Aufsatz 
Pestalozzi als Mensch, Staatsbürger, Dichter und Erzieher, mit seinen eigenen Worten geschildert, Lesefrüchte aus seinen Werken / von J. F. E. Meyer, Rector
Entstehung
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zufrieden mit Gott und Ehren durch die Welt kommen. Was man zu wißen nothwendig hatte, das lernte man unter ſeinem Hausdach bei Vater und Mutter am beſten. Aber jetzt iſt alles anders. Der Preis des Landes iſt weit über das Doppelte, hie und da ſelber über das Dreifache geſtiegen. Der Anbau des Landes wird täglich koſtbarer und künſtlicher, der Aufwand allenthalben größer. Verfänglichkeit nicht nur im Handel und Wandel, ſondern ſelber im Fragen des Rechts und in den Stellungen des Menſchen zu ſeinen öffentlichen Verhältniſſen wird täglich allgemeiner und die Sicherheitsmaßregeln gegen dieſe Verfänglichkeiten werden beſonders für den Armen und Ungebildeten mit jedem Tage ſchwieriger, ſo daß es einem jeden Chriſtenmenſchen, der nur ſeine Augen unbefangen aufthun und ſehen will, wie es um ihn her ſteht, in die Augen ſpringen muß, unſer öffentliches und gemeinſames Daſein, unſere Nationalexiſtenz fordere eine Kunſtbildung, die das Volk nicht hat, und bei deren Mangel die große Mehrheit deſſelben, wo nicht zu Grunde gehen muß, doch offenbar in einem hohen Grade leidet, daß ich es grade herausſagen muß, es iſt ohne Erhöhung der Einſichten, der Kunſt, der Thätigkeit an hundert und hundert Orten zahlloſen Menſchen nicht mehr möglich, mit Gott und Ehren ſich durch die Welt zu bringen, und alle übel müßen im grellſten Lichte fortdauern und immer größer werden, wenn dem Land nicht von einer Seite Vorſehung gethan wird, die den gegenwärtigen Umſtänden angemeßen iſt, und dieſes kann weſentlich durch Schulen geſchehen und zwar durch ſolche, die geeignet ſind, den Quellen unſerer übel mit einer Kraft entgegenzuwirken, die mit dem Grad der übel, unter denen wir leiden, und mit dem Grad der Kräfte, durch die dieſe übel unter uns begünſtigt, genährt und erhalten werden, in einem gehörigen Verhältnis ſteht. III. 151, f.(geſchrieben 1781.)

Es ſteht im Anfang des Wortes Gottes:im Schweiß deines Angeſichts ſollſt du dein Brod eſſen und mein Großvater, wenn er dieſen Spruch ſagte, ſetzte allemal noch hinzu: wenn du nicht ein Narr werden willſt und ein Lump oben darauf. III. 216.

Das Verbrechen.

Hundert und abermal Hunderttauſend von der Obrigkeit beſtrafte Verbrecher ſtehen vor meinen Augen, und ich ſehe die Geſchlechter der Menſchen allenthalben ſo unbillig und hart gegen dieſe Unglücklichen handeln. Ich möchte meine Stimme erheben und rufen zum Volk der Erde: erbarme dich dieſer Elenden! Ich möchte meine Stimme erheben und rufen zu dem Volk in niedern Hütten und ihm ſagen: du Volk der niedern Hütten, du kannſt an dieſen Unglücklichen thun, was keine Obrigkeit und was kein Mann, der in hohen Paläſten wohnt, an ihnen thun kann; du kannſt ſie wieder zu Menſchen machen, du kannſt ſie wieder mit ſich ſelber und mit ihren Mitmenſchen verſöhnen, du kannſt ihrem weitern Elend und ihren weitern Verbrechen vorbiegen und ſie an deiner Hand dahin leiten, daß ſie zu einer friedlichen Ruhſtätt gelangen. Ich möchte jedem Mann und jedem Weib, in deſſen Bruſt ein Menſchenherz ſchlägt, zurufen und