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Gymnaſiums verfaßtes Lied ſingen und dann einen donnernden Salamander auf das Blühen, Wachſen und Gedeihen der Jubilarin reiben ließ. Bei fröhlicher Unterhaltung eilten die Stunden nur allzu raſch dahin, begeiſterte Reden der Herrn Dr. Raiſer, Oberſtudiendirektor Lautheſchläger aus Darmſtadt, des früheren Leiters unſerer Anſtalt, Studienrat Prof. Arxt, Oberſtudiendirektor Dr. Keller aus Büdingen und Studienrat Profeſſor Völzing aus Gießen feierten des deutſchen Mannes Ruhmestitel, die Liebe zu Heimat und Vaterland, die Treue und die Freundſchaft, erinnerten an die ſchöne in Worms verlebte Jugendzeit und gaben der Hoffnung auf ein Wiederſehen im lieben Worms Ausdruck.
Obwohl man erſt in ſpäter Stunde auseinanderging, fanden ſich doch zu der Turnſchau, die am Montag, den 12. September, vormittags 10 Uhr unter Leitung des Herrn Oberreallehrers Görtz auf dem Schulhofe des Gymnaſiums ſtattfand, neben zahlreichen Gäſten und Eltern auch viele frühere Schüler ein. Trotz des kühlen Wetters folgten ſie alle den turneriſchen Darbietungen, die einen Einblick in den heutigen Stand des Schulturnens und in deſſen Aufgabe und erzieheriſchen Wert gewähren ſollten, mit Ausdauer und großem Intereſſe. Unter den Klängen eines friſchen Turnerliedes zogen die Schüler in langer Flankenreihe in den Schulhof ein, um dann die Jubiläumszahl 400 zu ſtellen. Nach herzlichen Worten der Begrüßung an die anweſenden Gäſte wies darauf der Unterzeichnete auf den Zweck der Turnſchau hin, und nun weckten die von allen Schülern ſchön und ſtramm ausgeführten Ubungen bei manchem früheren Schüler Bewunderung, Staunen und Neid, wenn er das neuzeitliche Schulturnen ver⸗ glich mit dem ſeiner Schulzeit, und jeder Zuſchauer mußte zu der Uberzeugung kommen, daß die ſyſte⸗ matiſch aufeinander aufgebauten Frelübungen, Hüpf⸗ und Liegeſtützübungen, Barren⸗ und Stabübungen ſowie die Ubungen an Bock und Pferd der Ausbildung der lebenswichtigen Organe und der Muskeln und damit der Förderung des Geſamtſtoffwechſels dienen, daß die den verſchiedenen Lebensaltern ange⸗ paßten Geräteübungen zu Wagemut, Kraft, Gewandtheit und Selbſtvertrauen erziehen und ſichtlich in den Turnern Freude am eigenen Können wecken und daß erſt dieſe allſeitige Erziehung zur Beherrſchung des Körpers, zu freiwilliger Unterordnung, zur Selbſtändigkeit und zur Schlagfertigkeit ein wohl geordnetes, eine ſchöne Form bietendes und innere Zucht verratendes Turnſpiel ermöglicht.
Nahezu 2 Stunden dauerte die mit großem Beifall aufgenommene Turnſchau, und nach ihr nahm der Unterzeichnete noch einmal das Wort, um den 4 oberſten Klaſſen einen als„Jubiläumsſchild“ ihnen geſtifteten Klaſſenwanderpreis zu überreichen. Um das unſtreitig ſchönſte Kampfſpiel, das deutſche Schlag⸗ ballſpiel, im Wormſer Gymnaſium für alle Zeiten zu verankern, hat der Stifter beſtimmt, daß der Schild jedes Jahr in den Beſitz derjenigen Klaſſe übergeht, die aus einem zwiſchen den Klaſſen UII— OI aus⸗ zufechtenden Schlagballwettkampfe als Siegerin hervorgeht. Zum erſtenmal wurde dieſe Ehre der Schlag⸗ ballmannſchaft der OII zuteil, deren Spielern zur Erinnerung eine von der Buchdruckerei Kranzbühler kunſtvoll hergeſtellte und in dankenswerter Weiſe geſtiftete Siegesurkunde eingehändigt wurde. Mit der Bitte an die Schüler, die in den Schild eingravierte Mahnung„In unitate robur“ nie zu vergeſſen, und nach ihr zu handeln, im Spiele durch die Unterordnung unter und Einordnung in das Ganze, in ihrer Ausbildung durch das Streben nach allſeitiger Bildung des Leibes und der Seele und im Leben durch einträchtiges Zuſammenwirken mit allen Volksgenoſſen zum Segen der Geſamtheit, ſchloß der Unterzeichnete die Turnſchau, um dann die Gäſte durch das Gymnaſialgebäude in das Lehrerzimmer und den Aufenthaltsraum zu 2 kleinen Ausſtellungen von Klaſſenbildern, Klaſſenbüchern und Schularbeiten zu geleiten, die mit großem Intereſſe beſichtigt wurden.
Ihren Abſchluß fand die Vierhundertjahrfeier am Nachmittag des 12. September mit einer Dampfer⸗ fahrt nach Oppenheim, an der ſich etwa 300 Perſonen beteiligten. Nach fröhlicher Fahrt bei den Klängen des Leuchtſchen Konzertorcheſters wurde in Oppenheim angelegt. Hier wurde trotz zeitweiligen leichten Regens die Katharinenkirche beſichtigt. Auf der Rückfahrt rückten noch einmal die alten Freunde beim Spiel der Muſik zu traulicher Unterhaltung aneinander, während ſich die Jugend fröhlich im Tanze wiegte. Naſch verflogen ſo die ſonſt ſo langen Stunden der Fahrt zu Berge. Um 8 ½ Uhr war Worms erreicht, und es galt, Abſchied zu nehmen. Da aber glitten die Gedanken noch einmal zurück über die unver⸗ geßlich ſchönen Stunden, die man im alten Worms zuſammen verlebt hatte, und nur ein Wunſch wurde bei allen laut, daß es noch einmal im Leben möglich werde, ſich gleich froh an der Stätte der lieben Jugendzeit zuſammenzufinden.
Doch wir können unſeren Bericht über die Vierhundertjahrfeier des Gymnaſiums nicht ſchließen, ohne allen herzlich zu danken, die zu dem guten Gelingen des ſeltenen Feſtes beigetragen haben, ſei es


