Jahrgang 
1925
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Daß wir heute trotz aller Erweiterungen in unſerem Hauſe Platz haben, daran iſt der Abbau der Vorſchulen in den letzten Jahren ſchuld. Es fiel uns ſchwer, es war uns leid, daß wir unſere lieben Kleinſten in den erſten Schuljahren nicht mehr bei uns haben durften, es war aber eine Folge der nun einſetzenden Reform des ganzen Schulweſens, in der wir mitten drin ſtehen, die uns aber die weitere Entwicklung der Höheren Mädchenſchule noch ziemlich ins Dunkel hüllt. Aber das wiſſen wir, mag der Rahmen werden, wie er will, arbeiten wollen wir alle, Lehrer, Lehrerinnen und Schülerinnen, und blühen ſoll und wird unſere Eleonorenſchule zur Ehre unſerer Stadt, zum Wohle unſeres Vaterlandes, zum Segen der uns anvertrauten Jugend!

Mit dem Feſte unſerer Anſtalt verbindet ſich ein weiteres ganz ſeltenes Zubelfeſt. Daß eine Schule fünfzig Jahre beſteht, iſt nichts Seltenes, daß ein Lehrer fünfzig Jahre im Dienſte iſt, iſt ſeltener, daß er aber fünfzig Jahre an derſelben Schule wirkt und ihr vom Gründungstage bis zum fünfzigſten Jubelfeſt dauernd angehört und nach fünfzig Jahren ſeinen Dienſt noch ſo friſch tut wie am erſten Tage, das iſt etwas ſo außerordentlich Seltenes, daß wir nur mit größter Dankbarkeit heute unſerem lieben Herrn Kothſchild unſere herzlichſten Glückwünſche ausſprechen können. Fünfzig Jahre lang führte er ununterbrochen den iſraelitiſchen Religionsunterricht an unſerer Anſtalt, groß iſt die Zahl ſeiner Schülerinnen, und ſie alle werden ihm beſtätigen, daß er ſeinen Anterricht im Geiſte wahrer Verſöhnung der Bekenntniſſe erteilt hat, und dank⸗ bar erinnern ſich alle des vielen Guten, das ihnen Herr Rothſchild in dieſen langen Jahren gegeben hat. Kicht nur bei ſeinen iſraelitiſchen Schülerinnen an der Eleonorenſchule, weit darüber hinaus in der großen Schar der Schüler und Schülerinnen der Volksſchule, der er in ſeinem Hauptamte bis vor kurzer Zeit angehörte, überall iſt er der wahrhaftig väterliche Freund und Berater geworden. And wir an der Eleonorenſchule wiſſen, was wir an ihm haben, und wie er ſeinen Anterricht liebt. Das kommt ihm aus dem Herzen, das iſt nichts Gelerntes, An⸗ geeignetes, das ſtrömt ihm aus tiefſter Seele heraus. And ſein Ruheſtand iſt für ihn kein Stand des Kichtstuns, gibt er ihm doch die Gelegenheit, ſich ſeinen wiſſenſchaftlichen Arbeiten noch mehr als früher zu widmen. Erſt vor kurzem belehrte uns wieder ein neues Schriſtchen, daß ſein Forſchungseifer noch nicht erloſchen iſt. Laſſen Sie mich Ihnen heute, lieber Herr Rothſchild, von Herzen danken für Ihre treue und geſegnete Arbeit und den Wunſch ausſprechen, daß die Eleonorenſchule Sie noch lange zu den ihrigen zählen darf.

Bei ſolchem Verhältnis zwiſchen Lehrern und Schülerinnen, wie ich es hier im Einzelfalle erwähnen durfte, und wie es bei uns, ich darf es ohne Aberhebung hier bekennen, keine Selten⸗ heit iſt, muß eine Schule ihren Angehörigen das werden, was ſie ſein ſoll, die zweite Heimat.

Fürwahr, Freude und Sonnenſchein ſollen in einer Schule herrſchen, denn Freude fehlt nie, wo Arbeit, Ordnung und Treue iſt. And die Liebe der Anterrichtenden zur Jugend muß dazu⸗ kommen, denn bei nichts mehr als bei der Erziehung muß es heißen: Hätte ich alle Weisheit der Welt und hätte der Liebe nicht, ſo wäre ich nichts nütze.

So bildet ſich der rechte Schulgeiſt aus, der einer Anſtalt das Gepräge verleiht und ihrer Arbeit den Erfolg ſichert.

Ich darf voll Stolz mit einem Worte ſchließen, das mir unſer verſtorbener Oberbürger⸗ meiſter vor einem Jahre ſchrieb:An Ihrer Schule wird mit dem Herzen gearbeitet. Ich weiß mir kein ſchöneres Lob für unſere gemeinſame Arbeit, für die der Lehrer und die der Schülerinnen als dieſes Llrteil. G

So iſt unſere Arbeit während der letzten fünfzig Jahre geweſen, reich mit Erfolgen geſegnet war unſer redliches Mühen. Gebe Gott unſerer Eleonorenſchule ſeinen Segen auch für die zukunft!

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