Jahrgang 
1928
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Nibelungenſtadt, der Biſchofsſtadt, der Lutherſtadt und der Freien Reichsſtadt. Das Wormſer Gymnaſium habe im Wandel beſtanden und beſtehend ſich gewandelt. Es werde auch weiterhin dem Staate wertvolle . Dienſte leiſten, da es, feſthaltend an dem alten Kern des humaniſtiſchen Gymnaſiums, ſich auch der neuen Zeit nicht verſchließe. Er wünſchte dem Wormſer Gymnaſium, daß es auch in dem kommenden Jahrhundert in dem altbewährten humaniſtiſchen Geiſte weiterwirke zu Nutz und Frommen der Stadt Worms, des Heſſenlandes und des ganzen deutſchen Vaterlandes.

Herr Oberbürgermeiſter Rahn gab im Anſchluſſe an ſeine launige Begrüßung und ſeine aus treuem Schülerherzen kommenden Glückwünſche die Verſicherung, daß die Stadt Worms in Treue zu ihrem Gymnaſium ſtehe. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die humaniſtiſche Bildung auch ferner die Er⸗ kenntnis verbreiten helfe, daß es eiſerne Pflicht eines jeden ſei, inmitten unſerer Volksgemeinſchaft zum Beſten des Vaterlandes zu wirken.

Herr Rektor Prof. Dr. Zwick überbrachte die Grüße und Glückwünſche der Landesuniverſität Gießen. Er wies auf die engen Beziehungen des Wormſer Gymnaſiums und der alma mater Ludoviciana hin und wünſchte unter Betonung der jahrhundertelangen gemeinſamen Arbeit beider Bildungsanſtalten an der Heranbildung führender Männer auf den verſchiedenen Gebieten des geiſtigen Lebens dem Gymnaſium, daß es, gehegt von Staat und Stadt, ein unerſchöpflicher Jungbrunnen des Geiſtes für unſer heſſiſches Land und eine Pflegeſtätte für unſere Jugend bleibe, damit ſie heranwachſe zu charakterfeſten treuen deutſchen Männern.

Herrr Prälat D. Dr. Diehl wünſchte nach einer hiſtoriſchen Darlegung der Beziehungen des Wormſer Gymnaſiums zur Kirche, daß jenes wie ſeither beſtrebt ſein möge, eine Jugend heranzubilden, die befähigt werde, in die Tiefe der Dinge einzudringen, daß es den Sinn dafür wecke, daß wir Menſchen, einerlei welches Standes, zuſammengehören und daß es mit der Kirche den großen Zielen zuſtrebe, religiöſe, ſittliche Charaktere zu bilden, die nach Jeſu Wort:Wer unter euch der Vornehmſte ſein will, der ſei euer Diener lebten und ſozial zu denken und zu arbeiten verſtänden.

Für die geſamte Wormſer Schule überbrachte Herr Oberſtudiendirektor Dr. Deggau von der Oberrealſchule Gruß und Glückwunſch. Er wünſchte dem Gymnaſium, daß es immer die rechte Mitte finden möge zwiſchen der verantwortungsvollen Pflege alter ihm anvertrauter Kulturgüter und den dringenden Forderungen des Tages, auf daß es auch im 5. Jahrhundert ſeines Beſtehens eine lebendige Schule bleibe.

Nachdem dann noch Herr Studienrat Prof. Glenz im Namen des Heſſ. Philologenvereins und Herr Direktor Schaum in dem der Vereinigung der Freunde des humaniſtiſchen Gymnaſiums die Anſtalt beglückwünſcht hatten, beſchloß den Reigen der Redner Herr Geh. Konſiſtorialrat D. Dr. Dechent aus Frankfurt a. M., einer der älteſten bei der Feier anweſenden früheren Schüler, der 1867 das Gymnaſium verlaſſen hatte. Seine humorvolle und doch eindringliche Anſprache war für jeden, der ſie hörte, ein Erlebnis. Sie gipfelte in den mahnenden Sätzen: Gedenket in Liebe der Toten und mit Verehrung der einſtigen Lehrer, habt in der Jugend Ehrfurcht vor dem Gewordenen und als Eltern Ehrfurcht vor dem Werdenden. Er ſchloß mit dem Wunſche, daß Gott dem Wormſer Gymnaſium, auf das 4 Jahrhunderte hernieder⸗ blickten, die Gnade gebe, daß es auch im 5. Jahrhundert blühe und gedeihe!

Mit dem wuchtigen DoppelchorVieles Gewaltiges lebt aus derAntigone des Sophokles in der Mendelſohnſchen Bearbeitung, der vom Orcheſter begleitet wurde, fand der Feſtakt einen erhebenden Abſchluß.

Nunmehr fanden ſich die verſchiedenen Schülerjahrgänge bei Wormſer Schulkameraden oder in den Gaſthäuſern der Stadt zuſammen, um im engſten Freundeskreiſe Erinnerungen aus der ſchönen Wormſer Pennälerzeit miteinander auszutauſchen und in jahrzehntelanger Trennung gelockerte Freundſchaftsbande wieder feſter zu knüpfen. Um 5 Uhr aber verſammelte ſich die Schulgemeinde mit ihren Gäſten wieder im Theaterſaale des Städt. Spiel⸗ und Feſthauſes, um der Aufführung von Hugo v. Hofmannsthals MpſterienſpielDas große Welttheater anzuwohnen. Unter der Spielleitung ſeines neuen Intendanten Edgar Klitſch verſtand es das Schauſpielenſemble des Mainzer Stadttheaters, das von humaniſtiſchem Geiſte durchwehte Stück zu einer weihevollen Feſtaufführung zu geſtalten, die kaum jemand ohne tiefe Ergriffenheit und reichen ſeeliſchen Gewinn verließ.

Am Abend gaben die in Worms wohnenden früheren Gymnaſiaſten ihren auswärtigen Schulkame⸗ raden und lieben Gäſten im Mozartſaale des Feſthauſes einen Kommers, bei dem echt ſtudentiſche Fröhlichkeit herrſchte. Das Präſidium lag in den Händen des Herrrn Dr. med. Raiſer, der nach einer launigen Anſprache zur Eröffnung des Kommerſes ein von Herrn Prof. Dr. Hermann Briegleb zu Ehren des