Jahrgang 
1905
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an den Domen zu Limburg a. d. Lahn, Andernach, Bonn und an der Abteikirche zu Laach.(Dohme, Wandtafeln und Photographien.)

Allmählich reift die Anwendung desgebrochenen Bogens aus. Wir studieren den vorzüglichen Grundriss des Kölner Domes, weiter die Photographie des Innern, des Helmturmes, der Portale, die Ornamentik und vergleichen zum Anbahnen des Ver- ständnisses für den Unterschied zwischen deutscher und französischer Gotik die Kathedralen von Paris, Amiens, Reims und Strassburg mit den deutschen Münstern zu Freiburg, Regensburg, Ulm, hauptsächlich wegen der Gliederung der Fassade und des Turmbaues. Zum Abschluss unternehmen wir einen Ausflug nach Oppenheim, denn die in ihrem Bau von dem Kölner Dom beeinflusste herrliche Katharinenkirche gehört auch zumMaterial unseres Unterrichts.

Nürnberg, Hannover, Hildesheim, Braunschweig sind in ihren besten Profan- bauten aus jener Zeit vertreten, nicht minder die Marienburg,der strahlendste Aus- druck ritterlichen Wesens.

Wem das Glück zuteil geworden, in jenen Städten zu wandern, der wird die Begeisterung Professor Thodes nachempfunden haben, der mit Recht ausrief:Das ist das Deutscheste von allem Deutschen! Der überraschendste Ausdruck zugleich deutscher häuslicher Gemütlichkeit und deutschen Humors, welche mit lebendiger Gestaltung die Wirklichkeit durchdringen und erfüllen zu derselben Zeit, in welcher erhabene Glaubenskraft über die Wirklichkeit hinaus die Kirchen bis zum Himmel emporsteigen lässt!

Bei dem beständigen Wechselverkehr der Völker musste, wenn auch langsam und schrittweise, den Deutschen das Verständnis erwachen für die in ltalien neu ins Leben gerufene Formenwelt der Antike, für die künstlerische Richtung der Renaissance: den grossartigen Raumstil, die rhythmische Schönheit der Fläche, die in gewissem Sinne musikalischen Verhältnisse des Bauwerks.

Wir pilgern im Geiste erst in die Arnoebene, nach Florenz, zu den Palazzi Pitti, Strozzi, Ruccellai, in die Kirche San Lorenzo, und Santa Maria del Fiore(mit der Kuppel von Brunellesco), dann nach Rom in die Peterskirche. In Oberitalien fesseln uns hauptsächlich: der Hiof des Dogenpalastes, die Palazzi Vendramin Calergis und Pésaro, die d'oro in Venedig und die Certosa bei Pavia.

Die Bauten der Renaissance in Frankreich: Louvre und Tuilerien, Schloss Cham- bord, sowie der Escorial in Spanien erregen selbstverständlich hohes Interesse. Es gewährt den jungen Mädchen immer Freude, die ihnen aus der Antike bekannte Orna- mentik und architektonisch verwendeten Bauglieder in den durch andere Zeitbedürf- nisse hervorgerufenen und auch in der Komposition völlig unabhängigen Werken wieder- zufinden und den Zusammenhang zu verstehen.

Ganz Deutschland vermag in dieser Zeit nicht ein einzig gross entworfenes und gross durchgeführtes Werk aufzuweisen; es fehlt ein zentralisierender Fürstenhof, an dem ein mächtiger Wille herrschte, kraftvoll die Künstler stützte und sie anregte zu gewaltigen Aufgaben, zu vorbildlichen Schöpfungen. In Sonderinteressen wurde die physische, politische und finanzielle Kraft des Kaisers und der kleineren Fürsten ver- geudet. Denn der Otto Heinrichsbau am Heidelberger Schloss ist nur ein Glied eines grossen Komplexes und das Ganze nicht einheitlich, wie z. B. die Burg Hieinrichs des Löwen zu Braunschweig.(Wir verfügen über sehr gute Photographien und Wand-

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