Jahrgang 
1915
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2. Unſere Schüler und der deutſche Krieg.

Was iſt unſchuldig, heilig, menſchlich, gut, Wenn es der Kampf nicht iſt ums Vaterland.

In dem Jahresbericht für 1913 ſchrieben wir:Die Erinnerungsfeier an die Schlacht bei Leipzig gab Gelegenheit, in herzlicher Dankbarkeit der Väter zu gedenken, von ihren Taten und ihrer Opferwilligkeit, durch die das freie Vaterland geſchaffen wurde, zu den Enkeln zu reden, und unſerer Jugend den heiligen Schwur in das Herz zu ſenken und auf die Lippe zu legen: Für Deutſchlands Freiheit, Einheit und Größe, für die Heimaterde, für den Kaiſer und das Reich alles zu wagen, alles zu opfern, um der Väter wert zu ſein. 4

Damals dachten wir nicht daran, daß wir ſchon in dem Jahresbericht für 1914 die vorliegende Üüberſchrift wählen müßten, um mit ihr den Ehrenplatz zu kennzeichnen, den wir den Kriegsfreiwilligen unter unſeren Schülern geben wollen.

Solange es in der hieſigen Stadt eine höhere Schule geben wird, ſolange wird auch dort die mann⸗ hafte Tat der Kriegsfreiwilligen aus 1914 Widerhall in dankbaren Herzen finden, ſie wird vorbildlich ſein für kommende Geſchlechter und Iphigeniens ſtolzes Troſtwort:

Wohl dem, der ſeiner Väter gern gedenkt,

Der froh von ihren Taten, ihrer Größe

Den Hörer unterhält, und ſtill ſich freuend

Ans Ende dieſer ſchönen Reihe ſich ſelbſt geſchloſſen ſieht.

wird zuküuftig auch auf unſere Heldenjünglinge bezogen werden.

In der dritten Nachmittagsſtunde des 31. Juli verkündete Seine Majeſtät der Kaiſer unſerem Volke denZuſtand drohender Kriegsgefahr.

Mit dieſer Tat ſchwand die quälende Ungewißheit der vorhergehenden Tage. Klar vor aller Augen lag der Weg, den wir gehen mußten. Spannung und Erregung hatten mit der Bekanntmachung den Höhepunkt erreicht, und als die Sonne am 1. Auguſt aufging, leuchtete ſie einem deutſchen Volke, an dem in wenigen Stunden ſich gleichſam ein Wunder vollzogen hatte. Niemand, der jene Zeit und jenen Wechſel ſehenden Auges mit⸗ erlebte, wird ſie wieder vergeſſen. Was in den vergangenen Jahren unſer Volk in Stadt und Land, allmählich eintretend, aber ſtetig zunehmend ſo geſchieden hatte, daßjeder an dem anderen ſich fremd und kalt vor⸗ übertrieb, verſchwand in dieſen Stunden. Las man auch die Kundgebung des Kaiſers faſt lautlos, ſo ſprach der Pulſe Hämmern, was der Mund verſchwieg. Anders als zuvor leuchteten die Augen der ſich Begegnenden. Blicke, die vorher ſich mieden, ſuchten ſich, der tiefe Zug der deutſchen Seele kam mit ihnen wieder; Hände legten ſich ineinander, die vorher ſich nie berührt, auch geduldige und friedfertige Menſchen ſah man Fäuſte ballen; Mut und finſtere Entſchloſſenheit lag in jedem Geſichtszuge. Wieder hatte die

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