biologiſche, phuſiologiſche Erkenntniſſe haben ſich den Jugang zu ihr erzwungen. Die Ahnlich⸗ keit der beiden Schulen tritt auch äußerlich ſtark in Erſcheinung. Seit Jahren ſuchen junge Wädchen der Eleonorenſchule nach dem Verlaſſen ihrer Anſtalt unſere Oberrealſchule auf, um ihre Bildung abzuſchließen und ſich auf einen höheren Beruf vorzubereiten, zu dem ihnen der Jugang ſonſt verſchloſſen wäre. Man wird dieſen Bildungsweg für die große Mehrzahl der weiblichen Jugend nicht als normal bezeichnen dürfen, ſondern als einen, der durch beſondere Deranlagung und durch die Not der Berufswahl von heute geboten iſt. Wir freuen uns aber, ſagen zu können, daß die Oberrealſchule dieſem Amſtand eine große Anzahl ſtrebſamer und eifriger Schülerinnen verdankt, deren Wetteifer vorbildlich wirkt.
Von der Ahnlichkeit der beiden Schulen haben wir geſprochen, und doch iſt vielleicht nichts Auffallenderes für den, der unterrichtliche Erfahrungen an der Eleonorenſchule und Oberrealſchule machen konnte, als die bei alledem bis ins Kleinſte gehenden Verſchiedenheiten, nicht in Lehrplan und Aufbau in erſter Linie, wie wir ſchon ſagten, ſondern ſozuſagen in der geiſtigen Luſt, die einen umgibt. Wie ungleich ſind ſchon Schritt und Gang, Blick und Gebärde, Wort und Tonfall beim Mädchen und beim Knaben. Alnd wie auf körperlichem, ſo auch auf geiſtigem Gebiet. Hier entflammt man ſich ſchnell und begeiſtert, ergreift gern die anmutige Oberfläche der Dinge, aber vergißt nur zu bald, als hätte man ſie nie gekannt. Dort faßt man langſam,
prüft lange, grübelt, geht auf Kebenwegen irre, traut nicht ſchönem Schein, aber hält zähe feſt, was vor ernſter, eigner Prüfung beſteht. Hier geht nur dann das junge Herz auf, wenn menſch⸗ liche, perſönliche Werte ins Spiel treten, dort dürſtet es nach der Fülle der äußeren Welt, nach dem Ernſt unbeſtechlicher Sachlichkeit, die jenes nur zu gerne als tötende Kälte empfindet.
Dies Spiel des Gegenſatzes reizt zur Fortſetzung und ließe ſich noch lange fortführen. Doch es mag genug ſein! Freuen wir uns, daß die Eleonorenſchule mit ihren fünfzig Jahren heute ſo jugenoͤfriſch und zukunftsfroh vor uns ſteht. Möge ſie, an Geiſtes⸗ und Gemütswerten reich, an Arbeitswille und Begeiſterungsfähigkeit nie erlahmend, an Vaterlandsliebe von keinem übertroffen, wachſen und blühen, als ein notwendiges Glied im Kreiſe unſerer höheren Wormſer Schulen, als eine Freude und ein Segen für unſere Stadt, für unſer Heſſenland und für die ganze Welt der deutſchen Bildung! In dieſem Wunſche vereinigt ſich heute die Wormſer Ober⸗ realſchule mit den Hoffnungen und Wünſchen aller feiernden Feſtgäſte.
Die Grüße und Wünſche des Wormſer Gumnaſiums überbrachte Herr Oberſtudiendirektor Krauß, indem er folgendes ausführte:
Hochanſehnliche Feſtverſammlung!
Es iſt mir eine hohe Ehre und Freude, unſerer Schweſteranſtalt, der Eleonorenſchule, zu dem Feſte ihres fünfzigjährigen Beſtehens Gruß und Glückwunſch des Wormſer Gumnaſiums über⸗ mitteln zu dürfen.
Wenn wir von dem heutigen Tage zurückblicken über die letzten fünfzig Jahre Wormſer Schullebens, ſo erfüllt uns aufrichtige Freude darüber, daß es der Eleonorenſchule vergönnt geweſen iſt, in ihnen einen ungehemmten Aufſtieg zu nehmen. Hat ſie ſich doch aus kleinen Anfängen zu einer Achtung gebietenden Bildungsſtätte unſeres Landes emporgerungen, und iſt ſie doch herausgewachſen aus den engen Räumen der Hagenſchule in ihr herrliches Heim am Waſſerturm, das wiederum kaum mehr ihren Bedürfniſſen genügt.
Mehr aber als dieſe Zeichen des äußeren Aufſchwungs erfüllt unſere Lehrerherzen mit Freude die Erkenntnis, daß auch die Arbeit im Innern der Schule an der Bildung und Erziehung
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