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theil, ſie vereinigen ſich durch ein hohes, heiliges, inneres Band zum Zuſammentreffen zu einem gemeinſamen Ziele und wirken vermöge ihrer Natur in keiner einzelnen ihrer Abtheilungen hem⸗ mend und ſtörend gegen den ſelbſtändigen Entfaltungsgang der andern Grundkräfte und Anlagen unſerer Natur. Dieſe innere Einheit der Grundkräfte ſteht desnahen auch durch ihr Weſen in ſelbſtändiger Erhabenheit ob aller menſchlichen Kunſt. Keine menſchliche Kunſt darf und ſoll es auch nur verſuchen, weder das Weſen und die Eigenheit einer jeden dieſer drei Urkräfte noch das heilige Band ihrer Vereinigung unter ſich ſelber durch ihre Einmiſchung zu hemmen und zu ſtören. Alle Kunſt des Menſchengeſchlechts in der Erziehung muß ſich in allen drei Urfächern unſerer Bildung an das reine, von keiner menſchlichen Kunſt abzuändernde Naturſtreben anſchlie⸗ ßen, von ihm ausgehen und in jedem ſeiner Vorſchritte an ihm feſthalten. Die Einmiſchung un⸗ ſerer Kunſt in der Erziehung kann und muß alſo in nichts anderm beſtehen, als in der erleuchte⸗ ten Sorgfalt unſers Geſchlechts für die Entfaltung und Bildung des ganzen Umfangs der Kräfte der Natur, wie ſie in unſern Kindern liegen, mit dem Gang der Natur in ihrer Entfaltungsweiſe unſerer Kräfte in übereinſtimmung zu kommen und uns darin mit ihr zu erhalten. Die Mög⸗ lichkeit dieſer übereinſtimmung aber ergibt ſich nur durch die Unterordnung der Anſprüche unſerer geiſtigen und phyſiſchen Anlagen unter die höhern Anſprüche unſerer ſittlichen und durch die Sitt⸗ lichkeit göttlichen Anſprüche unſerer Natur.— Das zu erzielende Reſultat der Gemeinbildung unſerer Kräfte iſt die Menſchlichkeit ſelber, d. i. die Erhebung unſerer Natur aus der ſinnli⸗ chen Selbſtſucht unſeres thieriſchen Daſeins zu dem Umfang der Segnungen, zu denen die Menſch⸗ heit ſich durch die harmoniſche Bildung des Herzens, des Geiſtes und der Kunſt zu erheben ver⸗ mag. IV. 284. ff.
Der Schulmeiſter von Bonnal war vollkommen überzeugt, kein Menſch könne in keinem Stand weder zu edelmüthig und wohlwollend, noch zu chriſtlich und zu verſtändig, noch zu kunſt⸗ fähig und berufsfähig ſein und gemacht werden; aber indem er bei eben dieſer Schulführung den Geiſt des häuslichen Wohnſtubenlebens eben ſowohl zu ſeinem oberſten Ziel ſetzte, als er es auch zu ſeinem erſten Schulmittel benutzte, ſo ward er dadurch hinwieder genöthigt, die Anwen⸗ dung der in ſeinen Kindern entfalteten Kräfte durch ſeine Schulmittel eben ſo in den Geiſt, in den Sinn, in die Bedürfniſſe, Mittel und Eigenheiten ihres Standes hineinzulenken und die äu⸗ ßere Anwendung ihrer Kräfte den Anſprachen und Bedürfniſſen dieſes Standes zu unterwerfen. IV./ 300. f.
Zu allem ſchweigen, was einen nicht angeht.— Von dem das Maul nicht aufthun, was man nicht wohl verſteht.— Beiſeits gehen, wo man zu laut oder zu leiſe redet.— Das wohl lernen, was man nothwendig brauchen muß.— Mit Kopf und Herz immer am rechten Orte ſein, und nie an gar vielen auf einmal, aber immer bei ſich ſelber.— Denen, ſo man ſchuldig, und denen, die man liebt, mit Leib und Seele dienen.— Unſer Zeitgeiſt verachtet die Manier dieſer Sprüchlein allgemein und von Herzen. Sie ſind viel zu kraftvoll für das Spinngewebe
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