Jahrgang 
1925
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In prächtigem Haus mit ſtattlicher Schülerinnenzahl, mit feſt angeſtellten Tehrern und Lehrerinnen, geſtützt auf einen feſten amtlichen Lehrplan, ein Glied unter den gleichartigen Bildungsanſtalten des Landes, ſo vollendet jetzt unſere Eleonorenſchule ihr fünfzigſtes Lebens⸗ jahr. Es erſcheint uns ganz ſelbſtverſtändlich, daß es ſo ſein müßte, mag uns ein Blick in die Vergangenheit einmal lehren, daß es ganz, ganz anders mit unſerer Schule anfing und ſie ſich nur langſam zu dem entwickelt hat, was ſie jetzt iſt.

Zu Beginn der ſiebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts beſtanden in unſerer Stadt drei Privatſchulen für den höheren Mädchenunterricht, die einen mehr oder weniger konfeſſionellen Charakter hatten: das Inſtitut der Fräulein Keim, das beinahe ausſchließlich von evangeliſchen Schülerinnen, das Inſtitut der engl. Fräulein, das nur von katholiſchen Mädchen, und das Inſtitut Aoler, zuletzt Stohmann, das überwiegend von iſr. Schülerinnen beſucht war. Die Kachteile einer ſolchen konfeſſionellen Trennung lagen auf der Hand, aber es waren auch noch mancherlei andere Gründe, die eine Anderung wünſchenswert erſcheinen ließen. Der geſteigerte Wohlſtand in der Zeit, als unſere Stadt durch Handel und Gewerbe aufblühte, ließ den Beſuch der Privatſchulen derart wachſen, daß der Raum für die Anterbringung der Mädchen fehlte. Die Schwierigkeit der Leitung wuchs, der perſönliche Einfluß der Leiterinnen verminderte ſich, und beſonders ſchwierig wurde es, geeignete Lehrer für dieſe Anſtalten zu gewinnen. Ein raſcher, häufiger Wechſel trat ein, oft mußte durch ſolche ausgeholfen werden, die im Staatsdienſt nicht recht vorwärts kommen konnten. So kam es denn, daß man mit den Leiſtungen vielfach nicht recht zufrieden war und darüber klagte, daß der Anterricht ſich zu ſehr auf Außerlichkeiten erſtreckte. Hierzu ſchreibt der erſte Leiter der Höheren Mädchenſchule, Profeſſor Dr. Rudolf Marx, im erſten Jahresbericht der Schule folgende Worte, die auch heute noch ihre volle Bedeutung haben:Auch wir verlangen von dem weiblichen Geſchlecht einen feinen Sinn für die äußere Erſcheinung und Formgewandt⸗ heit für den Almgang und die Anterhaltung, aber wir verlangen mehr, vor allem eine ſittliche Lebensauffaſſung, welche das Sein von dem Schein trennt und mehr Wert auf den Inhalt als auf die Form legt. Das ganze Denken und Fühlen ſoll von jener Lauterkeit und ethiſchen Kraft durchdrungen ſein, welche dem ſchwachen Geſchlecht ſeine Stärke geben: die Fähigkeit zu finden, was ſich ſchickt, und welche es dadurch zur Bewahrerin der edlen Sitte macht. Das Pflicht⸗ gefühl für die eigentliche Aufgabe des Weibes ſoll den Hang zum Schein unmöglich machen und es den höchſten Genuß darin finden laſſen, als wertvolles nützliches Glied der menſchlichen Beſellſchaft den Platz ganz auszufüllen, auf welchen es das Geſchick geſtellt hat.

Das erwartete man von der Gründung einer Höheren Mädchenſchule, und alles drängte auf eine gründliche Amgeſtaltung der höheren Mädchenbildung in unſerer Stadt, umſomehr als damals in überaus vielen Orten ſtädtiſche Anſtalten für die höhere Mädchenbildung geſchaffen wurden.

In richtiger Würdigung dieſer Verhältniſſe hatte der Gemeinderat der Stadt Worms ſchon zu wiederholten Malen verſucht, den Abelſtänden durch Gründung einer ſtädtiſchen Höheren Wädchenſchule abzuhelfen. Aber die Verſuche ſcheiterten, die finanziellen Kräfte der Stadt waren zu ſtark in Anſpruch genommen, als daß noch eine weitere Schule zu den bereits vorhandenen Koſten für Gumnaſium, Realſchule und Volksſchule hätte hinzukommen können.

Da ſchritten eine Anzahl weitblickender Männer unſerer Stadt zur Selbſthilfe, weil man die Gründung der Schule nicht noch weiter hinausſchieben konnte, und beſchloſſen, die Schule auf eigene Verantwortung ins Leben zu rufen und zu leiten, in der Abſicht, ſie der Stadt zu überweiſen, ſobald dieſe zur Abernahme bereit ſein ſollte. Im Auguſt 1874 wurde das Kura⸗ torium zuſammengeſtellt, das vierzehn Namen aus allen Wormſer Bürgerkreiſen aufwies.

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