heben und zu pflegen, ſie heranzubilden zu dem, was in erſter Linie Kot tut, zur deutſchen Frau. And daß dem ſo iſt, das beweiſt wohl auch gerade die Ausgeſtaltung der geſtrigen und heutigen Feier. And wenn wir— nun wieder den kritiſchen Blick auf das Ganze lenkend— wohl feſt⸗ ſtellen müſſen, daß wir von der Aberſchätzung der materiellen Güter des Lebens wieder den Weg zurückfinden müſſen zur richtigen Schätzung der ideellen Werte, der inneren Werte, die nur in des Menſchen Bruſt Form und Inhalt finden, ſo iſt niemand berufener, das Gegengewicht zu geben als die deutſche Frau, die deutſche Frau, die für ihre großen Aufgaben ernſt und treu erzogen und vorgebildet iſt in einer deutſchen Mädchenſchule, in einer deutſchen Frauenſchule, deren Bildungsideale dahin gehen, edlen Frauen den Einfluß auf unſer Volksleben zu ſichern, der ihnen ziemet.
In dieſem Sinne hat die Schule fünfzig Jahre lang ſegensreich gewirkt, zum Beſten der Stadt, ihrer Amgebung und der ganzen heſſiſchen Heimat. Möchte auch in zukunft, wie ſeither, bürgerlicher Gemeinſinn die Schule betreuen und möchten, wie ſeither, ſo auch weiterhin ſtets treue Lehrer und Erzieher in unermüdlicher Tagesarbeit ſich hier bemühen, koſtbaren Beſitz zu ſchaffen, reiches Wiſſen zu übermitteln und edle Herzensbildung zu erzielen und ſo den Schülerinnen im ſpäteren Leben die innere Rangſtellung zu erſchließen, die der gebildeten deutſchen Frau gebührt, ſie wirke, an welcher Stelle ſie wolle. Möge dem Lehrerkollegium ſtets eine fröhliche Schar deutſcher Mädchen anvertraut ſein, die für dieſes Ziel empfänglich ſind, mögen von hier junge Menſchenkinder hervorgehen, die mit den ihnen übermittelten Gütern einſt zum Wohle ihrer ſelbſt, ihrer Familie, der Gemeinde und des Landes wuchern.
Möge die Schule in ungeſtörter Entwickelung auch in den kommenden Jahrzehnten eine Pflegeſtätte deutſchen Geiſtes, deutſchen Gemütes, deutſcher Bildung ſein, möge von ihr dauernder Segen ausſtrömen in deutſche Lande. Das walte Gott!
Hierauf ſprach Herr Oberſtudiendirektor ODr. Deggau namens der Oberrealſchule, wie folgt:
Hochverehrte Feſtverſammlung!
Auch die Oberrealſchule, die größte Knabenſchule der Stadt, darf heute am fünfzigſten Zubelfeſte der Eleonorenſchule nicht im Kreiſe der Glückwünſchenden fehlen. Jahrzehntelanges Kebeneinanderleben iſt mit der Zeit zu einem fruchtbaren Miteinanderleben der beiden An⸗ ſtalten geworden. Die Freuden vergangener reicher Friedensblüte, von der Erinnerung heute vergoldet, ſind an ihnen beiden vorübergerauſcht, die Leiden eines nur allzu langen Krieges, die Entbehrungen des darauffolgenden, oft noch härteren Jahrfünfts, haben ſie beide mutig getragen. Auch im Lehrplan und im Gang des Alnterrichts hat ſich die Schweſter oem Bruder im Laufe der Jahre weit mehr angeglichen, als die Vergangenheit mit ihrem weſentlich äſthetiſch⸗literari⸗ ſchen Bildungsideal es ahnte oder auch nur gewünſcht hätte. So ſind heute ſtarke Mittelpunkte des Anterrichts beiden gemeinſam. Hier wie dort entflammt„Wilhelm Tell“ junge Herzen für Einigkeit und Freiheit, dort wie hier verſuchen Jahr für Jahr neue Geſchlechter die ſpröden Laute des deutſchen Mittelalters zu bemeiſtern oder die feierlichen Jamben der„Iphigenie“ dem widerſtrebenden Gedächtnis einzuprägen. Vaterländiſche Geſchichte erzählt Knaben wie Mäd⸗ chen von Karl dem Großen und den Hohenſtaufen, von Amſturz und Keuſchöpfung. Staats⸗ bürgerliche Belehrung zieht die Fäden vom Staat der Vergangenheit zum heutigen Staat hinüber, vertieft geſchichtliche Erkenntnis und weckt den Bürgerſinn. Molière und Shakeſpeare werden der Jugend beider Schulen näher gebracht. Kicht mehr bedeutet die Logarithmentafel in der Mädchenſchule ein gläubig angeſtauntes, aber unverſtandenes Buch, phuſikaliſche, chemiſche,
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