Jahrgang 
1900
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Geſchlechts beſtimmt hat, das in Rückſicht auf die ſtets ſchwieriger werdenden Verhältniſſe beſonderer Fürſorge erheiſcht, ſei es, daß das Schickſal ihr einen eigenen erwerbenden Beruf gegeben, oder ſie ins öffentliche Leben hinausgeſtellt hat, damit ſie mithelfe an der Löſung der Fragen der Zeit. Unſere Schule aber war, getragen von hohem idealem Geiſte, ſtets bemüht, dieſen Aufgaben zu folgen. Die Geſchichte dieſer Schule heute an ihrem Gedenktage vorzuführen, ſei geſtattet zur Erinnerung für die, die ſie kennen, zur Nacheiferung denjenigen, denen ſie neu iſt. Vor Gründung der Schule beſtanden hier 3 Privatanſtalten für den höheren Mädchen⸗ unterricht, die einen mehr oder weniger konfeſſionellen Charakter hatten: Das Inſtitut der Fräulein Keim, das beinahe ausſchließlich von evangeliſchen Schülerinnen, das Inſtitut der engliſchen Fräulein, das ausſchließlich von katholiſchen Schülerinnen, und das Inſtitut der Fräulein E. Stohmann, das überwiegend von jüdiſchen Schülerinnen beſucht wurde. Die Nach⸗ teile der konfeſſionellen Trennung der weiblichen Jugend in der Schule waren ſchon lange empfunden worden, zudem drängte in der Zeit, in der in überaus vielen Städten höhere Töchter⸗ ſchulen gegründet wurden, Alles auf eine Reorganiſation des höheren Mädchenſchulweſens in unſerer Stadt. Die Privatſchulen wurden durch den Zuwachs der Bevölkerung zu eng, hier⸗ durch wuchs die Schwierigkeit der Leitung: es verminderte ſich der perſönliche Einfluß des Leiters auf die Schülerinnen, namentlich aber wurde es immer ſchwieriger, geeignete Lehrkräfte zu gewinnen. Der damalige Gemeinderat hatte ſchon wiederholt erſucht, dieſen Übelſtänden durch Errichtung einer ſtädtiſchen Schule abzuhelfen, aber Hinderniſſe aller Art ſtellten ſich dem entgegen. So kam das Jahr 1874. Auch zu dieſer Zeit duldeten namentlich die ſtädtiſchen Finanzen ein Eingreifen der Stadt nicht, aber es erſchien einer Anzahl hieſiger Einwohner ver⸗ ſchiedener Konfeſſionen die Errichtung nun unaufſchiebbar, und ſo traten dieſe zuſammen, um die Schule auf eigene Verantwortung zu gründen und zu leiten, in der Abſicht, ſie der Stadt zu überweiſen, ſobald dieſelbe ſie zu übernehmen bereit ſein ſollte. Im Auguſt 1874 wurde das Kuratorium konſtituiert. Das 1. Programm nennt folgende Namen, die heute in dankbarer An⸗ erkennung genannt ſein ſollen: 1) Vincenz van Baerle, Fabrikant, 2) Dr. Becker, Gymnaſial⸗ direktor, Vorſitzender, 3) Franz Betz, Kaufmann, 4) Dr. Bittel, Notar, 5) M. Edinger, Fabrikant, 6) Fritz Ernſt, Fabrikant, 7) C. W. Heyl, Kommerzienrat, 8) Max Heyl, Rittmeiſter à la suite, 9) Eugen Kranzbühler, Buchdruckereibeſitzer, 10) Dr. Marx, Gymnaſiallehrer, Direktor der höheren Mädchenſchule, 11) Max Michaelis, Kaufmann, 12) Nikolaus Reinhart, Fabrikant, 13) Dr. Salzer, Arzt, 14) Friedrich Schön, Fabrikant. Mittelſt Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern bezw. der Kreisſchulkommiſſion vom 1. Oktober 1874 wurde die Konzeſſion zur Er⸗ richtung der Schule erteilt, in die zugleich das Inſtitut der Fräulein Stohmann übergeführt wurde, ſodaß mit 183 Schülerinnen in 6 Klaſſen am 21. Oktober 1874 der Unterricht begonnen wurde. Das Schullokal wurde dadurch beſchafft, daß Herr v. Heyl das am Fruchtmarkt gelegene Kraft'ſche Haus erwarb und der Schule für ihre Zwecke zur Verfügung ſtellte. So iſt der 21. Oktober 1874 der eigentliche Geburtstag der Schule geworden. An dem Tag ſeiner 25. Wiederkehr gedenken wir mit warmem Dank aller Derer, die vor 25 Jahren unter weitaus einfacheren Verhältniſſen in unſerem Gemeinweſen weit blickend die Schule gegründet, die in den 25 Jahren als Mitglieder des Kuratoriums, als Direktoren und als Mitglieder des Lehrer⸗ kollegs ihre Kraft der Schule gewidmet, die als Freunde der Anſtalt ihr genützt haben. Das Jahr 1886 war für die Schule beſonders bedeutungsvoll. Infolge der unermüdlichen Thätigkeit