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bayer. Regierung, daß ſie hierauf den nach Deutſchland zurückgekehrten Verfaſſer dieſer Epoche machenden Schrift zum Profeſſor der Univerſität zu Würzburg vorſchlug, welcher Vorſchlag aber von dieſer unter dem Grunde abgelehnt ward, weil ſie den Lehrſtuhl der durch ihn vertretenen Wiſſenſchaft für über⸗ flüſſig hielt. Aber dieſe überflüſſig ſcheinende Wiſſenſchaft fand ſonſtwo bald ihre gerechte Aner⸗ kennung: Zu Göttingen, wohin er ſich hierauf begab, fand er namentlich bei dem Orientaliſten Eichhorn, bei den Philologen und Hiſtorikern Heeren u. O. Müller die freundlichſte Aufnahme und erhielt den Doctor⸗Titel honoris causa; durch Wilhelm v. Humboldt, den Verfaſſer des gleich merkwürdigen Sprachwerkes über die Kawi⸗Sprache, ward B. 1821 Profeſſor zu Berlin und 1822 Mitglied der Akademie der Wiſſenſchaften.— Doch bei dieſem Manne gilt, was Petrarcha von Plato ſagt: praestat tacere quam parum loqui. Es möge hier genügen, bei dieſer Gelegenheit auf dieſe außerordentliche Erſcheinung in der Sprachwiſſenſchaft in unſerem nächſten Kreiſe aufmerkſam gemacht zu haben; von den Reformen und Erleichterungen, welche dadurch dem Studium wie dem Unterrichte aller Sprachen, ſowohl der alten wie der neuen, bevorſtehen, ſowie von den Reſultaten für andere Wiſſenſchaften eingehender zu reden, muß einem anderen Orte vorbehalten werden. Nur möchten wir hier vor dem noch ziemlich verbreiteten Irrthume warnen, welcher das Sanskrit als die Mutter aller indo⸗europäiſchen Sprachen anſieht; das Sanskrit(wörtlich: das Vollendete oder Klaſſiſche) iſt nur die älteſte jener Schweſtern.
c) Der kunſtſinnige König Ludwig I. von Bayern ſetzte in Mannheim am 1. Sept. eine Statue, dem Wolfgang Heribert Reichsfreiherrn von Dalberg, geb. zu Herrnsheim bei Worms 1749, geſt. 1806 als Präſident des dortigen Oberappellations⸗Gerichtes. Derſelbe, Bruder des Fuͤrſten Primas und Großherzogs von Frankfurt, machte ſich berühmt durch ſeine warme Liebe zur dramatiſchen Dichtkunſt und durch ſeine Verdienſte um das Mannheimer Theater(Schiller's Briefe an Freih. von Dalberg, Karlsruhe 1819), wie ein früherer Sprößling ſeines berühmten Geſchlechtes, Johann von Dalberg Kämmerer und ſeit 1482 Biſchof von Worms, ſich als Freund, Beſchützer und Verbreiter ſowohl der deutſchen als auch der griechiſch⸗römiſchen Literatur einen unvergänglichen Namen erwarb. Um das Andenken dieſer mit der Bildungsgeſchichte unſerer Stadt und ihrer Umgegend eng verbundenen Männer in unſerem näͤchſten Kreiſe zu erneuern, wird ein Schüler der oberen Gymnaſial⸗Klaſſen ihre Verdienſte zum Gegenſtand eines Vortrages bei der diesj. öffentl. Prüfung machen.
d) Auf die vom Lehrer⸗Colleg der Real⸗Schule zu Bingen anher gelangte Einladung zum 25jähr. Dienſtjubiläum des dortigen Directors, Herrn Dr. Sander, beauftragte das diesſeitige Lehrercolleg mich, dieſe gefällige Einladung mit einer Adreſſe zu beantworten, welche alſo lautete:
Viro doctissimo atque aestumatissimo
Eduardo Sander, scholae quae Bingii floret directori 8. p. d.
Wilhelmus Wiegand,
Gymnasii Wormatiensis director, suo et Collegarum nomine.
Literae, quibus Collegae Tui humanissimi solemnitatem muneris tui ante hos XXV annos rite suscepti notam fecerunt, dici nequit quo voluptatis sensu nos affecerint, quam ob rem grates eis praemittimus debitas easque maximas pro ista, qua nos dignati sunt, notificatione.


