Anſer Schulweihnachtsfeſt begehen wir in größerem Rahmen durch Aufführungen auf unſerer neuen Schulbühne mit der Spielfolge: 1. Ein Weihnachtstraum(lebendes Bild). 2. Das ſchleſiſche Aoventſpiel. 3. Tännleins Troſt von Bleuler-Waſer. 4. Der Schneemann von G. von Koch. 5. Märchenreigen von A. Holſt.
Von dem Erlös wird die Bühnenanlage ergänzt. Im Winter hält Studienrat Dr. Deggau acht Lichtbildervorträge über deutſche Malerei im 19. Jahrhundert.
Am 4. April werden die erſten Schülerinnen der Frauenſchule feierlich entlaſſen. Im Mittel⸗ punkt des muſikaliſchen Teiles der Veranſtaltung ſteht das deutſche Volkslied. Im Namen der abgehenden Schülerinnen ſpricht Fräulein Magdalene Luhmann der Schule den Dank aus für die Förderung, die ihre Klaſſe durch die Frauenſchule erhalten hat. Gleichzeitig findet eine Aus⸗ ſtellung von Kadelarbeiten aller Klaſſen und von Gegenſtänden ſtatt, die die Frauenſchülerinnen im Handfertigkeitsunterricht hergeſtellt haben.
1922/23. Die Aberfüllung des Hauſes veranlaßt die Staotverwaltung zu einer Erweiterung unſerer Räume. Im Dachſtock wird ein prächtiger Singſaal mit anſchließender Projektionskammer und
ein Klaſſenzimmer eingebaut, der ſeitherige Singſaal wird in einen Biologieſaal mit Sammlungs⸗ raum umgewandelt.
Die Klaſſen Ha und Ob fallen wegen der Aufhebung der Vorſchulen weg, zwei Parallel⸗ klaſſen werden dafür eingerichtet. Die Schülerinnenzahl erreicht den höchſten Stand— 757— ſeit Beſtehen der Anſtalt.
Am 9. Oktober wird die Studienaſſeſſorin Fräulein Kullmann an die Schillerſchule Friedberg verſetzt, der Studienaſſeſſor Karl Schmidt vom Gumnaſium Worms tritt an ihre Stelle.
Den heſſiſchen Jugendfeiertag begehen die Wormſer Schulen gemeinſam auf der Wieſe hinter dem Wäldchen. Oberſtudiendirektor Jimmer hält die Anſprache.
Am 27. Juni verſammelt ſich die Schule in der erſten Stunde zu einer Gedächtnisfeier für den ermordeten Reichsminiſter Rathenau, bei der Feier zum Gedächtnis der Gefallenen am 25. Kovember ſpricht Pfarrer Wilhelm. Bei den Weihnachtsfeiern wird„Des Bübchens Weihnachtstraum“ von Guſtav Falke, Muſik von Humperoͤinck, aufgeführt.
Im Februar und März hält Studienaſſeſſor Dr. Weiler vier öffentliche Vorträge im Sing⸗ ſaal über„Das Werden unſerer Heimat“.
Bei der Entlaſſungsfeier am 10. März antwortet die Frauenſchülerin Fräulein Edith Lauteſchläger auf die Abſchiedsworte des Direktors.
Durch die Einſtellung des Bahnverkehrs infolge der Beſetzung des Ruhrgebietes durch die Franzoſen iſt der Schulbeſuch für die auswärtigen Schülerinnen mit großen Schwierigkeiten verbunden. Von 225 auswärtigen Schülerinnen erſcheinen nur noch 94 regelmäßig, 85 kommen unregelmäßig, 40 überhaupt nicht. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß viele Mädchen trotz aller Mühe ſich doch den Weg zur Schule ſuchen und teilweiſe 25 km täglich zu Fuß zurück⸗ legen, und daß viele Wormſer Familien den auswärtigen Kindern gerne Koſt und Obdach geben.
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