Jahrgang 
1925
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Das Großherzogliche Miniſterium des Innern erteilte die Genehmigung zur Errichtung der Schule, in die zugleich das Stohmann'ſche Inſtitut übergeführt wurde, ſo daß mit den Schülerinnen, die aus anderen Schulen übertraten, am 21. Oktober 1874 die neue Schule mit 183 Schülerinnen in ſechs Klaſſen in dem von Herrn von Heul erworbenen und zur Verfügung geſtellten Kraft'ſchen Hauſe am Fruchtmarkt, der heutigenFeſten Burg am Weckerlingplatz, er⸗ öffnet werden konnte. Als hauptamtliche Lehrkräfte wirkten nur vier Damen an der neuen Schule; zwanzig Lehrer und Lehrerinnen, darunter der Leiter, Gumnaſiallehrer Profeſſor Dr. Rudolf Marx, unterrichteten nur im Kebenamte an der Höheren Mädchenſchule, im Haupt⸗ amte gehörten ſie anderen hieſigen Schulen an. Der eine erteilte vier Stunden Deutſch, ein anderer ſechs Stunden Geſchichte und Deutſch, dieſer vier Stunden Franzöſiſch, jener zwei Stunden Phyuſik, vier Stunden Rechnen uſw. Es mag keine Kleinigkeit geweſen ſein, den Stundenplan unter ſo ſchwierigen Verhältniſſen fertig zu ſtellen und den Schulbetrieb einheitlich zu geſtalten. Aber es ging, die Schule entwickelte ſich ſehr rege, ſie vermehrte bald ihre Klaſſen und ihre Schülerinnen, ein Beweis, daß die Bevölkerung mit ihren Leiſtungen zufrieden war. Heute iſt es uns eine gern erfüllte Pflicht, mit herzlichem Dank aller derer zu gedenken, die vor fünfzig Jahren unter ſchwierigſten Verhältniſſen mit weitſchauendem Blick das Werk gegründet und in der zwiſchenzeit als Mitglieder des Kuratoriums, Direktoren, Lehrer und Lehrerinnen und Beamten für die Schule gearbeitet oder als Freund ihr nahe geſtanden haben.

Wie ein jeder Menſch in ſeinem Leben einzelne Zeitpunkte hat, die für ſeine Entwickelung, ſeinen Werdegang von ausſchlaggebender Bedeutung ſind, ſo hatte auch unſer Schulorganismus drei Jahre, die ſein Schickſal bedingten und ihm die heutide Geſtalt gaben. Es waren die Jahre 1880, 1900 und 1911.

Von beſonderer Wichtigkeit war das Jahr 1880. Infolge der unermüdlichen Tätigkeit des damaligen Bürgermeiſters Küchler wurde die bisher als Kuratoriumsſchule beſtehende Anſtalt in eine ſtädtiſche umgewandelt und als vierte Höhere Mädchenſchule des Landes von der Regierung anerkannt. Gleichzeitig wurde das Keim'ſche Inſtitut mit ihr vereinigt und als Heim für die auf nun 204 Schülerinnen gewachſene Anſtalt die Hagenſchule gewonnen. An die Spitze trat nun als erſter hauptamtlicher Direktor Dr. Emil Kauſch, der Vorgänger des vielen von Ihnen ja noch bekannten Herrn Geh. Schulrats Schädel. Die Jahl der hauptamt⸗ lichen Lehrer wuchs auf zwölf. Das Kuratorium wurde entſprechend den ſtaatlichen Beſtim⸗ mungen auf fünf Perſonen verkleinert, es beſtand aus dem Bürgermeiſter Küchler als Vorſitzenden, dem Kaufmann Bayerthal als Vertreter der Eltern, dem Profeſſor Dr. Rudolf Marx als Vertreter der Stadtverordͤnetenverſammlung, dem Gumnaſial⸗ und Realſchuldirektor Dr. Boßler als Ver⸗ treter der Regierung und dem Direktor der Schule, Dr. Kauſch.

Kun waren die Grundlagen für eine ruhige Fortentwicklung der Schule gegeben, als ſtädtiſche Anſtalt, betreut von der Fürſorge und Aufſicht des Staates, konnte ſie ſich nun mit Ruhe und ohne Sorgen um ihren Beſtand ihrer Aufgabe widmen und ein Heim für die weibliche JZugend unſerer Stadt und der näheren Amgebung werden, die nach höherer Bildung ſtrebte.

Zwanzig Jahre nun war unſere Höhere Mädchenſchule in der Hagenſchule untergebracht, es waren glückliche Zeiten, in denen ſich Lehrer und Schülerinnen in den kleinen Räumen beſonders nahe kamen, Zeiten, an die ſich unſere ehemaligen Schülerinnen noch beſonders gerne erinnern.

Als einen Vorzug unſerer Anſtalt dürfen wir es hervorheben, daß ihre Lehrer und Lehrer⸗ innen nur ſelten wechſelten und meiſtens lange Jahre an unſerer Schule wirkten, ein Zeichen,

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