Klaſſiker würdigte er zwar beides, Inhalt und Form, aber er verdunkelte und zerſtückte den Inhalt nie durch grammatiſche oder antiquariſche Excurſe: Sprachliches wurde eher zu wenig als zu viel gegeben; er war tüchtiger Kenner der Antiquitäten, namentlich der römiſchen Rechts⸗ alterthümer, aber er hatte den geſunden Sinn, nur immer das zur Erklärung Dienende vorzutragen. Die Lectüre der Klaſſiker mit Schülern betrachtete er als„Anweiſung, den Geiſt der Alten in ihren Schriften aufzuſuchen, nach dem Beiſpiel der großen Denker das Denken zu lehren und das Gedachte in ähnliche ſchöne Form zu kleiden“(ſeine eignen Worte in der Rede von 1834). „Kenntnis der griechiſchen und lateiniſchen Sprache“, ſagt er ebendaſelbſt,„iſt nicht Haußtzweck jener ſo viele andere Wißenſchaften umfaßenden Wißenſchaft, iſt gleichſam nur ein Organ, durch welches der Geiſt einer vergangenen Zeit zu uns ſpricht.“ Man hört, es redet aus ihm der große Sinn und Geiſt, in welchem Heyne die Alterthumswißenſchaft anbauete. Mit ihm theilte er auch den Mangel an genauer Kenntnis der Metrik, die freilich vor Hermanns Forſchungen ihrem ganzen Umfange nach noch keinen Bearbeiter unter den Neuern gefunden hatte und deren Verſtändnis ſchwer zugänglich war. Das Lateinſchreiben hielt er ſo hoch, daß er Schriftſteller von der Schule fern hielt, die ihm nicht für muſtergültig im Stil galten. Er hatte für die Schule ſeinen Canon. Dennoch wurden ſchriftliche übungen nie regelmäßig durchgeführt, wenn auch oft begonnen: er ermüdete bei der öden Arbeit des Corrigirens. An ſeinem mathematiſchen Unterrichte wird Klarheit und wohlbemeßener Fortſchritt gerühmt. Einer ſeiner ältern Schüler, W. Hellwag ſagt*²*), nachdem er von Bredow's mathematiſchem Unterrichte geſprochen: „völlig ward er erſt, was er ſein ſoll, durch König, der ſelbſt dieſer Wißenſchaft Meiſter, auch uns zur ſtrengen Auffaßung und zum deutlichen Wiedervortragen anhielt.“ Wer ihm folgen wollte und konnte, den zog er mit ſich fort. Mit Säumigen ſich lange zu plagen, hatte er nicht Geduld genug und man durfte ſich nicht ſcheuen, offen zu ſein, wenn die Frage:„verſtanden?“ kräftig von der Wandtafel hertönte. Sehr zweckmäßig und fruchtbar war auch ſein Unterricht in der Phyſik. Er bediente ſich dabei ſehr einfacher Werkzeuge, um Anſchauungen zu geben und Experimente zu machen, und konnte ſich an theuern und gar zu kunſtreichen Inſtrumenten ärgern, die leicht nach ſeiner Meinung zur Spielerei führten. Zum geſchichtlichen Unterricht fehlte der freie Vortrag, ſpäter auch das Gedächtnis. Er meinte, dieſe Wißenſchaft vor allen könne man des Schülers Privatfleiß anvertrauen und ermahnte zum Leſen vorgeſchlagener Bücher, während
*) Bemerkungen zu dem Aufſatz:„Voß in ſeiner Wirkſamkeit als Schulmann“, von Friedr. Karl Wolff in den Voßiſchen Briefen III. Abth. 2. p. 285. f.


