Jahrgang 
1915
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Liebe ihre ſieghafte Kraft bewieſen; der Zorn ließ wohl die Herzen beben, die Adern ſchwellen, die Fäuſte ballen und die Lippen reden, frei von Haß aber war damals unſer Volk, nur groß und hehr in ſeiner Vaterlandsliebe.

Jeder wußte, in treuer Arbeit und in Herzenseinfalt waren Kaiſer und Volk lange Jahre hindurch die Wege des Friedens gewandelt, niemand wollte den uns aufgezwungenen, von langer Hand ſchon vor⸗ bereiteten Krieg, rein war das deutſche Gewiſſen, heilig unſere Sache. Darum brach auch mit Ungeſtüm

allüberall hervor: Wir Deutſche fürchten Gott und ſonſt nichts in der Welt....

Wir wollen ſein ein einig Volk von Brüdern.

Dieſe tiefeingreifende Wandlung, dieſes Sichvereinen von vorher Getrenntem, dieſen Männerzorn und Mannestrotz, dieſes Sichaufbäumen gegen unerhörte Gewalttat, erlebte unſere Jugend mit ganz beſonderer Teilnahme. Staunen kam, wuchs und erfüllte ihre Seele, Mitfreude klang in ihren Herzen wieder; Staunen und Mitfreude aber führten ſie zu edelſter und herrlichſter Begeiſterung.

Als dann in den erſten Auguſttagen Reſerviſten, Landwehr⸗ und Landſturmmänner zu vielen Tauſenden in das alte Worms einſtrömten, um freudig in den Heeres⸗ und Vaterlandsdienſt zu treten, als mit dem gleichen Ziele andere Tauſende ſingend unſere Stadt durchzogen, als unſergelbes Regiment ſichfeldgrau kleidete und die liebe Heimat verließ, um dem Feinde zu zeigenwas der Deutſche kann, als faſt täglich die Zahl unſerer Feinde wuchs, alsdraußen in der weiten Welt unſerem Volke gegenüber jedes Gefühl für Billigkeit und Recht verſchwand oder zu verſchwinden ſchien, weil die Lüge Gewalt über die Wahrheit be⸗ kam, als wir auf uns allein geſtellt waren, geſtellt auf den lieben Gott,der den Deutſchen nicht verläßt und aufunſere alte Kraft, da ſah man die Augen unſerer Jünglinge unter Zornestränen heraus ſo freudig blitzen wie nie zuvor, da verriet die Körperhaltung des Herzens heißen Wunſch:

Gib Vater mir ein Schwert, denn:Wir ſind der Väter wert.

Da lag auf der bebenden Lippe das innige Gebet: Vater, ich rufe dich

Noch waren die Sommerferien nicht zu Ende gegangen, und ſchon meldeten ſich unter den vielen Tauſenden Freiwilliger auch etwa 40 unſerer Schüler. Ein Oberprimaner Friedrich Wehming aus Klein⸗Rohrheim der ſeine Dienſtzeit bei der Marine vollendet hatte, trat dort ſofort ein, 31 andere wurden für kräftig und geſund genug zum Waffendienſt befunden und nach und nach in die Regimenter eingereiht; der jüngſte unter dieſen, der Unterſekundaner Friedrich Wagner aus Worms, zählte bei Kriegsausbruch 15 Jahre, 1 Monat, 17 Tage. Am l. September nahm ihn das Infanterie⸗Regiment Nr. 118 in Worms an, am 5. No⸗ vember rückte er ins Feld, feſt und unverzagt hat er dort bei der Maſchinengewehrkompagnie bis heute ausgehalten.

Die Überlegungen, die dieſe edlen Jünglingegehen hieß, laſen wir in einer Aufzeichnung unſeres lieben Oberprimaners Jakob Menger aus Worms, der in den heißen Kämpfen um Le Quesnoy en Santerre

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