Jahrgang 
1906
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282 Verfall der gelehrten Schulen zu Worms in der Franzoſenzeit.

vier Lehrer und dreizehn Schüler; der jüngere Herwig war alſo damals noch an der Anſtalt. Ein Jahr ſpäter war derſelbe abgegangen, wohin er verſetzt wurde, iſt uns nicht bekannt. Die Anſtalt ging unter den drei übrig bleibenden alten Lehrern raſch ihrem Verfall entgegen. Rector Herwig ſtarb am 28. Auguſt 1803. Das katholiſche Seminarium hatte damals in den drei Lehrſälen ſeines zerfallenen Hauſes 21 Schüler und 2 tüchtige Lehrer Müller und Staſſer.

Nachtrag.

1. Grundzüge der Entwickelung des Gymnaſiums und der Realſchule zu Worms im 19. Jahrhundert.

Schon die am 23. Januar 1804 eröffnete dreiklaſſige und ſechsjährige Secundärſchule zu Worms ſah ſich unter dem franzöſiſchen Regimente veranlaßt, griechiſchen Unterricht, wenn auch in dürftiger Weiſe, zu ertheilen und zugleich der Aufgabe eines Progymnaſiums ſich zu unterziehen. Dieſe Anſtalt nannte ſich, ſeitdem ſie 1815 heſſiſch geworden, Gymnaſium, obwohl ſie von 18151829 nicht einmal die Einrichtungen eines wirklichen Progymnaſiums beſaß und ſogar in den Jahren 1823 1828 in Folge von Mangel an Lehrkräften keinen griechiſchen Unterricht ertheilte. Nachdem die Anſtalt von Director Dr. W. J. G. Curtman und Dr. W. Wiegand in den Jahren 1829 bis 1833 zu einem wirklichen Gymnaſium erhoben und am 1. Oct. 1832 mit dem Rechte der Abhaltung der Maturitätsprüfung ausgeſtattet worden war, ſtellte ſich ſchon in den dreißiger Jahren das Be⸗ dürfniß heraus, den nach dem Gymnaſiallehrplan zu wenig beachteten Realunterricht zeitgemäß zu fördern. Bürgermeiſter F. Renz wirkte ſeit 1838 dafür. Alle ſtädtiſchen Behörden erklären im Januar 1841, das Gymnaſium müſſe in ſeiner Organiſation der Stadt erhalten bleiben, daneben ſollten aber für künftige Kaufleute und Gewerbtreibende Parallel⸗Unterrichtsſtunden zum Zweck gründlicherer Ausbildung in den Naturwiſſenſchaften, den neueren Sprachen und im kaufmänniſchen Rechnen eingerichtet werden. So kam denn die Organiſation des Jahres 1842 zu Stande, nach welcher die Anſtalt aus ſechs Gymnaſialklaſſen mit Parallel⸗ ſtunden für Gewerbtreibende in den mittleren Klaſſen beſtand. Im Schuljahr 18441845 beſtanden drei Realabtheilungen, und zwar coordinirt den Gymnaſialklaſſen Quarta, Tertia, Secunda. Dieſe Einrichtung konnte natürlich den Forderungen realiſtiſcher Ausbildung nicht genügen.Die Realiſten waren genöthigt, in den unterſten Klaſſen zwei Jahre lang in wöchentlich 8 oder 7 Stunden Latein zu lernen. Sie brachten es, zumal ſie meiſtens ohne Luſt und inneren Beruf dafür waren, in dieſer Zeit kaum über die Elemente, von denen ſie weder Ge⸗ nuß, noch ſonderlichen Vortheil hatten, und blieben dabei in der Mutterſprache, der Mathematik und den übrigen Realfächern ſehr vernachläſſigt. Die Mangelhaftigkeit dieſer Einrichtung veranlaßte eine ganz neue Geſtaltung der Anſtalt, ſo daß vom Jahre 1852 an neben vier zweijährigen Gymnaſialklaſſen(vergl. oben S. 235 den Lehrplan vom J. 1729) nach und nach vier ſelbſtändige, je einjährige Realklaſſen errichtet wurden(die 4. Real⸗ klaſſe Oſtern 1856 gebildet), deren Schüler nur im Religions⸗, Geſang⸗ und Turnunterrichte zu⸗ gleich mit den Schülern des Gymnaſiums unterrichtet wurden. Dieſe Umbildung hatte alsbald zur Folge, daß Gymnaſium und Realſchule ſich in die vorhandenen Schüler theilten: ſchon im Jahre