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vertretung der Stadt Worms ließ es ſich nicht nehmen, zur Finanzierung des Jubelfeſtes ihrer alten Ratsſchule die namhafte Spende von 2500 RM. auf das Jubiläumskonto bei der Vereinsbank überweiſen zu laſſen. In der kurzen Zeitſpanne von 3 Wochen zwiſchen den Sommerferien und dem 10. September mußten die verſchiedenen Veranſtaltungen des Feſtprogramms vorbereitet werden, eine anſtrengende und
anerkennenswerte Leiſtung der Herren, die die Verantwortung für das Gelingen des Feſtes nach dieſer Seite hin übernommen hatten.
Nun wurde noch am 9. September die Ehrentafel der im Weltkrieg gefallenen Glieder unſerer Schulfamilie mit einem friſchen Kranze geſchmückt, und dann brachte Samstag, der 10. September, als erſte Veranſtaltung der Feſtfolge den Begrüßungsabend im Mozartſaale des Städtiſchen Spiel⸗ und Feſt⸗ hauſes. Frei von prunkvoller Aufmachung und von offiziellen Reden ſollte er den nach langer Trennung einander wiederſehenden Teilnehmern, Schülern und Lehrern, Gelegenheit zu ungeſtörter, trauter Ausſprache geben. Nach einem flotten„Nibelungenmarſch“ des Wormſer Konzertorcheſters unter der Leitung des Herrn Muſikdirektors Leucht begrüßte der Knabenchor des Gymnaſiums unter dem Taktſtocke des Herrn Reallehrers Schmidt die lieben Gäſte aus nah und fern mit dem immer ſchönen Liede„Gott grüße dich’ von Sturm in friſcher und zu Herzen gehender Weiſe. Anknüpfend an die letzten Worte hieß in wenigen markigen Sätzen der Unterzeichnete alle willkommen, die zu dem Feſte herbeigeeilt ſeien als zu einem hiſtoriſchen Feſte der Stadt, die ſich, wie der feſtliche Schmuck der Häuſer zeige, an dem Jubiläum ihrer Natsſchule innerlich beteiligt fühle, als zu einem Feſte der Erneuerung und Beſieglung alter Jugend⸗
freundſchaft, der Anhänglichkeit an eine liebgewordene Bildungsſtätte und der Hoffnung auf die Erhaltung ihres Bildungsideals.
Nur zweimal wurde dann noch das freudige Gewoge und die angeregte Unterhaltung der Hunderte früherer Schüler und Lehrer unterbrochen durch die Auge und Ohr erfreuenden dramatiſchen Darbietungen, die Herr Studienrat Holzhäuſer mit Schülern der oberen Klaſſen eingeübt hatte. Zunächſt brachten die Oberprimaner Braeunig und Klöter und die Unterprimaner Gülich und Thinnes das Hans Sachs ſche Faſtnachtsſpiel„Der Roßdieb von Fünſing“ mit anerkennenswertem ſchauſpieleriſchem Geſchick und dann die Oberſekundaner Grünfeld und Dany und der Unterſekundaner Zahn„Das Narren⸗ ſchneiden“, ein Schattenſpiel nach Hans Sachs, mit feiner Komik zur Aufführung. Reicher Beifall belohnte den unverdroſſenen Spielleiter und ſeine jugendlichen Darſteller.
Am Sonntag, den 11. September, dem Hauptfeſttage, gedachte während des Vormittagsgottesdienſtes in der Dreifaltigkeitskirche der Prälat der evangeliſchen Landeskirche Herr D. Dr. Diehl in einer Feſt⸗ predigt der vor 400 Jahren erfolgten Gründung der reichsſtädtiſchen lutheriſchen Lateinſchule und ihrer Bedeutung für die Befeſtigung der neuen Lehre in Worms.
Um 11 Uhr vormittags fand dann im feſtlich geſchmückten Theaterſaale des Städtiſchen Spiel⸗ und Feſthauſes ein gerade durch ſeine Beſchränkung und Schlichtheit ſtimmungs⸗ und eindrucksvoller Feſtakt ſtatt.
Das Haus war bis zum letzten Platze gefüllt von einer Gemeinde, die unter Hintanſetzung alles Trennenden ſich einig und gehoben fühlte in dem Banne einer Idee, die durch Jahrhunderte richtung⸗ gebend geweſen war für das Geiſtesleben unſerer Stadt und die dem Fortſchritte der Kultur ſich anpaſſend an ihrem Teil das Wormſer Schulweſen in ruhigen Bahnen über ſich ſelbſt hinaus allmählich zu nicht minder notwendigen neuen Formen ſich hatte entwickeln laſſen, ohne daß jenes in Kämpfe verſtrickt wurde, die letzten Endes dem Bildungsweſen als ganzem nur nachteilig hätten werden müſſen. So ward eine Feierſtunde, die ohne Mißton verlief und wohl alle Teilnehmer mit dem Gefühle ſcheiden ließ, daß im Schulweſen, deſſen Teile in Eintracht und mit gegenſeitigem Verſtändnis nebeneinander wirken, ein Glück und Segen für eine Gemeinde und ein Volk iſt, eine Freude für den Lehrerſtand, ein Heilmittel gegen die innere Zerklüftung, eine Vorausſetzung für eine allſeitige Volksbildung und ein ruhender Hafen in dem ſtürmiſchen Gewoge der oft nur eingebildeten Gegenſätze der Menſchen.
Dieſem Gedanken gab die Vortragsfolge, gaben auch die von echt humaniſtiſchem Geiſte erfüllten Anſprachen erfreulichen Ausdruck.
Nachdem der durch frühere Schüler verſtärkte gemiſchte Chor unter Herrn Reallehrer Schmidts Leitung mit dem Bundeslied von Mozart die Feier ſtimmungsvoll eingeleitet hatte, begrüßte Herr Stu⸗ dienrat Profeſſor Diehl die Feſtverſammlung mit folgendem, von ihm ſelbſt verfaßtem Prolog, der der Bedeutung des Tages als eines Ehrentages der Stadt und ihres Gymnaſiums, als eines Tages dankbarer
und liebevoller Erinnerung an die Toten und frohen Wiederſehns treuer Schulfreunde in feinſinniger Weiſe, gerecht wurde:


