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Ein Bauernkind verachtete die Wolken und ſagte zum Vater: wenn ſie nur auch den blauen Himmel nie mehr bedeckten! Der Vater antwortete ihm: armes Kind, was haſt du vom ſchönen Himmelblau? Die grauen Wolken ſind für uns der ſegnende Himmel. X. 14.
Gleich morgens ſagte die Eiche zu ihrem Bodengras: du biſt undankbar, daß du den Segen meiner Herbſtblätter, die ich alle Jahr wie ein Winterkleid auf dich lege, nicht anerkennſt. — Aber das Gras antwortete ihr: du nimmſt mir mit Stamm und Gipfel mein Recht an Sonne, Thau und Regen und mit deinen Wurzeln meinen Anſpruch an die Nahrung des Bodens, in welchem ich ſtehe; laß jetzt das genug ſein und plaudere mir nicht noch von dem Almoſen des Winterkleides, das du um deiner Wurzeln willen auf mein Elend zu legen genöthigt biſt. X. 68.
Warum thut ſie auch das? fragte ein Kind ſeinen Vater, da es eine Katze mit ihrer gefangenen Maus ſpielen ſah.— Ich weiß es nicht, antwortete dieſer; aber ich denke, mit d der erſten Blutſchuld kommt auch die Luſt zum Sßirlen mit Blut— in die Seelen der Katzen. X. 112.(geſchr. 1797).
Sein Vater hatte es gepflanzet, es wuchs mit bh auf, er liebte es wie eine Schweſter und wartete ſeiner wie ſeiner Kaninchen und ſeiner Schäfchen. Aber das Bäumchen war krank; täglich welkten ſeine Blätter. Das gute Kind jammerte, riß ihm täglich die welkenden Blätter von ſeinen Zweigen und goß dann auch täglich gutes, nährendes Waßer auf ſeine Wurzeln. Aber einmal neigte das leidende Bäumchen ſeinen Gipfel gegen das liebende Kind und ſagte zu ihm: mein Verderben liegt in den Wurzeln, wenn du mir da hilfſt, ſo werden meine Blätter von ſelber wieder grünen. Da grub das Kind unter dem Bäumchen und fand ein Mäuſeneſt unter ſeinen Wurzeln. X. 106.
Peſtalozzi als Staatsbürger.
Ich will mich in keine Träume von Welt⸗ und Staatenverbeßerungen vertiefen; wenn ſo etwas reif iſt, ſo kommt es von ſelbſt.— Richtige Anſichten über die Volkserziehung und über die Armenverſorgung machen viel Fragen über das Jagdrecht und die Menſchenrechte überflüßig. IV. 327.
Beide ſind Narren: die, ſo das verfaulte Alte beibehalten und die, ſo das unreife Neue einführen wollen. IV. 72.
Aller gute, alte Sinn für das Volk löſcht ſich mit jedem Tag mehr unter uns aus. Alles wird nur für das Außere und auf den Schein berechnet, für das ii innere Weſen des 5 ähien und Guten ſorgt bald keine Seele mehr. III. 243.
Freund der Wahrheit und der Menſchheit! Forſche dem urſſprunge der Souveränität mit Ernſt nach und du wirſt finden, wie und wodurch ihr dominium supremum von dem Macht⸗ und Gewalteinfluß des bloß ſinnlich⸗thieriſchen Beſitzſtandes, von der Macht der einäugigen
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