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tenden Wirkungskreis brachte, hat er ſeinem Freunde in jenem Epigramm geſetzt, das mit den Worten beginnt: „Klein iſt unter den Fürſten Germaniens freilich der meine; Kurz und ſchmal iſt ſein Land; mäßig nur, was er vermag. Aber ſo wende nach innen, ſo wende nach außen die Kräfte Jeder; da wär's ein Feſt, Deutſcher mit Deutſchen zu ſein.“ Man hat behauptet, daß dieſe Berufung Goethes an die Spitze der Verwaltung jenes kleinen Staates ſeine dichteriſche Produktion weſentlich beeinträchtigt habe. Jedoch abgeſehen davon, daß derartige Behauptungen überhaupt leichter aufgeſtellt, als bewieſen werden, dürfte ein Hinweis auf Fauſt, Iphigenie, Hermann und Dorothea, Taſſo, dieſen Beweis recht ſchwierig geſtalten. Spricht nicht aus jenen Werken jene allſeitige, klare Weltanſchauung, wie ſie nur ein Mann ſammeln konnte, der Menſch unter Menſchen war? Ideologen hatten— und haben— die Deutſchen jederzeit die Fülle gehabt: Was uns fehlte— und fehlt— das ſind Männer, die einerſeits feſt in dem Boden des praktiſchen Lebens wurzeln, und deren Haupt zugleich in die freien Regionen des Geiſtes emporragt. Daß gerade das Mißverhältnis zwiſchen der geiſtigen Beanlagung der Deutſchen und der Verwertung derſelben im praktiſchen, öffentlichen Leben unſer Verhängnis war, hat Niemand ſchärfer erkannt als Napoleon, der dieſer Ideologie, dieſer Hamletnatur der Deutſchen ſeine Erfolge verdankte. Wir, an der Wiege des 19. Jahrhunderts, ſind vielfach bei dem entgegengeſetzten Extrem, der Unterſchätzung abſtrakter Geiſtesthätigkeit, angelangt: Darum ſollten wir dankbar ſein für große Männer, welche Theorie und Praxis zu verſöhnen, zu einem harmoniſchen Leben zu geſtalten wußten.— Seine neue Thätigkeit bildete aber nicht nur den Menſchen, ſondern auch Goethe, den Naturforſcher. Man hat angeſichts mancher Irrungen Goethes auf dieſem Gebiet, namentlich bezüglich der Farbenlehre, auch an dieſem Intereſſe des Dichters gemäkelt. Iſt es aber nicht einleuchtend, daß, wie die Thätigkeit des praktiſchen Staats⸗ mannes, der überall auf ſcharfen Blick angewieſen war, zugleich das Auge des Naturforſchers ſchärfte, ſo weiterhin die Thätigkeit des Naturforſchers den Sinn für plaſtiſche Kunſt fördern mußte? Wie der Naturforſcher, ſo muß der Künſtler vor Allem beobachten, ſehen lernen. Aber nicht nur der Erweiterung ſeines Wiſſens und der Vertiefung ſeines künſtleriſchen Urteils diente das Studium der Natur, ſondern auch ſeiner ſittlichen Förderung. Waltet doch überall in der Natur jenes höchſte Geſetz der Unterordnung unter einen letzten Willen, deſſen geheimnisvollem Walten nachzugehen den Menſchen über ſich ſelbſt erheot. Das hat der Dichter ſelbſt in den folgenden Worten ausgeſprochen: „Dieſer ſchöne Begriff von Macht und Schranken, von Willkür und Geſetz, von Freiheit und Maß, von beweglicher Ordnung, Vorzug und Mangel, erfreue dich hoch! Die heilige Muſe bringt harmoniſch ihn Dir, mit ſanftem Zwange belehrend. Keinen höhern Begriff erringt der ſittliche Denker, keinen der thaätige Mann, der dichtende Künſtler; der Herrſcher, der verdient, es zu ſein, erfreut nur durch ihn ſich der Krone. Freue Dich, höchſtes Geſchöpf der Natur, Du fühleſt Dich fähig, ihr den höchſten Gedanken, zu dem ſie ſchaffend ſich aufſchwang, nachzudenken.“ Das erſte Weimarer Jahrzehnt ging zu Ende. Jugendlich brauſend, an der Spitze einer lebensfrohen Schar, hatte er die erſten Jahre durchſtürmt, in wachſender Sammlung und Feſtigung
ſchritt er weiter; da plötzlich machte er Halt. Es hielt ihn nicht länger in der Heimat. Flucht⸗ — 2


