Darauf ergriff Herr Oberſtudiendirektor Jimmer das Wort zur Feſtrede, deren Wortlaut wir nachſtehend folgen laſſen:
Hochverehrte Feſtverſammlung!
„Monde und Zahre vergehen und ſind auf immer vergangen, aber ein ſchöner Moment leuchtet das Leben hindurch“, ſo ſagt der Dichter Grillparzer, und die große Schar der früheren Schülerinnen unſerer Eleonorenſchule hätte ſich nicht heute mit uns hier verſammelt, wenn nicht die ſchönen Momente der Schulzeit noch nach Jahren aufleuchten und mit ihrem goldenen Glanze die Zeiten froher, glücklicher Arbeit noch verklären würden.
Ein Tag des Kückblickes iſt für unſere Eleonorenſchule heute gekommen, auf fünfzig Jahre treuer Arbeit für unſere weibliche JZugend ſieht die Anſtalt jetzt zurück, für viele freundliche Anterſtützung darf ſie heute Dank ſagen.
Dank gebührt der Regierung, die unſerem Schulſchiff Jiel und Richtung gewieſen hat, die ſtets ein offenes Ohr für all die Wünſche und Anliegen unſerer Schule hatte, und auf deren Wohlwollen wir von vornherein immer rechnen durften.
Herzlich danken wir dem Kuratorium und der Stadͤtverwaltung für die ſtets tatkräftige Hilfe und Förderung, deren wir uns erfreuen durften. Insbeſondere ſagen wir Herrn Ober⸗ bürgermeiſter Rahn Dank für ſeine freundlichen Glückwünſche, und wir wollen gerne hoffen, daß er unſerer Schule die gleiche Aufmerkſamkeit widmet wie ſeine beiden Amtsvorgänger. In treuer Obhut der Stadt Worms iſt unſere Eleonorenſchule aufgeblüht, Verſtändnis fanden wir ſtets und liebevolles Eingehen auf unſere beſonderen Bedürfniſſe, weitgehende Kückſichtnahme auf die eigenſten Aufgaben einer Höheren Mädchenſchule, und nicht engherzig waren Stadt⸗ verwaltung und Stadͤtveroroͤnetenverſammlung in der Gewährung von Mitteln, des iſt Zeuge unſer ſtolzer Bau am Waſſerturmplatz. In ſolch treuer Fürſorge von Staat und Stadt war gut leben, ſie gab den beſten Boden für das Gedeihen unſerer Jugendarbeit. Der Geiſt freund⸗ ſchaftlichen Verſtehens verbindet uns mit den anderen öffentlichen Schulen unſerer Stadt, mit den höheren Schulen und mit der Volksſchule. Freundͤliche Kückſichtnahme der einen Schule auf die Erforderniſſe der anderen, gemeinſames Vorgehen in der Erreichung unſerer gleichartigen Ziele, das kennzeichnet unſer gegenſeitiges Verhältnis, und ich bin überzeugt, unſere geſamte Wormſer Zugend fährt nicht ſchlecht dabei. Feſten Boden hat unſere Eleonorenſchule in der Wormſer Bürgerſchaft gefunden, viele gute Freunde haben wir uns erworben, und gerne wurden wir ſtets aufgenommen, wenn wir unſere Klaſſen, ſei es zu Beſichtigungen, ſei es zur Einführung in die ſoziale Arbeit, hinausführten. Je breiter die Grundlage iſt, auf der ſich eine Schule auf⸗ baut, je mehr Freunde ſie ſich erwirbt, je mehr ſie in der Stadt und Almgebung verankert iſt, deſto ſicherer iſt ihre Arbeit.
Insbeſondere gilt unſer Gruß unſeren früheren Schülerinnen und den Eltern unſerer jetzigen. In den fünfzig Jahren iſt unſere Schulgemeinde gewachſen und hat ſich ausgedehnt, geſtützt auf viele Liebe und Anhänglichkeit, wie wir heute zu unſerer großen Freude wahrnehmen können. Aus weiter Ferne kamen in dieſen Tagen die Grüße unſerer früheren Eleonoren⸗ ſchülerinnen zu uns und wünſchen uns viel Sonnenſchein für unſere Jugend. And gar manche unſerer früheren Schülerinnen, die uns jetzt die Tochter oder gar das Enkelkind anvertraut, ſieht nun in der eigenen Familie, wieviel Segen enges Einverſtändnis zwiſchen Schule und Elternhaus bringt, wie wichtig es iſt, wenn die beiden vornehmlichſten Träger der Erziehung Hand in Hand arbeiten.
12


