Aufsatz 
Pestalozzi als Mensch, Staatsbürger, Dichter und Erzieher, mit seinen eigenen Worten geschildert, Lesefrüchte aus seinen Werken / von J. F. E. Meyer, Rector
Entstehung
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ihrer Umgebungen zwiſchen harten Unkrautswurzeln, Felſen und Steinen ſich Luft und Platz macht. VIII. 315.

Das Leben bildet! In ſittlicher Hinſicht knüpft ſich die Idee der Elementarbildung an das Leben des Kindes dadurch an, daß ſie den ganzen Umfang ihrer Bildungsmittel aus dem Vater⸗ und Mutterſinn, aus dem Bruder⸗ und Schweſterſinn hervorgehen läßt. Die Geiſtesbildung geht von der Anſchauung der Gegenſtände aus, die unſere äußern Sinne anſprechen. Die Ausbildung der Sprachkraft iſt durch ihr Weſen an den Gang der Natur in der Entfaltung der Anſchauungskraft gebunden. XIII. 41. f.

(Der Geiſt der Methode iſt:) das allgemeine Zurückdrängen aller Erkenntnismittel auf die erſten Anfangspunkte eines jeden Erkenntnisfaches und das allmählige Anketten immer nur eines kleinen Zuſatzes zu den Anfangspunkten eines jeden Faches, das dann aber ein ſüitedlaſis Fortſchreiten zu immer weiter gehenden neuen Zuſätzen zur Folge hat. V. 68.

In der That, ſo rein und hehr ſpricht ſich das Daſein und der Zuſammenhaug des Ganze der Methode nirgend aus, als in der Handlungsweiſe der entweder ganz gebildeten, oder ganz einfachen und menſchlich natürlichen Mutter gegen ihren Säugling. Dieſe Handlungsweiſe iſt rein urſprünglich; da miſcht ſich noch keine menſchliche Kunſt, keine menſchliche Verirrung ein. Sie iſt rein elementariſch; da ſpricht ſich die Natur noch ganz aus: ihr Inſtinkt redet in dieſer Handlungsweiſe noch lebendig und ſo weit und ſo lang er darin lebendig redet, iſt in allem Thun der Mutter Einheit, lebendige Einheit für Weckung, für Belebung des Geiſtes, des Herzens und der phyſiſchen Kräfte des Kindes. VIII. 156. f.

Erziehungs⸗ und Haushaltungs⸗Grundſätze und Erfahrungen.

Der Zweck aller Erziehung kann kein anderer ſein, als durch die Erziehung dahin zu wir⸗ ken, daß die Kinder gottesfürchtig, fromm, verſtändig und für den ganzen Umfang ihrer Pflich⸗ ten gegen Gott, gegen den Nächſten und gegen ſich ſelbſt willig, thätig, geſchickt und zu jeder hierfür nöthigen Anſtrengung und Ausharrung kraftvoll gebildet werden. Es iſt kein fremder, es iſt keine außer mir ſelbſt befindliche Strebkraft, es iſt mein eigener Wille, es iſt meine, in mir ſelbſt wohnende Strebkraft, von welchen das Erwachen meines Herzens zum Fühlen, meines Geiſtes zum Denken, meiner Augen zum Sehen, meiner Ohren zum Hören, meiner Füße zum Gehen und meiner Hände zum Greifen ausgeht, und dieſes Erwachen meiner Strebkraft zur Entfaltung meiner ſittlichen, geiſtigen und phyſiſchen Grundkräfte, ſo wie das durch die ganze Epoche meiner Bildung, d. i. durch mein ganzes Leben fortdauernde Wachsthum und Stärkung meiner Kräfte iſt in ſeinem Weſen ſelbſtändig und nach den eigenthümlichen Geſetzen einer jeden dieſer Kräfte ſelbſtthätig. Aber dieſe ewigen, ſelbſtändigen Geſetze der Entfaltung jeder einzelnen dieſer Urkräfte ſtehen in ihrem Weſen durchaus nicht im Widerſpruch unter ſich ſelbſt; im Gegen⸗