Jahrgang 
1905
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und der Sprung in die Welt des KRealen, wie sie dem nüchternen Sinne des Römers entsprach, ist getan.

Das Wort des Horaz:Das unterworfene Griechenland unterwarf den rohen Sieger und brachte dem bäurischen Latium die Künste, sowie der Ausspruch Mommsens: Die Entwickelung der musischen Künste in Latium war mehr ein Eintrocknen als ein Aufblühen, werden uns hier in ihrem ganzen Umfange klar. Die politische Sorge unter- drückte bei den Römern von Anfang an jede ideale Anlage: das Utilitätsprinzip herrschte.

Dass die römische Kunst eine Verbindung des etruskischen Gewölbebaus mit dem griechischen Säulenbau war, erkennen wir auf unserem Bilde sofort an den Tempeln, Triumphbogen, der Basilika Julia; aber wir beobachten auch anderwärts, dass römische Nützlichkeitsbauten(Wasserleitungen) und Schaugebäude hauptsächlich durch ihre Grösse und Pracht imponieren, im Gegensatz zu den einfachen vornehmen Bauten der Hellenen.

In ausgeprägtester Weise zeigen die geringen Veränderungen, welche die Römer mit der jonischen Säule vornahmen, den Unterschied an feinem künstlerischem Ver- ständnis zwischen ihnen und den Griechen.

Als Beispiele für die einzelnen architektonischen Monumente suchten wir aus:

Tempel: Pantheon. Theater: Segesta, Herculanum. . Amphitheater: Kolosseum. . Triumphbogen: Titus-, Septimius Severus-, Konstantinsbogen. Porta Nigra. Grabmal des Hadrian(Engelsburg). Bäder: Thermen des Caracalla. .Als charakteristisch für ihre Statuen: Augustus. Ausserdem noch andere römische und griechische Gewandstatuen. 8. Trajanssäule. Durch die Darstellungen auf ihren Reliefbändern auch wichtig für den Unterricht in der Geschichte. H9. Allegorie des Nil.(Dieselben ilfsmittel wie für die griechische Kunst.) Getrennt besprochen wurden nach Photographien und Chromolithographien: Pompeji und seine Fresken, u. a. das Opfer der lphigenie und die Alexanderschlacht.

Wir stehen an einem einschneidenden Moment der Geschichte der Menschheit:

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»Die Götter sanken vom Himmelsthron, Es stürzten die herrlichen Säulen, Und geboren wurde der Jungfrau Sohn, Die Gebrechen der Erde zu heilen; Verbannt ward der Erde flüchtige Lust, Und der Mensch griff denkend in seine Brust!« Schiller: Die vier Weltalter.

Mit dem Eintritt und der Annahme des Christentums durch die Griechen und Römer beginnt eine folgenreiche Wandlung der Geister; mit dem Vernichtungskriege des Christentums gegen das sterbende Heidentum fängt der Verfall Roms an. Zu gleicher Zeit mit der Erstarkung des Glaubens an unseren keiland und Erlöser bedroht das immer mächtigere Eindringen der Germanen die römische Weltherrschaft: es wirkt mit entscheidend für den Sieg der Lehre Jesu.

Der heidnische Tempel, das Wohnhaus der Götter, vermochte nicht dem Be- dürfnis der Christen nach einer Stätte gemeinsamer Gottesverehrung zu genügen. Sie

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