Jahrgang 
1915
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am 1. November 1914 ſeine Heldenſeele aushauchte. Nach ſeinem Tode fand die Mutter in einem Schul⸗ hefte ihres heißgeliebten einzigen Kindes jene mit Bleiſtift geſchriebene Aufzeichnung, von der wir zum bleibenden Gedächtnis und als teueres Vermächtnis die erſten Zeilen hier mitteilen. Sie lauten:

Worms, den 23. Auguſt 1914.

Am Tage meiner Vereidigung.Zum Opfertod für die Freiheit und für die Ehre

ſeiner Nation iſt keiner zu gut, wohl aber ſind viele zu ſchlecht dazu ſo ſchrieb Theodor

Körner an ſeinen Vater, als erSoldat werden wollte. Dieſer Gedanke hat auch mich beſeelt, als am 1. Auguſt die Mobilmachung befohlen wurde.....

Was unſer lieber Menger dachte, was er empfand, was er in geweihter Stunde ſeinem Schulheft an⸗ vertraute, bewegte auch die andern.

In tauſend Brüſten ſchlägt ein Herz.. . Schlägt für das Vaterland.

Die zumteil kaum dem Knabenalter entwachſenen jungen Menſchen waren zu der klaren Erkenntnis gekommen: Groß ſind die Opfer, die wir bringen, doch größer und höher noch zu werten ſind die Ziele, um die wir alle ringen.

Mit Jugendfriſche erfüllten ſie in ihrem neuen Berufe freudig jede Pflicht, Gefahren ſtählten ihre Kraft, lockten ihre Kühnheit, Anſtrengungen und Entbehrungen aller Art ertrugen ſie ohne Murren, ohne Klagen, ſingend zogen ſie in die Schlacht, ungebeugt blieb der Wille zum Siege. Wenn ſpäter in dieſen Blättern die Geſchichte unſerer Kriegsfreiwilligen geſchrieben wird, ſo wird ſie Worte finden müſſen, um die deutſche Treue, den Mannesmut und die Heſſentapferkeit dieſer Jünglinge gebührend zu preiſen und zu rühmen.

Ein dankbares Wort ſchulden wir heute ſchon an dieſer Stelle den Vätern und den Müttern unſerer Heldenjugend. Wer kann das Opfer des Mutterherzens ganz ermeſſen, das den einzigen Sohn dahingab, wer es nachempfinden, als gleichzeitig drei kriegsfreiwillige Söhne das Vaterhaus mit der Eltern Segen verließen? Beide Fälle haben wir mehrfach unter unſeren Kriegsfreiwilligen. Der Eltern Hoffnung knüpfte ſich an; bis zu dieſer Trennungsſtunde hatten Mutterliebe und Vatertreue für ſie gebetet und geſorgt, jetzt aber brachten Vater und Mutter das liebſte, was ſie hatten, dem Vaterlande dar. Wenn auch manches Vaterauge tränte, wenn auch die Herzen beim Abſchied bluteten, Stärke und Troſt gab doch der Gedanke:

Zum Opfertod für die Freiheit und die Ehre ſeiner Nation 111 keiner zu gut. Dieſer Elterngröße ſei bewundernd hier gedacht.

Wo Tod, Verwundung und Krankheit ſchon ſchwere Lücken in die tapfere Schar geriſſen haben, weil die Schlachtfelder des Oſtens und des Weſtens Opfer forderten, wo bange Sorgen um das Schickſal anderer unſer Herz umſchnüren, wo Menſchenwort ſich zu ſchwach als Troſt erweiſt, da wird der Vater im Himmel mit ſeiner Kraft das arme Menſchenherz beruhigen und ſegnen.

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