Jahrgang 
1910
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Kranz mit dem Ausdruck allſeitig herzlichſter Teilnahme auf dem Grabe des ſo früh Entſchlafenen niederlegte.

Der ſehr kühle Sommer machte eine Kürzung des Unterrichts der Hitze wegen nur am 12., 16. und 17. Auguſt notwendig.

Herr Dr. med. Raiſer leitete in dankenswerter Weiſe auch in dieſem Jahre einen Krankenträgerkurſus für Schüler der Unterprima. Die Belehrungen und Uebungen, an denen 10 Schüler teilnahmen, begannen am 3. November 1909 und endeten am 16. März 1910.

Am 26. Februar hielt Herr Kreisaſſiſtenzarzt Dr. Freſenius unſeren Abiturienten einen Vortrag über geſundheitliche und ſittliche Gefahren, denen junge Leute nach Verlaſſen der Schule und des Elternhauſes ausgeſetzt ſind. Die Eltern der Abiturienten und die Anſtalt begrüßten auch in dieſem Jahre dankbar dieſe Einrichtung.

7. Geſchenke.

Geſchenke mancherlei Art wurden unſerer Anſtalt wieder überwieſen, unſere natur⸗ wiſſenſchaftlichen Sammlungen insbeſondere durch wertvolle Gaben bereichert von den Herren: Oberförſter Bauer in Guntershauſen; Gaſtwirt Fritz Clemens zu Worms; eine engliſche Lauttafel zum Krüger'ſchen Elementarbuch fertigte der Untertertianer Rudolf Blattner anund überwies ſie der Schule; die Oberſekundaner Schneider, Oswald, Altgelt, Lucht und Schmitt ſtellten größere Modelle regulärer Körper her, die unſerer Lehrmittelſammlung eingereiht werden konnten.

Aus dem Kabinett Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs ging uns die neue Kompoſition des LiedesDeutſchland über Alles von Heinrich Waſi⸗ lewski zu.

Für dieſe und alle anderen Gaben ſagen wir herzlichſten Dank.

8. Mitteilungen an die Eltern.

Seit Jahren drängt ſich in den Schulen aller Art, in ſtets wachſendem Maße den Lehrern und Erziehern die ſorgenſchwere Frage auf: Iſt eine dauernde Geſund⸗ erhaltung unſerer Jugend an Seele und Leib noch möglich bei der überaus weiten Verbreitung, welche die Schmutz⸗ und Schundliteratur heute ge⸗ nommen hat, bei der nicht kleinen Zahl unſittlicher Schriften und Bilder, die auch Kindern leicht zugänglich ſind?

Schmutz⸗ und Schundliteratur vergiften in ihrer Einzel⸗ und Ge⸗ ſamtwirkung die Seelen unſerer Kinder, die Hoffnung der Eltern und die Zukunft unſeres Volkes!.

Wir wollen deswegen alle, die ein Herz für die Jugendhaben, hiermit dringend und herzlichſt bitten, doch ihrerſeits durch Rat und Tat daran mitzuhelfen, daß Häßliches und Unreines, Unkeuſches und Unſittliches von der ſo aufnahmefähigen Kindesſeele ferngehalten werde.

Gelänge es vereinten Kräften, dem Strom von Schmutz, der durch unſer Volk in offenen Rinnen und verborgenen Adern fließt, Quellen und Zuflüſſe abzuſchneiden, ſo würden aus unſerem Volksleben trübe Bilder und tiefe Schatten wieder verſchwinden.

Die Schule kann und will gern in dieſer Arbeit um die Geſundung unſeres Volks⸗ körpers ihre Schuldigkeit tun, aber ihre Stellung und ihr Einfluß ſind nicht bedeutend genug, um widerſtrebende Kräfte auszuſchalten, deshalb ſieht ſie ſich nach Hilfe um.