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Frl. Becker am 26. April eine Wanderung von Stockſtadt—Erfelden nach der Schweden⸗ ſäule und über Forſthaus Knoblauchsaue zum Schuſterwörth. Ueberfahrt nach Oppenheim, Raſt auf der Landskrone. Der Rückweg führte über Kälberteich und Schmittshauſen zurück nach Stockſtadt.
Die 2. Wanderung unternahm am 5. Juni der Herr Direktor mit Schülerinnen der 1. und 2. Klaſſe. Sie führte von Bensheim über den Felsberg zur Burg Frankenſtein und von da über die Ludwigshöhe nach Darmſtadt. Weder der Führer noch eine der Schülerinnen hatten damals, als bei dieſer Wanderung zum erſtenmal in den neuen Kochkeſſeln ab⸗ gekocht wurde, geahnt, daß dieſe Gefäße zum zweitenmal an ganz anderer Stelle und unter ganz anderen Verhältniſſen würden benutzt werden!(Siehe unſere Kriegsgeſchichte.)
7. An den Spielnachmittagen auf der Kiſſelswieſe, die diesmal nur bis zu den Sommerferien eingerichtet waren, beteiligten ſich von der Oberſtufe durchſchnittlich 12, von der Mittelſtufe 20 Schülerinnen jeder Klaſſe. Spielleiter waren Frl. Becker, Herr Haaß, Herr Ganz und Herr Gerkhardt. Auch unſer Tennisplatz wurde heuer nur bis zu den Sommerferien benutzt.
8. Beſichtigungen. Herr Oberlehrer Räder beſuchte mit der 1. Klaſſe am 26. Juni Frankfurt(Zoologiſcher Garten, Römer) und am 10. Februar die neu gegründete Zuckerfabrik Rheingau.
Die 2. Klaſſe beſichtigte unter Führung von Frl. Dietz am 12. Juli die fränkiſche Torhalle in Lorſch und machte daran anſchließend eine kleine Wanderung durch den Lorſcher Wald.
Vor den Oſterferien werden wir wohl auch noch mit den betreffenden Klaſſen das Gaswerk und das Elektrizitätswerk beſuchen.
Im Juni wurde unſeren Schülerinnen im Lichtſpielhaus das Leben Bismarcks in Lichtbildern vorgeführt.
9. Zu ihrer Fortbildung waren vom 16.—22. Juli Herr Zeichenlehrer Schneider und Herr Reallehrer Ganz zur Teilnahme an einem Fortbildungslehrgang für Schul⸗ geſanglehrer(nach dem Eitzſchen Tonwortverfahren) nach Würzburg beurlaubt. Herr Prof. Dr. Lazlo Matolcſy aus Gyoer in Ungarn durfte mit Genehmigung unſeres Miniſteriums auf einer Studienreiſe durch Deutſchland auch unſere Anſtalt einer Beſich⸗ tigung unterziehen.
10. Auch im verfloſſenen Jahre haben viele Eltern unſerer Schülerinnen durch Ver⸗ mittlung der Schule ihre Kinder bei der„Germania“ in Stettin gegen Unfälle verſichert, die ihnen ſowohl während der Schulzeit— auch bei Schulſpaziergängen, Beſichtigungen u. a.— als auch auf dem Schulweg— auch auf der Bahn oder dem Fahrrad— zuſtoßen können. Wir weiſen auch diesmal die Eltern auf die Vorteile einer ſolchen Verſicherung hin. Die jährliche Prämie beträgt 1 Mark.
11. Zur Kriegsgeſchichte unſerer Anſtalt.(Zuſammengeſtellt von Dr. Deggau.) In den letzten Julitagen riß der Kriegslärm Schülerinnen und Eltern, Lehrer und Lehre⸗ rinnen aus Ferienfriede und Ferienfreude. Dem kurzen, ſtarren Staunen über die un⸗ geheure Größe des Schickſals, das über Deutſchland hinwegſchritt, folgte gar bald bei uns wie überall ein tätiges Zuſammenraffen aller Kräfte des Helfens und Dienens. Noch in den erſten Tagen der Mobilmachung wurde in unſerem Zeichenſaal eine Wäſcheſtube eingerichtet zur Herſtellung von Wäſchegegenſtänden für die Lazarette. Die Stoffe wurden von den vereinigten Frauenvereinen und dem Roten Kreuz zur Verfügung geſtellt. Mit Eifer und Hingebung waren hier Schülerinnen der I. und II. Klaſſe, frühere Schülerinnen


