— 3—
Die„Wormſer Zeitung“ ſchreibt hierüber am 19. Oktober 1916: 50 Jahre im Schuldienſte.
Morgen darf Herr Geh. Schulrat Nodnagel auf 50 dem Schuldienſt in Liebe und Treue gewidmete Lebensjahre zurückblicken. Heſſens Lehrerſchaft wird ihm zu dieſem ſo überaus ſeltenen Jubiläum herzliche Glückwünſche darbringen, und was uns aus ihren Reihen im vorigen Jahre, aus Anlaß ſeines 70. Geburtstages, zu ſeiner Ehrung geſchrieben wurde, das klingt morgen in hellen, frohen Tönen wieder. Der Mann, der an ſo hervor⸗ ragender und leitender Stelle ſteht und mit ſeiner charaktervollen und reichbegabten Perſönlichkeit für die Schule gewirkt hat, wird aufs neue erfahren, wie hoch ſeine Berufs⸗ kollegen ihn ſchätzen und verehren. Sie wiſſen es, was es heißt, 50 Jahre dem Schuldienſte gewidmet zu haben; ſie wiſſen es, welch' hohen und edlen Vaterlandsdienſt dieſe Jahre bedeuten. . Worms gedenkt des Herrn Geh. Oberſchulrats Nodnagel mit beſonderer Wärme; denn zwei Jahre hat er hier an Oberrealſchule und Gymnaſium gewirkt, und ſeitdem hat er ſich immer in freundlichen Erinnerungen mit unſerer Stadt verbunden gefühlt. Nach ſeiner Gymnaſiallehrzeit in Dortmund, Bingen und Darmſtadt, und nachdem er als Direktor der Realſchule zu Groß⸗Umſtadt und der Realſchule zu Gießen gewirkt hatte, wurde er als Nachfolger Dr. Karl Boßlers im Jahre 1888 zum Direktor des Gymnaſiums und der Realſchule zu Worms ernannt. Als das zweite pädagogiſche Seminar zur Ausbildung künftiger Oberlehrer Heſſens ins Leben gerufen werden ſollte, konnte es keinem Zweifel begegnen, daß es in Worms errichtet und Nodnagels Leitung unterſtellt werden würde. Dieſes pädagogiſche Seminar wurde am 1. Mai 1889 errichtet und wanderte mit ſeinem Direktor nach Darmſtadt, als dieſer am 1. Oktober 1890 als Direktor an das neue Gymnaſium verſetzt wurde. Von dort berief ihn am 30. Juni 1899 das Vertrauen des Landesherrn in die Abteilung für die Schulangelegenheiten des Großh. Miniſteriums des Innern unter Verleihung des Charakters Geheimer Oberſchulrat. In dieſer verantwortungs⸗ vollen und arbeitsreichen Stellung wirkt er noch heute mit jugendlicher Schaffensfreude.
Oberrealſchule und Gymnaſium in Wotms haben dem Jubilar eine ſchöne Ehren⸗ gabe gewidmet. In ihrem Auftrage hat unſer heimiſcher Künſtler Fritz Muth ein herrliches Dombild gemalt, und darunter befinden ſich zwiſchen den Miniaturbildern der beiden Wormſer Schulhäuſer die Worte:„Herrn Geheimen Oberſchulrat Ludwig Nodnagel in Verehrung und Dankbarkeit zum 20. Oktober 1916.“ In künſtleriſcher Form iſt der
Glückwunſchbrief gezeichnet, der mit dem Bilde nach Darmſtadt abgeſandt worden iſt. Er hat folgenden Wortlaut:
Worms, 18. Oktober 1916. Hochgeehrter Herr Geheimrat!
Mit dem 20. Oktober d. Is. ſchließt für Sie eine im Dienſte der Schule reich geſegnete Arbeitszeit von 50 Jahren.
Das heilige Feuer für menſchlich Hohes, ſittlich Gutes und für alles Schöne in dieſer Welt gab ſchon dem jungen Lehrer an dem Gymnaſium zu Dortmund jene Herzenswärme, die noch den reifen Mann in vielerprobter leitender Stellung insbeſondere auszeichnet.
Mit der Geſchichte des Gymnaſiums und der Oberrealſchule zu Worms iſt Ihr Tun untrennbar verbunden; die Leitung der vereinigten Anſtalten übernahmen Sie in ſchwerer Zeit, wohlgeordnete und blühende Schulen bedauerten


