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Gegrüßet ſeid uns, all Ihr lieben Leute, Die Ihr zu unſrer frohen Feier heute, Zu unſrem ſelt'nen Jubtläumsfeſte Herbeigeeilt, Ihr trauten, ſelt'nen Gäſte, Verſammelt frohbewegt in großer Zahl Erwartungsvoll in unſ'rem Feſthausſaal.
Euch allen, die Ihr kamt von fern und nah', Beut herzlichen Willkomm Wormatia,
Die altehrwürd'ge Nibelungenſtadt,
Die ſchon ſo manches Leid erduldet hat,
Doch auch viel Großes, Schönes durfte ſchauen, Gefeiert allezeit in deutſchen Gauen.
Vom Gold der Sage wunderſam umwoben,
In der Geſchichte Sonnenlicht gehoben,
Da unerſchütterlich mit Herz und Hand
Sie Treue hielt Fürſt, Volk und Vaterland Und immer höchſten Bürgerſinn bewieſen
In Taten, die mit Recht von je geprieſen,
Der ält'ſten und der ſchönſten Städte eine, Beſpült vom vaterländ'ſchen Strom, dem Rheine.
Wie trotzig ragt des Domes ſtolzer Bau Ehrfurchtgebietend in des Himmels Blau! Was durfte, mußte er nicht alles ſehen Allhier in langer Zeiten Lauf geſchehen!
Auch ſchon vier hundert Jahre ſind entſchwunden, Seitdem, wie wir in Urkunden gefunden,
Die Anſtalt, die ſo manchem viel gegeben,
In unſrer Vaterſtadt einſt trat ins Leben,
Die Schule, der in wechſelvollem Ringen
Ließ Gottes Gnade gleichwohl es gelingen, Daß ſie in Stürmen der Vergangenheit
Kühn trotzte allen Wandlungen der Zeit.
Und unſeres Gymnaſium's Wiegenfeſt,
So ſchlicht und warm es ſich nur feiern läßt, Gilt es uns nun in Eintracht zu begeh'n. Wer könnte zaudern noch und abſeits ſteh'n?
Schon als vor langer Zeit die erſte Kunde Von unſ'rem Feſt ging langſam in die Runde,
Durchdrang ein mächtiges Gefühl der Luſt, Der Liebe, Treue, Dankbarkeit die Bruſt
Bei allen denen, die ſich Schüler nennen
Und ſtolz und ehrlich durften ſich bekennen, Wie vieles von Charakter, Können, Wiſſen Zuvörderſt ſie der Schule danken müſſen. „Jawohl! Zum Jubeltag, da muß ich hin! Denn dem Pennal verdank ich, was ich bin!“ So mochte mancher ſagen wohl mit Fug, Die Zeit verging ihm gar nicht ſchnell genug.
Und welche Freude wird uns nun beſchert Beim Wiederſeh'n mit Freunden, lang entbehrt, Den einſt vertrauten, nach ſo vielen Jahren, Wo ſie weithin ins Land verſchlagen waren, Darunter auch manch würdig greiſes Haupt, Dem noch das Alter Jugend nicht geraubt.
Ein leiſer Ton nur miſcht ſich ein von Schmerz Und Trauer, Wehmut ſchleicht ſich in das Herz, Wenn wir, die Lebenden, gewahren müſſen, Welch große Lücken das Geſchick geriſſen
In unſre altgewohnten Schülerreih'n,
Den Toten wir ein ſtill Gedenken weih'n.
Wir andern aber, die noch atmen können, Wir wollen unſrer lieben Anſtalt gönnen, Daß ſie ihr Licht in junge Herzen ſenke
Und Seel und Geiſt auf höchſte Ziele lenke, In fernſte Zeiten wirkſam noch zu zeigen
Tief innerliche Kräfte, die ihr eigen, Geloben ihr in dieſer Feierſtunde
Mit warmem Herzen und mit frohem Munde, Wie ſchon ſeither bewährt, ſo jetzt auf's neue Auch fürder unverbrüchlich ſtete Treue.
Solange Ideal und edler Sinn
Und Menſchlichkeit dem Herzen bringt Gewinn, Erhoffen wir getroſt des Höchſten Segen
Für unſre Stadt und Anſtalt allerwegen. Lang blüh’ und wirke noch zu ihrem Ruhm Ihr humaniſtiſches Gymnaſium!
Die durch den Prolog angeſchlagenen Saiten klangen dann hinein in die weihevollen Töne des 2. Satzes der 5. Beethovenſchen Symphonie, die ein aus Schülern und Freunden der Anſtalt zuſammen⸗ geſetztes Orcheſter unter Herrn Reallehrer Schmidts Leitung meiſterhaft zu Gehör brachte.
Nachdem der Beifall verrauſcht war, beſtieg der Unterzeichnete das Rednerpult, um der Feſtver⸗ ſammlung herzlichen Willkommensgruß zu entbieten, inſonderheit den Herrn Vertretern der Heſſiſchen Staatsregierung und des Heſſiſchen Landesamts für das Bildungsweſen, den Herren Miniſterialdirektor Urſtadt und Miniſterialrat Glückert, den Herren der Bürgermeiſterei und der Stadtverordnetenver⸗ ſammlung der Stadt Worms, dem Herrn Rektor der Landesuniverſität Gießen Profeſſor Dr. Zwick, den Herren Vertretern der 3 Bekenntniſſe, unter ihnen dem Herrn Prälaten der evangeliſchen Landes⸗ kirche Herrn D. Dr. Diehl, den Herren Direktoren der Heſſiſchen Gymnaſien, den Herren Leitern der Wormſer Schulen und der Frau Oberin des Inſtituts St. Mariä der Engliſchen Fräulein, den Herren Schulräten des Kreiſes und der Stadt, den Herren Vertretern der Lehrkörper der Wormſer Schulen, den Herren Vorſitzenden des Heſſiſchen Philologenvereins und der Wormſer Vereinigung der Freunde des humaniſtiſchen Gymnaſiums, der Elternſchaft und den früheren und derzeitigen Schülern unſerer Anſtalt.
Anſchließend gedachte der Redner aller derer, die der unerbittliche Tod an der Teilnahme an dem Feſte gehindert hatte, insbeſondere derer, die im Weltkriege auf dem Felde der Ehre ihr Leben hatten laſſen müſſen für ihre Heimat. Ihr Andenken ehrte die Verſammlung dadurch, daß ſie ſich für einen


