tafeln aller genannten Schöpfungen, auch vom Peller Haus in Nürnberg, Gebäuden in Lübeck, Goslar, Hildesheim, Hannover, die den besonderen Charakter der Architektur von 1450— 1600 etwa illustrieren.
Langsam kann man nun ein Zurückweichen der Bewunderung für die vornehmen Ausdrucksformen der Antike beobachten und verfolgen. Nicht deren Reinheit und Schönheit ist mehr das Erstrebenswerte; die Baumeister setzen sich das Ziel, die der früheren Jahrzehnte an Grossartigkeit des Entwurfs und Kühnheit der Schöpfung zu übertreffen. Glänzende Gesamtwirkung steht obenan— wir treten in die Zeit des Barock und des Rokoko. Das Schloss in Berlin, ganz besonders der prächtige Schloss- hof, das Zeughaus, die Kommuns am Neuen Palais in Potsdam locken zum Beschauen an; der Prachtbau Augusts des Starken: der Dresdener Zwinger, die Schlösser von Würzburg und Bruchsal gewähren uns das Eindringen in die Empfindungsweise des 18. Jahrhunderts, den Sinn für das Prunkhafte und Glanzvolle. Diese ganze Strömung erhielt ihre Nahrung und Förderung von Frankreich aus. Dort stand die Architektur, überhaupt die Kunst, schon im 17. Jahrhundert im Dienste der absoluten Monarchie, diente der Verherrlichung des prachtliebenden Ludwigs XIV. Da er für viele deutsche Fürsten weit über seine Zeit hinaus in jeder Beziehung massgebend, das angebetete Idol war, blieb das Schloss zu Versailles mehr als 100 Jahre das Muster eines Palastes.
Während für die äussere Architektur das prächtige Barock noch lange bevor- zugt wurde, zeigt uns die Auszierung der Innenräume den ausgesprochensten Rokoko- geschmack. Sie bietet daher gleichzeitig Veranlassung, die Bedeutung des Stiles für die Erzeugnisse des Kunsthandwerks ins Auge zu fassen. Seemanns Bilderbogen bergen eine grosse Auswahl von Nachbildungen aus allen Epochen.
Unter Ludwig XV. riss, seinem Charakter entsprechend, eine unerquickliche Unnatur und Künstelei in das ganze künstlerische Ideal ein; der trockene Formalismus des sogenannten Zopfstils unter Ludwig XVI. ermüdete, befriedigte gar nicht— ein neues Zurücksehnen nach den einfachen, vornehmen Formen des klassischen Altertums erwacht und wächst deshalb in den Seelen: der dorische Stil mit seiner ruhigen er- habenen Säulenkonstruktion, seinem Ernst und seiner Würde fand wieder eine ausge- dehnte Pflege. Die Vorliebe Napoleons I. für das römische Altertum verschafft diesem »Empirestil« die führende Stellung in Frankreich und in den meisten deutschen Ländern. Schinkel, der Hauptvertreter dieser klassizistischen Richtung, schuf das»Berliner Museum«, Stüler das»Neue Museum« und die»Nationalgaleries; die Glyptothek und die Pinakothek in München, die Wallhalla bei Regensburg bekunden die Neigung König Ludwigs l. von Bayern und seines berühmten Architekten Leo von Klenze für die klassische Antike.
Nach dem Wiener Kongress verlor der»Empirestil«, der unter Napoleon zu- gleich politischen Ideen gedient hatte, an Bedeutung und an Reiz. Die bittere Enttäuschung, die sich der Deutschen nach dieser so grossartig eingeleiteten und so nüchtern aus- gegangenen Versammlung bemächtigt hatte, spiegelte sich auch auf dem Gebiete der Kunst wider: einfach, nüchtern, kahl und glatt treten die Werke der»Biedermeierzeit« (1820— 1840), die in Anlehnung an den Empirestil sich herausbildete, uns entgegen. Andere Künstler suchten Trost in der»romantischen« Bewegung. Zurück ins Mittel- alter, die herrliche Kaiserzeit, geht ihr Sinn und Streben, der romanische und der gotische Stil, weiterhin die verschiedenen Stilarten der Renaissance und zwar nach der Eigentümlichkeit der einzelnen Länder finden ihre Vertreter, verquickt mit den
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