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Der Schulverwalter Vogt wurde am 27. November 1889 definitiv als Lehrer an der Vorſchule angeſtellt.
Dem Gymnaſiallehrer Soldan wurde durch Allerhöchſte Entſchließung vom 12. September 1889 der Profeſſortitel verliehen.
2. In Gemäßheit Allerhöchſter Entſchließung vom 7. November 1888 wurde in Verbindung mit unſerer Anſtalt ein pädagogiſches Seminar errichtet und am 1. Mai 1889 eröffnet. Als Mitglieder traten ein: am 1. Mai die Acceſſiſten Dr. Keller, Dr. Büchner und Kircher, am 13. Juni der Acceſſiſt Diehl und am 24. Juni der Acceſſiſt Henk.
Dr. Büchner wurde am 6. Januar 1890 zur Aushilfeleiſtung an das Gymnaſium zu Mainz berufen.
3. Die Klaſſe 4 der Realſchule wurde mit Genehmigung der vorgeſetzten Behörde mit Be⸗ ginn des Schuljahres in zwei Parallelcoeten zerlegt.
Der fakultative Lateinunterricht in der Realſchule kam, gleichfalls mit höherer Genehmigung, von dem nämlichen Zeitpunkte an in Wegfall.
4. Der Schulbetrieb erlitt mehrfach empfindliche Störungen.
Der Gymnaſiallehrer Dr. Quentell war von Oſtern bis Pfingſten 1889 zu einer wiſſenſchaftlichen Reiſe nach Neapel, vom 5. bis 29. Auguſt zum Zweck von Reblausunterſuchungen und vom 3. Februar an auf eine Woche zur Teilnahme an dem Reblauscurſus(im letzterwähnten Falle nur teilweiſe) beurlaubt.
Vom 5. bis 29. Auguſt ſtand ein Stellvertreter(Acceſſiſt Wißner) zur Verfügung; in die übrigen Lücken mußten, ſoweit thunlich, die Kollegen eintreten.
Krankheitshalber fehlte Dr. Scheuermann von Pfingſten bis zum Schluſſe des Sommer⸗ halbjahres und Dr. Nies vom 25. Januar bis 19. Februar d. J.; in beiden Fällen und ebenſo bei mehrfachen Verhinderungen einzelner Kollegen für kürzere Zeit wurde die Vertretung aufs bereitwilligſte von andern Mitgliedern des Kollegiums übernommen.
Der Lehrer an der Vorſchule Schmahl, den ein ſchweres Leiden ſchon im vorigen Schul⸗ jahre lange Monate vom Dienſt ferngehalten hatte, konnte erſt zu Beginn des Winterhalbjahres, und auch da nur mit verminderter Stundenzahl, wieder eintreten. Mit ſeiner Vertretung war, wie im Vorjahre, der Acceſſiſt Dr. Keil beauftragt, der aber freilich wegen militäriſcher Dienſtleiſtung vom 21. April bis zum 19. Juni v. J. ſelbſt vertreten werden mußte.
Eine ganz beſonders empfindliche, weil auf alle Klaſſen ſich erſtreckende Störung ver— urſachten im Winterhalbjahre die außerordentlich zahlreichen Krankheitsfälle unter den Schülern, insbeſondere trat die Influenza in ſo bedenklichem Umfange auf, daß in Gemäßheit eines ergangenen Miniſterialausſchreibens die Weihnachtsferien bis zum 17. Januar d. J. verlängert werden mußten.
5. Am 31. Mai 1889 beteiligten ſich Schüler und Lehrer an der kirchlichen Gedächtnis⸗ feier der Zerſtörung der Stadt Worms durch die Franzoſen. Das Vaterlandsfeſt des 2. Septembers beging die Anſtalt in herkömmlicher Weiſe; die Anſprache am brennenden Holzſtoße hielt Kollege Soldan. Der Geburtstag Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs und derjenige Sr. Majeſtät des Kaiſers wurden durch Schulakte gefeiert, bei denen der unterzeichnete Direktor und Profeſſor Dr. Marx die Feſtreden hielten. Beim Beſuche Sr. Majeſtät des Kaiſers in der Stadt Worms am 8. Dezember 1889 beteiligte ſich die Schule an der Spalierbildung.


