des damaligen Bürgermeiſters Küchler wurde im Jahr 1886 die Umwandlung der Schule in eine ſtädtiſche vollzogen und ſie in die Zahl der unmittelbar der Staatsbehörde unterſtellten höheren Mädchenſchule des Landes als vierte eingereiht, da namentlich es inzwiſchen auch gelungen war, das Keim'ſche Inſtitut mit der Schule zu vereinigen. Mittelſt Verfügung Großh. Miniſteriums vom 27. November 1885 wurde die Genehmigung zu dieſer Umwandlung erteilt, und es bildeten damals folgende Herren das Kuratorium: Bürgermeiſter Küchler, Dr. Emil Rauſch, Direktor der Anſtalt, Kaufmann Bayerthal, Notar Dr. Bittel und Gymnaſialdirektor Dr. Boßler. Am 10. Mai 1886 fand die feierliche Eröffnung der Schule im Stadthausſaale ſtatt und am 13. September 1886 zog die Schule in ihr jetziges Heim ein, in dem ſie ſeither gewirkt hat zum Segen Vieler. Neben dem Jubiläum der Schule habe ich die Freude, heute aber auch eines perſönlichen Jubiläums gedenken zu dürfen. Fräulein Raeder iſt heute 25 Jahre an der Schule thätig. Ich danke ihr hiermit für alle die Mühe und Arbeit, die ſie der Schule und ihren Schülerinnen in der langen Zeit zugewendet, und ſpreche den Wunſch aus, daß es ihr noch recht lange in derſelben körperlichen und geiſtigen Friſche vergönnt ſein möge, zu wirken. Auch die Herren Dr. Stein, Rothſchild und Haine ſehen heute auf eine 25jährige Thätigkeit an unſerer Anſtalt hin. Auch ſie beglückwünſche ich auf das Herzlichſte und hoffe, daß ſie noch recht lange uns und der Schule erhalten bleiben. So tritt denn unſere Anſtalt mit dem heutigen Tage in ein neues Vierteljahrhundert ein. Neue Aufgaben und neue Pflichten erwarten ſie. Aber ſie wird dieſen gewachſen ſein, wenn ſie in demſelben Geiſte geleitet wird, wie ſeither. Möge es ihr auch vergönnt ſein, in nicht allzu ferner Zeit die jetzigen Schulräume, die der Würde der Schule und der Stadt und den jetzigen Anforderungen an Schulhygiene kaum mehr entſprechen, mit neuen zu vertauſchen! Es ſoll ihr dies denn ein neuer Anſporn ſein zu neuer Arbeit an der Vervollkommnung der weiblichen Jugend. Unſere Zeit braucht ganze Menſchen und braucht die Menſchen ganz. Die Männerwelt kann die Kräfte nicht mehr allein ſtellen, die heute nötig ſind, auch die Frauen müſſen mithelfen an der ſozialen Arbeit und ihre Thätigkeit iſt dabei beſonders wichtig. So mögen ſie, frei von falſcher Emanzipation, wurzelnd in der Familie, wie ein Baum ſeine Aeſte ausbreitet, die Segnungen ihres Weſens ausbreiten auf die weiteſten Kreiſe. Auf dem Gebiet der Geiſtesarbeit der Männer ſollen ſie die Mitarbeiterinnen derſelben ſein, Herrſcherinnen aber auf dem Gebiet der Menſchenliebe und der Geſittung, damit des gefeierten Dichterfürſten Wort ſtets wahr bleibe:„Willſt du genau erfahren, was ſich ziemt, ſo frage nur bei edlen Frauen nach.“
Rede des Direktors über„Goethe's Werdegang“: Verehrte Anweſende!
Ein Wagnis iſt es— darüber bin ich mir klar— in dem engen Rahmen der mir zur Verfügung ſtehenden Zeit, Kraft und Kenntnis, ſowie einem zum Teil ſo jugendlichen Publikum gegenüber von Goethe zu reden, einem der univerſalſten Genies aller Zeiten. Und doch— nicht von ihm zu reden, wo Alles ſeiner gedenkt, wäre ein noch größeres Unrecht; es wäre eine Pietät⸗ loſigkeit, und damit ein Ausfluß derjenigen Eigenſchaft, die wenn je eine unſerem Goethe fremd war. Nehmt alſo, Ihr jüngeren Schülerinnen unſere Lieder und Vorträge, Ihr älteren meine Worte, Sie Alle aber einen freundlichen Eindruck zur Erinnerung an dieſe Stunde mit!


