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der Anſtalt, ſowie einige andere Damen der Stadt vom 5. Auguſt bis zum Schluß der Sommerferien tätig. Die 6 Nähmaſchinen der Schule genügten freilich bei weitem nicht für die Teilnehmerinnen. So wurden noch 24 andere aus der Nachbarſchaft zuſammen⸗ geliehen und zum Teil von den Schülerinnen ſelbſt auf Wagen und Karren herbeigeſchafft.
Ehe wir am 13. Auguſt die Arbeit wieder aufnahmen, verſammelten ſich Schüle⸗ rinnen und Lehrerkollegium zu einer kleinen Feier im Turnſaal. In Vertretung des Direktors gedachte Herr Prof. Dr. Uhrig in einer Anſprache des Ernſtes und der Größe der Zeit, Herr Kirchenrat Benemann ſprach ein Gebet, ein gemeinſames Lied ſchloß die kurze, aber eindrucksvolle Feier.
Die nun im Verlauf des Krieges eintreffenden Siegesnachrichten werden, wenn ſie nicht während der Ferien oder Sonntags eintreffen, von uns gebührend gefeiert. So wurde am 28. Auguſt der Unterricht nach der 4. Stunde ausgeſetzt. Den Zuſammenbruch der ruſſiſchen Offenſive in Polen feierten wir am 18. Dezember mit einem Spaziergang. Den Tag des großen Winterſieges in Maſuren begingen wir am 17. Februar durch einen ſchulfreien Tag und eine kleine Feier in der Turnhalle.„Mit Gott für Kaiſer und Reich“, das war der Grundgedanke der kurzen Anſprache von Herrn Prof. Dr. Uhrig und der gemeinſam geſungenen Lieder.
Der alljährlich wiederkehrenden Feiern des Sedantages, der Geburtstage unſeres Landesherrn und unſeres Kaiſers iſt an anderer Stelle gedacht worden.
Der Lehrkörper unſerer Anſtalt wurde infolge ſeiner Zuſammenſetzung militäriſch nur wenig in Anſpruch genommen. Herr Direktor Lauteſchläger wurde ſchon mit Beginn der Mobilmachung als Unter⸗Abſchnittskommandeur zur Bahnbewachung nach Monsheim einberufen, konnte aber von Mitte September bis Anfang November einen Teil ſeines Unterrichts und ſeiner Amtstätigkeit weiter führen. Er übernahm dann die Führung der Landwehrſanitätskompanie 24, mit der er nach dem öſtlichen Kriegsſchauplatz abrückte. Im Januar 1915 wurde er mit dem Eiſernen Kreuz 2. Kl. ausgezeichnet. Auch Herr Reallehrer Haaß wurde zunächſt zur Bahnbewachung eingezogen, übernahm aber ſchon bald den Dienſt eines Schreibers auf der Kaſſenverwaltung des Erſatzbataillons Inf.⸗ Reg. Nr. 118. In dieſer Stellung konnte er von Ende Auguſt an ſeinen Unterricht teilweiſe wieder übernehmen(vergl. die Ueberſicht über die Stundenverteilung). Die übrigen Damen und Herren waren je nach Kräften und Neigungen tätig, ſo z. B. bei der Verpflegungsſtation für die durchreiſenden Truppen und bei der Sanitätskolonne am Bahnhof, bei der Auskunftserteilung für Verwundete vom Roten Kreuz, bei der Einrich⸗ tung der Lazarette, beim Ausſchuß für Erntehilfe und bei der Aufſtellung der Stammrollen.
Wie gleich zu Anfang des Krieges die Liebestätigkeit unſerer Schülerinnen ein⸗ ſetzte, haben wir oben hervorgehoben. Sie iſt auch weiterhin nicht erlahmt. Gleich bei Ausbruch des Krieges übergaben die Klaſſen I und II ihre Kochtöpfe ſowie ihre Wander⸗ kaſſen(90 und 50 ℳ) dem Roten Kreuz. Beſonders eifrig wurde geſtrickt. Vom Ende der Sommerferien bis Weihnachten wurde in den Handarbeitsſtunden ausſchließlich für die Soldaten gearbeitet; freiwillig verſammelten ſich außerdem zu dieſem Zweck in be⸗ ſonderen Nachmittagsſtunden unter Leitung einzelner Lehrerinnen Schülerinnen der Klaſſen II, Illa, lIlb, Va, Vb, Vla und VIb. Infolgedeſſen konnten bis jetzt abgeliefert werden: 600 Paar Socken, 350 Paar Pulswärmer, 350 Waſchlappen, 20 Hemden, 25 Paar Kniewärmer, 80 Paar Fußlappen, 80 Nähbeutel, 50 Leibbinden, 40 Kopfſchützer, 20 Lungenſchützer, 100 Paar Ohrenſchützer, 50 Halstücher, 6 Halsbinden, 40 Handſchuhe und 4 Paar Unterhoſen. Die Kleinen der IX. und X. Klaſſe zupften mit großem Eifer


