Jahrgang 
1928
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IX. Anhang.

Bericht über die Vierhundertjahrfeier des Wormſer Gymnaſiums vom 10. bis 12. September 1927.

Descende caelo et dic age tibia regina longum Calliope melos, seu voce nunc mavis acuta

seu fidibus citharave Phoebi!

möchte man mit Horaz rufen angeſichts der ſchier unlösbar ſcheinenden Aufgabe, auf dem knappen Raum nur weniger Seiten alle die Eindrücke feſtzuhalten, die das ſeltene Feſt des 400⸗jährigen Beſtehens unſerer Anſtalt bei allen Teilnehmern hinterlaſſen hat, und allen den Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die die Hunderte lieber Schüler und Freunde durchzuckt haben, die in jenen unvergeßlichen Septembertagen 1927 ſich in unſerer altehrwürdigen Stadt, an der Stätte froher Kindheit und Jünglingszeit verſammelt haben, um ihre alma mater mit guten Wünſchen in ihr nächſtes Jahrhundert hinüberzugeleiten, ihr und der Stadt, die ſie einſt als Bildungsſtätte ſchuf, zu danken, ſich aufs neue zu dem Bildungsideal zu bekennen, das jene durch 400 Jahre gepflegt hat, und endlich ſich mit lieben Freunden und Lehrern zuſammen⸗ zufinden, um mit ihnen köſtliche Erinnerungen aufzufriſchen aus ſonniger, wonniger Jugendzeit!

Nur ſkizzenhaft kann den ſpäteren Geſchlechtern der Verlauf des ſelten eindrucksvollen Feſtes ge⸗ ſchildert werden, deſſen ſo raſch verflogene Stunden für alle Teilnehmer einen reichen Gewinn fürs Leben bedeuten, Stunden willkommener Ausſpannung und ſeeliſcher Erhebung, Stunden auch froher Erkenntnis und Zuverſicht, daß die materiellen Sorgen noch nicht den Flug nach Höherem, Edlerem zu lähmen ver⸗ mocht haben, daß noch Herzen in Treue und Freundſchaft zueinander ſchlagen, daß bei aller äußeren und inneren Zerſplitterung unſeres Volkes es noch Deutſche gibt, die trotz der Verſchiedenheit des Standes, des Alters, der Partei und des Bekenntniſſes von dem einen Streben durchpulſt werden, an ihrem Teile und auf ihre Art den ſtolzen Bau unſeres Vaterlandes wieder aufrichten zu helfen, den ein namenloſes Elend in ſeinen tiefſten Feſten erſchüttert hat.

Am 12. Juli 1926 war es, als auf Anregung verſchiedener Schülerjahrgänge hin ein Kreis früherer Schüler des Gymnaſiums dem Ruf des Unterzeichneten folgend, ſich in den12 Apoſteln zuſammenfand, um zu der Frage der Feier des 400⸗jährigen Beſtehens unſerer Anſtalt Stellung zu nehmen. Alle waren ſich darin einig, daß das Jubiläumsfahr nicht ſang⸗ und klanglos vorübergehen dürfe, daß vielmehr 1927 mit der Vierhundertjahrfeier des Gymnaſiums zugleich ein Feſt des Wiederſehens der früheren Wormſer Gymnaſiaſten gefeiert werden ſolle, eine Art Heerſchau nach dem männermordenden Weltkriege. Es wurde daraufhin unter dem Vorſitze des Unterzeichneten ein 6⸗köpfiger geſchäftsführender Hauptausſchuß gewählt, der ſich bald in der Art erweiterte, daß ſich noch 26 Herren bereit erklärten, in einem Finanz⸗, einem Preſſe⸗, einem Vergnügungs⸗ und einem Wohnungsausſchuſſe bei den Vorbereitungen des Feſtes mitzu⸗ wirken. Man wählte für dieſes mit Rückſicht auf die zahlreichen Studenten, die an den feſtlichen Ver⸗ anſtaltungen gern teilnehmen wollten, und aus ſchultechniſchen Gründen die Tage vom 10.12. September 1927. Man einigte ſich auf eine dem Doppelcharakter des Feſtes entſprechende Feſtfolge: einen Begrü⸗ ßungsabend am 10., einen Feſtakt, eine Feſtaufführung und einen Kommers am 11. und endlich eine Turnſchau und eine Dampferfahrt nach Oppenheim am 12. September. Herr Dr. Alfred Gernsheim übernahm es, das wertvolle, bis dahin noch nicht veröffentlichte Quellenmaterial der Schulgeſchichte über die Jahre 1803 1813, der Zeit der école secondaire, in einer Feſtſchrift zuſammenzuſtellen, zu der Herr Dr. Illert, Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs, ein geſchichtliches Vorwort und der Unterzeichnete ein Schlußwort verfaßte, in dem er einen Durchblick durch die Entwicklung des humaniſtiſchen Gedankens am Wormſer Gymnaſium zu geben verſuchte. Gleichzeitig wurde von dem Unterzeichneten unter Mitwirkung von Vertretern aus allen Schülerjahrgängen und unter Benutzung der amtlichen Schüler⸗ liſten ein Verzeichnis der früheren Schüler aufgeſtellt, und es wurden deren Anſchriften ermittelt. Von etwa 1200, mit denen wir im Briefwechſel ſtanden, konnten etwa 600 aus den Serta⸗Jahrgängen 1852 1918 ihr Erſcheinen zum Feſte in Ausſicht ſtellen, mehrere ſchickten Klaſſenbilder für unſere kleine Schulausſtellung, und viele ſandten Geldbeträge zur Deckung der Feſtunkoſten. Auch die Gemeinde⸗