Jahrgang 
1929
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V. Zur Geſchichte der Anſtalt

1. Das Schuljahr 1928/29 begann am 23. April mit den Aufnahmeprüfungen. In VI tra⸗ ten 40, in die übrigen Klaſſen 7 Schüler ein.

Vor dem Beginn des Unterrichts verſammelten ſich am 24. April die Lehrer und die Schüler zu einer Eröffnungsfeier in der Turnhalle. Herr Oberſtudienrat Hattemer erläuterte in einer Anſprache in längerer Ausführung das vorbildliche Leben des ägyptiſchen Joſeph und ermahnte die Schüler zu gleich treuer Pflichterfüllung im neuen Schuljahre.

2. In der Zuſammenſetzung des Lehrkörpers trat während des Schuljah⸗ res keine Veränderung ein.

Herr Studienrat Hattemer, der im Anſchluſſe an die Pfingſtferien 1 ½ Wochen zu einer Badekur, und Herr Studienrat Dr. Börſchinger, der vom 11.23. März zu einer Er⸗ holungskur beurlaubt war, Herr Reallehrer Schmidt, der am 18. und 19. Juni an einer Tagung zur Förderung des Zeichenunterrichts in Darmſtadt, Herr Studienrat Holzhäuſer, der am 25. und 26. Oktober an einem neuſprachlichen Fortbildungskurſe in Darmſtadt, und Herr Studienrat Rupp, der vom 4. 6. Dezember an einer Tagung der mathematiſch⸗naturwiſſen⸗ ſchaftlichen Fachgruppe des heſſiſchen Philologenvereins in Mainz teilnahm, wurden durch die übrigen Herren des Lehrkörpers vertreten.

Durch Verfügungen des Heſſiſchen Miniſteriums für Kultus und Bildungsweſen wurden mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 die Herren Studienräte Heinrich Diehl und Hein⸗ rich Hattemer zu Oberſtudienräten und Herr Oberreallehrer Friedrich Görtz zum Turnlehrer ernannt.

Herr Oberſtudienrat Diehl wurde auf ſein Nachſuchen durch Verfügung des Herrn Miniſters für Kultus und Bildungsweſen vom 13. Februar mit Wirkung vom 1. April 1929 in den Ruheſtand verſetzt. Er hatte das ſeltene Glück, 4 Jahrzehnte ununterbrochen an derſelben Anſtalt zu wirken, der er einſt entwachſen war. Kein Wunder, daß er als Lehrer des Deutſchen, der neueren Sprachen und der Muſik mit einer durch das Gefühl herzlicher Anhänglichkeit er⸗ höhten Treue und Gewiſſenhaftigkeit an der Bildung und Erziehung unſerer Jugend gearbei⸗ tet hat. Seine Stärke beſtand darin, mit einem beneidenswerten Optimismus und mit hohem ſittlichem Ernſt und Verantwortungsgefühl den Schülern Einblicke zu eröffnen in die Tiefen der Menſchenſeele, ſie zu begeiſtern für die großen Männer unſerer Geſchichte, unſerer Wiſſen⸗ ſchaft und Literatur, ſie durch den Beſuch der Stätten ihres Schaffens zu jenen in perſönliche Beziehung zu bringen und ſo das Intereſſe für die vertiefte Betrachtung ihrer unſterblichen Werke zu fördern. Darüber hinaus aber hat Herr Oberſtudienrat Diehl insbeſondere kein Opfer an Zeit und Kraft geſcheut, unſere Jungen einzuführen in das Verſtändnis unſerer großen Meiſter der Töne und ihre Schöpfungen auf ſie wirken zu laſſen, ſie zu den Naturſchönheiten deutſchen und fremden Landes zu geleiten und dort aus dem Jungborn der Natur ſchöpfen zu laſſen, ſie durch ſeinen Humor zu erfriſchen und durch ſein Vorbild zu Genügſamkeit, Einfach⸗ heit, Kameradſchaftlichkeit und Ausdauer zu erziehen. Für alles dieſes danken wir ihm bei ſeinem Scheiden aus unſerer Schulgemeinde im Namen des Gymnaſiums. Wir wünſchen dem lieben Amtsgenoſſen, daß er ſich noch lange in Geſundheit eines geſegneten Ruheſtandes erfreue.

3. Das Amt des Beirats bekleideten auf Grund der Wiederwahl durch den Lehrkörper auch im Schuljahre 1928/29 die Herren Studienräte Dr. Schreiter und Holzhäuſer.

4. Die mündliche Reifeprüfung fand am 22. Februar 1929 unter dem Vorſitze des Unterzeichneten ſtatt. Alle 15 Prüflinge konnten für beſtanden erklärt werden(ſ. IV, 2a).