Aufsatz 
Pestalozzi als Mensch, Staatsbürger, Dichter und Erzieher, mit seinen eigenen Worten geschildert, Lesefrüchte aus seinen Werken / von J. F. E. Meyer, Rector
Entstehung
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Keine Herrſchafts⸗, keine Lehens⸗, ſelber keine Leibeigenſchaftsrechte können und dürfen den Menſchen zu den Ultra⸗Anſichten des Eigenthumrechts bringen, die den Eigenthümer über die Sorgfalt der Nothdurft des eigenthumsloſen Mannes im Land, ſelber auch durch ſein Eigenthum Vorſehung zu thun, emporſetzen. Sitten, Gewohnheiten, Lebensweiſen, die den Geiſt der Sorgfalt für den eigenthumsloſen Mann im Land für den Eigenthümer auslöſchen, untergraben das Gefühl für die Heiligkeit und göttliche Begründung des Eigenthums im Innern der Menſchennatur und gefährden dadurch die Sicherheit des Eigenthums ſelber. II. 194.

Das Weſen der Peſtalozziſchen Methode im Allgemeinen.

Die Idee der Elementarbildungs) iſt nichts anderes, als die Idee der Naturgemäßheit in der Entfaltung und Ausbildung der Anlagen und Kräfte des Menſchengeſchlechtes. Die wahre Natur des Menſchen aber, oder das Weſen der Menſchennatur beſteht nicht in denjenigen Anlagen und Kräften, welche der Menſch mit den Thieren gemein hat, ſondern in denjenigen, wodurch er ſich von denſelben unterſcheidet. Jene Naturgemäßheit fordert daher eine Unterordnung der Erſtern unter die Letztern und eine harmoniſche Entfaltung und Ausbildung der Anlagen des Herzens, des Geiſtes und der menſchlichen Kunſtkraft. XIII. 1..

Der ganze Umfang der elementariſchen Bildungsmittel iſt nichts anderes, als ein pſychologiſch und mit Sorgfalt bearbeiteter Kunſtzuſatz zu dem Gange der Natur in der Entfaltung und Ausbildung unſerer ſittlichen, geiſtigen und phyſiſchen Kräfte und eine pſychologiſch begründete Nachhülfe ihres guten Thuns ſelbſt. XIII. 125.

Sie bezweckt das Auffinden und Feſthalten weſentlicher Elemente, d. h. unveränderlicher Anfangs⸗ und Fortleitungspunkte alles Unterrichts und aller Erziehung. Sie bezweckt das Auffinden, nicht das Erfinden der Elemente, nicht um eine bisher unbekannte Bildungsform der kindlichen Natur, ſondern um das Verſtehen und um die Anwendung derjenigen iſt es zu thun, nach der die Gottheit ſelbſt von jeher in dem Sein und Wirken der Kreaturen ſich offenbarte. VIII. 137.

Die Elementarbildung iſt in ihrem Weſen nichts anderes, als die Kunſt, jedes Gute der Anlagen der Menſchennatur aus ihr ſelber, als aus ihrem natürlichen Boden hervorgehen zu machen. Sie iſt nichts anders, als die Menſchennatur ſelber, wie ſie mitten im Verderben

*) P. nennt ſeine Methode die der Elementarbildung, nicht weil ſie bloß für das erſte Kindesalter berechnet iſt, ſondern weil ſie überall an die Grundlagen der Menſchennatur ihre Thätigkeit anknüpft und eben ſo auch die unverkünſtelte Weiſe jedes einzelnen Lehrzweiges in dem rein Menſchlichen der Kindesnatur aufſucht. Sie iſt die Grundlage, auf welche die Staats⸗ und Berufsbildung gebauet werden ſoll, der gepflügte und für die Saat vorbereitete Acker. Anm. des Sammlers dieſer Leſefrüchte.