Jahrgang 
1858
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Ruhm bleibend und dauernd ſein ſoll. Habt Ihr dieſe Belohnung wirklich verdient, ſo müſſet Ihr wiſſen, daß Ihr dieſes Verdienſt nicht Euch allein zuzuſchreiben habet, ſondern einen großen Theil davon Euren Eltern und Lehrern, einen großen Theil begünſtigenden äußeren Verhältniſſen, deren mancher Eurer Mitſchüler ſich nicht erfreute, und dieſen Dank ſollt Ihr Eltern, Lehrern, Mitſchülern und vor Allem dem Geber alles Guten durch Wort und That abzutragen nicht vergeſſen! Seid dankbar in allen Dingen, meidet allen böſen Schein! 1. Theſſal. 5, 1622.

Ihr dagegen, die Ihr, ſei es durch eigne Schuld, oder durch äußere Umſtände und Hemmniſſe, oder durch Beides zurückgeblieben ſeid: wenn Ihr wahrhaft Schmerz und Reue empfindet, ſo halten wir auch das noch für eine Nachleſe unſerer dießjährigen Aerndte, denn ohne wahre Reue keine wahre Beſſerung! Ein Zeitraum Eures Lebens, ein Jahr, iſt zwar unwiederbringlich verloren und bleibt in alle Ewigkeit ein unbeſchriebenes Blatt im Buche Eures Lebens: aber faſſet Muth und beſſere Vorſätze und ſuchet ſie auch mit Gottes Hülfe, ohne den alle Saat ohne Segen iſt, redlich auszuführen. Kommt Ihr von hier nach Hauſe, tretet reuig vor Eure Eltern und ſaget: Ich habe dieſes Jahr vor Euch und vor Gott gefehlt, ich will im künftigen Schuljahre mich beſſern, will kei⸗ nen Tag, keine Stunde mehr als ein unbeſchriebenes Blatt im Buche meines Lebens laſſen, damit ich nicht wiederum den Lohn eines Schuljahres verliere, damit ich nicht, was weit ärger iſt, den Preis meines ganzen Daſeins verliere. Und Ihr Eltern oder Pfleger ſolcher reuiger Schüler, nehmt ſolche Vorſätze, wenn auch ernſt, aber doch mit Liebe auf und unterſtützet ſte jeden Tag und jede Stunde; denn mit einem einmaligen oder periodiſchen Ausſchelten oder Abſtrafen wird wahrlich nicht erzogen, nicht gebeſſert! Wie die Erhaltung der Welt eine ununterbrochen fortgeſetzte Schöpfung iſt, ſo muß auch die wahre Erziehung eine ununterbrochen fortgeſetzte Wiedergeburt ſein, eine Wieder⸗ geburt vom leiblichen zum ſittlichen und geiſtigen Leben. Ich ſcheide von Euch, Schüler und Eltern, mit den Worten des göttlichen Weltlehrers(Matth. 7, 24 27):Wer dieſe meine Rede höret und ſie thut, den vergleiche ich mit einem klugen Manne, der ſein Haus auf einen Felſen bauete. Und wer dieſe meine Worte höret und ſie nicht thut, der iſt einem thörichten Manne gleich, der fe Haus auf den Sand bauete.

IV. Bei der Ueberreichung der Abiturienten⸗Zeugniſſe.

Verehrte Anweſende! Ehe wir auseinander gehen, haben wir noch einen feierlichen Akt zu vollziehen, nämlich den beiden Schülern der oberſten Ordnung von Prima, welche am Ende der zweiten Hälfte des Schuljahres die Prüfung der Reife für den Beſuch der Univerſität beſtanden und zwar rühmlich beſtanden haben, die Maturitätszeugniſſe hier feierlich zu übergeben. Nach⸗ dem die bisherigen Schüler unſerer Anſtalt, Peter Adam Damm von Alſterweiler und Joh. Baptiſt Feuling von Worms, vor der hieſigen Prüfungscommiſſion der Prüfung der Reife ſchriftlich und muͤndlich beſtanden*): ſo wurden nach beſtehender hoher Verordnung die Anträge der⸗ ſelben der Genehmigung Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direction zu Darmſtadt unterſtellt, welche durch Erlaß vom 19. März Folgendes darauf eröffnet hat.

(Vorleſung dieſes Erlaſſes, wonach die beantragten Cenſuren der beſtandenen Prüfung der Reife genehmigt werden und der Director beauftragt wird, den Abiturienten die deßfallſigen Zeugniſſe auszufertigen und einzuhändigen.)

Dieſe demgemäß und in Auftrag der Oberſtudien⸗Behörde ausgefertigten Zeugniſſe übergebe ich

*) Zwei andere Schüler unterzogen ſich am Ende des erſten Semeſters(Herbſt 1856) der Maturitätsprüfung.