Jahrgang 
1868
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9) Gelegentlich, der 22. Hauptverſammlung des evang. Vereins der Agia undoiisejannn hahjer wurde der Unterricht vom 27. 29. Aug. ausgeſetzt.. 9 Ar 10) Auch im porigen Schuljahr, wurden von Herrn enlehrer Hoff⸗ mann, uer Tunfahuen ausgeführt, die eine an einem ſchulfreien Tage nach Grünſtadt, Sauſenheim, Neu⸗ und Alt⸗Leiningen, ſowie zu den Ueberhleibſeln(Jakobskirchlein) des 1120 vom Grafen Emich II. zu Leiningen zu einem Erbbegräbniſſe ſeiner Familie geſtifteten Auguſtiner⸗Kloſters Höningen, deſſen Fonds von dem Grafen Philipp I. 1569 zu einer lateiniſchen Schule verwandt wurden, die aber im 30ähr. Kriege zu Grunde gieng und ſpäter nach Gxünſtadt übertragen wurdez die andre Turnfahrt fand nach dem Schluſſe der Schule im Herbſte Statt und gieng nach der Bergſtraße, deren nächſte ſehenswürdige Puncte (Schönberg, Felſenmeer, Melibocus, Auerbacher Schloß, Fürſtenlager zꝛc.) beſucht wurden. Die betr.

Schüler ſowohl wie ihre Eltern fühlten auch dies Mal ſich Herrn zc. Hoffmann zu großem Danke

verpflichtet für die Freuden und Velehrungen, welche eer auch dieſes Mal ohne irgend einen Unfall erſteren zu Theil⸗ werden ließ.. 11) Der Geſundheitszuſtand des verfloſſenen Schuljahres Sen Awohl dei Lehrern wie Schülern ein befriedigender genannt werden, zumal da faſt keine ſeiner Jahreszeiten demſelben beſonders günſtig war, und in der ungünſtigſten ſogar in nicht großer Ferne epidemiſche Krankheiten vorkamen, von welchen unſere Stadt durch die Fürſorge der betr. Behörden und der rationellen Lebensweiſe der Bewohner ſo gut als verſchont blieb. Etwas Weniges dürften auch dazu beigetragen haben die von jeher in hieſiger Schule ſeit ihrem Beſtehen genommenen Ruckſichten auf die leibliche Geſundheit der Schüler, die meiſt älter ſind als L orinſ er's Schriftzum Schutze der Geſundheit auf Schulen. Außer der ſich von ſelbſt ergebenden ſehr mäßigen Bevölkerung unſerer Klaſſen(da wir an der Grenze des Landes wohnen und ringsum von Schulen aller Art umgeben ſind) ſowie den regelmäßigen Turnübungen und Turnfahrten rechnen wir namentlich dahin: 1) die herkömmlich beſtimmt beſtehenden Pauſen während der Unterrichtszeit, Morgens nach den zwei erſten Stunden 10 Minuten, Nachmittags nach jeder Stunde 5 Minuten, in welchen die Schüler im geräumigen Schulhof ſich bewegen. 2) jewei⸗ lige Umfragen von Seiten der Direction und den Herrn Klaſſenführer über das richtige Maß der Aufgaben, reſp. der ſchriftlichen Arbeiten, deren Häufung bei dem in höheren Schulen bis jetzt ſogar in den unteren Klaſſen nicht zu umgehenden Fachſyſteme nicht immer unvermeidlich iſt; nur falſche Scham kann daher die Urſache ſein, wenn zuweilen hier noch Stimmen laut werden über übermäßige Arbeiten; vorkommenden Falls brauchen Schüler oder deren Eltern ſich nur an den betr. Herrn Klaſſen⸗ führer oder die Direction zu wenden, um nach Befund der Sache baldige Abhilfe zu finden. 3) Auf periodiſche ſorgfältige Reinigung und Lüftung der verſchiedenen Schul⸗Locale iſt der Schuldiener in ſeinen gedruckten Inſtructionen auf das Beſtimmteſte angewieſen.

So wäre denn bisher in unſerer Anſtalt fürLuft und Bewegung, welche Herr Gymnaſial⸗ Lehrer und Hofrath Th. Becker zu Darmſtadt in ſeiner höchſt ſchätzbaren und allen Freunden der Schulen ſehr zu empfehlenden Schrift:Luft und Bewegung, zur Geſundheitspflege in den Schulen, eindringlichſt für dieſe verlangt, wohl bereits ſchon hinreichend Bedacht genom⸗ men worden. Weiter gehende Conceſſionen geſundheitlichen oder philantropiniſchen Forderungen gegen⸗ über) dürften vorderhand weder räthlich noch ausführbar erſcheinen(zumal in einer complicierteren

*) Dahin gehört u. A. die Beſchränkung der bisherigen Lehrſtundenzahl, ſo lange die bisherigen Anforderungen beſtehen. In Belgien z. B. ſind die Schüler mitunter noch länger in der Schule als in Deutſchland, aber die Schul⸗ ſtunden des Nachmittags umfaſſen auch die Fertigung der Aufgaben auf den andren Tag, ſo daß die übrige Zeit zu Hauſe ganz der Erholung gewidmet werden kann.