Jahrgang 
1906
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Dr. Böhmer wird Cüſtines Geheimſecretär und ermuthigt ihn Mainz zu erobern. 279

Am 18. Oct. verläßt Cüſtine Worms, um Mainz einzunehmen, nachdem bereits Abthei lungen ſeiner Streitmacht Mainz ſich genähert hatten. Schon am 21. Oct. wird Mainz den Franzoſen übergeben. Als am Abend dieſes Tags Cüſtine im Rathhaus an den Stadtvorſtand eine Anſprache hält, ſteht Böhmer an ſeiner Seite und verdolmetſcht ſofort die franzöſiſche An⸗ ſprache des Generals. Von der einflußreichen Stellung, die nun Böhmer in Mainz einnimmt, zeugen die Tagesblätter, Zeitſchriften und Proclamationen des Mainzer Revolutionsjahrs 1792/93. Nicht einmal die kurzen Angaben, die in KleinsGeſchichte von Mainz während der erſten franzöſiſchen Occupation und Remlings Geſchichte der Pfalz während der Revolutionsjahre über Böhmer berichten, vermögen hier benutzt zu werden. Vom 22. October an gab Böhmer die Mainzer Zeitung heraus. In der Nr. 168 derſelben berichtet Böhmer über ſich ſelbſt:Der bisherige Profeſſor zu Worms Dr. Georg Wilhelm Böhmer hat ſeine Stelle niedergelegt, ſetzt jetzt, ſicher vor den wüthenden Verfolgungen des Wormſer Magiſtrats, ſeinMagazin über Theologie fort und folgt als Secretär des Generals Cüſtine den dreifarbigen Fahnen, nachdem er zuvor das Vergnügen gehabt, ſeinen Mitbürgern, die ihn eine Zeit lang verkannten, die ihnen auferlegte Contribution gänzlich abzubitten und von ſeinen Feinden, für welche er keine gänzliche Gnade er⸗ langen konnte, den größten Theil ihrer Strafe durch ſeine Fürbitte abzuwenden.Böhmer blieb von jetzt ab Redacteur der Zeitung, und in derſelben erſchien nun nichts mehr, was nicht ganz im Sinne der Partei war. Bald übertraf die Mainzer Zeitung an Frechheit, an Unverſchämtheit und an Lügen ſelbſt ihre Vorgänger, die zügelloſen Pariſer Blätter und die Straßburger Zeitungen. (Klein, a. a. O. S. 159). Schon am 22. October kündigt Böhmer in der Mainzer Zeitung die Gründung des Clubs der Freunde der Freiheit und Gleichheit, worin er von vornherein einer der ſchlimmſten Agitatoren war, mit folgenden Worten an:Heute Abend um 6 Uhr wird eine Geſellſchaft deutſcher Freunde der Freiheit und Gleichheit aus allen Ständen in dem großen Academieſaale auf dem hieſigen Schloſſe ſich durch einen feierlichen Eid verbinden, frei zu leben oder zu ſterben. Der Bürger General Cüſtine hat ihr verſprochen, dieſe Scene im Namen der Frankenrepublik durch ſeine Gegenwart zu verherrlichen. Der Zutritt ſteht jedem Deutſchen frei, dem das Glück ſeines Vaterlandes und der an Selavenketten ſeufzenden Menſchheit ein heiliger Name iſt. Nur bemerke man, daß Niemand zugelaſſen werden kann, der nicht zur Geſellſchaft gehört oder durch Ablegung des genannten Eides ihr beitreten will. Sämmtliche Mitglieder unterzeichnen gleich nach dieſer Feierlichkeit ihre Namen unter die Eidesformel in das Protokoll der Geſellſchaft, welche ſodann durch tägliche öffentliche Sitzungen die Freiheit und Gleichheit der Mainzer und vielleicht, gebe es Gott! auch die des übrigen Theils der großen deutſchen Nation vorbereiten wird. Auch in Worms und andren rheiniſchen Städten organiſirte Böhmer die republikaniſchen Geſellſchaften und berichtete darüber in ſeiner Zeitung.

Hier folgt ein von Böhmer verfaßter Bericht der Mainzer Zeitung vom 26. Nov. 1792 über die von dieſen am 11. November in Worms gegründete Geſellſchaft der ſog. Conſtitutions⸗ freunde:Das Ungeheuer, Despotismus, wandte in Worms alle Kräfte an, um die Sclaverei

ihre Despoten ſie verdammt haben. Er macht allen Soldaten bekannt, daß diejenigen, welche ſich unter die Fahnen der Freiheit begeben und die Fahnen der Knechtſchaft verlaſſen wollten, von den Franken als Brüder aufgenommen und geliebt werden ſollen. Sie ſollen Zeit Lebens fünf und vierzig Gulden jährliche Penſion erhalten, außerdem fünfzehn Kreuzer täglichen Sold, gute Nahrung keine Stockſchläge. Sie ſollen als Menſchen, als Freunde, als Brüder behandelt werden und das Bürgerrecht unentgeltlich erhalten. Dieß, ihr Soldaten! verſpricht Euch im Namen der Republik der General der Armeen der Republik, Cüſtine. Dem Originale gleichlautend Dr. G. W. Böhmer.