Jahrgang 
1905
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Forderungen der betreffenden Jahrzehnte. Hierzu gehören: Vollendung des Kölner Domes, die romanische Ludwigskirche und das gotische Rathaus in München, Basiliken in Trier und München, Kaiserpalast in Strassburg und Reichstagsgebäude in Berlin.

Einen ausgesprochen eigenen Stil zu besitzen, hervorgebracht zu haben, kann sich also das 19. Jahrhundert nicht rühmen. Doch eine andere Bemerkung drängt sich auf. Die Nachklänge des Empirestils, dessen Ornamentik nach dem ägyptischen Feld- zug Napoleons eine ausgesprochene Nachahmung altägyptischer Zierformen entschieden hervortreten lässt, erscheinen seit zirka 10 Jahren wieder an monumentalen Werken, in der Ausschmückung der Innenräume und vielfach in Arbeiten der Kleinkunst. Die Betonung des Vertikalen in der Architektur, das durch parallel gesetzte Linien sich ziehende Ornament ist ein bezeichnender Zug. Gerade in der Residenz unseres Landes steht ein diesen Geschmack charakterisierendes modernes Gebäude: das von dem Architekten Ludwig Pabel entworfene, von Professor Ludwig Habich plastisch ausge- schmückte»Ernst Ludwig-Haus«.

Wieviel Anklänge sogar an die assyrisch-babylonische Kunst: rechts und links von den Portalen Kolossalstatuen und ein ganz auffallendes Betonen der Plastik, der Dienerin der Architektur!

So weist also dieKunst der Könige unserer Gegenwart zurück auf die Wiege der Menschheit, die Anfänge der Kunst überhaupt!

Plastik und Malerei treten nach Abschluss der Architektur in ihr Recht. Da alle Künste in engem Zusammenhange mit einander stehen, bietet sich hier zugleich ein geeignetes Feld für die Wiederholung.

Bei der Besprechung der deutschen Plastik erschien es mir am zweck- mässigsten, ihre Entwickelung an einigen für die betreffenden Epochen typischen Werken darzulegen. Es geschieht hauptsächlich nach Bode, deutsche Plastik.

Mit der Kleinkunst: der Elfenbeintafel des Tutilo von St. Gallen und der mit dem Bildnis Ottos des Grossen aus der Sammlung Trivulzi in Mailand und zwei deutschen Elfenbeinbildwerken im Berliner Museum fangen wir an. Das den Hildes- heimer Domtüren nachgegossene Portal unseres Paulusmuseums mit seinem Paralle- lismus alt- und neutestamentlicher Vorgänge bildet die zweite Stufe. Uebrigens steht ja das alte Sachsenland auch in den Erzeugnissen der Bildhauerei an erster Stelle: das älteste uns bekannte wertvolle plastische Werk in Sandstein, die Kreuzabnahme an den Externsteinen aus dem Jahre 1115, spricht Grösse und Ernst.

Verschiedene Reliefs und Statuen(bes. des thüringischen Fürstenpaares) im Dome zu Naumburg mit ihrer scharfen Individualisierung, die Heinrichs Il. und Kuni- gundens am Dome zu Bamberg, sowie die»goldne Pforte« in Freiburg i. S. lehren die Schülerinnen weiter den Charakter der künstlerischen Bestrebungen der romanischen Periode auf dem Gebiet der Plastik kennen.

In die Werke der gotischen Zeit führt uns das Südportal unseres Domes, die Türe der Liebfrauenkirche, sowie Bode durch seine Wiedergabe der beiden bedeutenden Nürnberger Kirchen: St. Lorenz und St. Sebald. Ausserdem die Figuren»Kirche und Synagoge« am Strassburger Münster(nach Photographie).

Dem Brüggemannschen Altar in Schleswig widmen wir wegen seines tiefen Gehaltes eine besondere Stunde.(Vorzügliche Photographien.)

19 e 3.