daß ſie ſich in ihr wohlfühlten, und daß der Anterricht in den Händen von erfahrenen Leuten auch das leiſtete, was er leiſten konnte.
Daß ſich unſere Schule das Vertrauen der Wormſer Bevölkerung erworben hatte, zeigte ſich auch darin, daß ihre Schülerzahl ſtändig wuchs und zu Beginn des neuen Jahrhunderts in der Hagenſchule keinen Platz mehr fand. Zehn Klaſſenräume ſtanden uns bei aller Einſchränkung gerade noch zur Verfügung, und ſo manche Klaſſe war übermäßig ſtark und mußte geteilt werden. Es fehlte uns an Licht und Luft für unſere vielen Mädchen, die Sammlungen lagen völlig im Argen. Das ſah neben dem Kollegium vor allem auch Herr Oberbürgermeiſter Köhler ein, und ſeinem Intereſſe an unſerer Anſtalt, das wir ſo oft wahrnehmen durften, und das uns ſeinen verluſt ſo ſehr betrauern läßt, und ſeiner Tatkraft verdanken wir es vor allem, daß uns unſer ſchönes, nach den trefflichen Plänen von Herrn Bürgermeiſter Metzler erbautes Haus beſchert wurde, dem die Großherzogin Eleonore ihren Kamen gab. Es war das Jahr 1900, das unſerer Schule ein würdiges Heim ſchuf. Wie groß die Freude bei Lehrern und Schülerinnen über dieſen prächtigen Arbeitsort war, das hören wir noch oft von denen, die den Almzug damals mitgemacht haben, und dankbar empfinden wir es täglich aufs neue, in wie großzügiger, weit⸗ blickender Weiſe die Stadt Worms damals für ihre Höhere Mädchenſchule geſorgt hat.
Brachte uns das Jahr 1880 die Abernahme durch die Stadt und 1900 das ſtolze prächtige Heim, ſo gab uns das Jahr 1911 den neuen feſten Lehrplan für das ganze Land, nach dem nunmehr alle zehnklaſſigen Höheren Mädchenſchulen arbeiteten und nicht nur gegenſeitig, ſondern auch mit anderen Bundesſtaaten ihre Schülerinnen beim Amzug der Eltern leicht austauſchen konnten. Es war der Hauptvorzug dieſes Lehrplanes, daß er einerſeits der Mathematik und den Naturwiſſen⸗ ſchaften, die ſeither an der Höheren Mädchenſchule ein arg kümmerliches Daſein führten, zu ihrem Recht verhalf und zugleich andererſeits die Berechtigungsfrage und den Ausbau der Höheren Mädchenſchule nach oben löſte. Freilich war die Zeit für dieſen Aufbau, die Frauenſchule in erſter Linie, noch nicht gekommen, erſt das Jahr 1920 ließ uns auch dieſes Ziel erreichen. In dankens⸗ werter Weiſe zeigte die Stadt wieder weitgehendes Verſtändnis für die Erforderniſſe dieſes Auf⸗ baues, und ich hoffe, in den 4 ½ Jahren ihres Beſtehens hat ſich die Frauenſchule nicht nur viele Freunde erworben, ſondern auch gezeigt, wie notwendig und wie ſegensreich ihr Wirken iſt.
Zu dem Aufbau des anderen Zweiges, der in der Reform vorgeſehen iſt, der Studienanſtalt nämlich, die zur Ablegung der Maturitätsprüfung berechtigt, wären wir an Oſtern gekommen, wenn nicht die allgemeine Finanzlage uns hätte davon abſehen laſſen. Es war der letzte Akt der warmen Fürſorge unſeres verblichenen Oberbürgermeiſters, daß er auch hierin ſich mit ſeiner ganzen Kraft für unſere Weiterentwicklung einſetzte. Vielleicht beſchert uns ein künftiges Jahr, was jetzt noch nicht zu erreichen war.
Es bedarf keines Hinweiſes darauf, daß unſere Schule auch im großen Kriege auf ihrem Poſten war, daß ein Teil der Lehrer zum Waffendienſt einberufen wurde und die Zurückbleiben⸗ den unter Schwierigkeiten aller Art den Alnterricht aufrecht erhielten, daß Lehrer und Schüle⸗ rinnen wetteiferten in den mancherlei Formen des Hilfsdienſtes, in denen ſich die Schulen dem VYaterlande nützlich erweiſen konnten.
Die Kachkriegsjahre brachten ein geradezu beängſtigendes Wachſen unſerer Schülerinnen⸗ zahl, über 750 waren wir gekommen, unſer ſchönes Haus war ſchon viel zu eng, und wir taten keine Fehlbitte, als wir eine Erweiterung beantragten, die uns im Dachgeſchoß unſeren zweck⸗ mäßigen Singſaal und ein weiteres Klaſſenzimmer verſchaffte. Küche, Speiſezimmer und Hand⸗ arbeitsſaal waren ſchon etwas früher bei der Errichtung der Frauenſchule eingebaut worden.
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