Jahrgang 
1907
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drucksvollen, von warmer Empfindung getragenen Anſprache brachte er die Glückwünſche des Miniſteriums des Innern zur Vollendung des ſchönen Werkes dar und zollte allen denen, welche zu deſſen Gelingen beigetragen, herzlichen Dank. Sodann wies Redner unter nachdrücklichem Hinweis auf die Geſchichte der Stadt darauf hin, wie dieſer Bau, ein Kleinod der Stadt, aufs Neue beredtes Zeugnis von der Opferwilligkeit des Wormſer Bürgertums ablege, namentlich in allen Fragen, bei denen es ſich um öffentliche Intereſſen und Kulturzwecke handle. Möge darum aber auch der Geiſt, der in der Schule lebt, möge die Arbeit, die in ihr geleiſtet wird, ſo ſein, daß die Stadt dieſe Schule mit freudigem Stolze zu ihren wertvollſten Beſitztümern rechnen darf. Möge ferner wie in der Vergangenheit und in der Gegenwart ſo auch in der Zukunft die alte Stadt Worms, die von uralters her mit unſerem Volkstum in guten und böſen Tagen verknüpft war, bis in die fernſten Zeiten bleiben: eine Heimſtätte edlen Bürgerſinns, ein Kleinod unſeres Vaterlands. Nach dieſem zündenden Schlußwort erklang als Abſchluß des von der gehobenſten Stimmung getragenen Weiheaktes der Schlußchor: BeethovensDem Fürſten Heil!

Es folgte ein Rundgang der Gäſte durch alle Teile des Gebäudes, deſſen Einrichtungen allgemeine Anerkennung fanden. Nach 1 Uhr begann alsdann das Feſtmahl im ſtädtiſchen Feſthauſe, an welchem ſich ebenfalls die Spitzen der Behörden, ein Teil der Herren Stadtverord⸗ neten, die ſtädtiſche Baubehörde, das ganze Kollegium der Anſtalt und eine große Anzahl der zur akademiſchen Feier geladenen Gäſte beteiligten. Die Reihe der Toaſte eröffnete Herr Ge⸗ heimerat Dr. Eiſenhuth mit einer warmen Begrüßungsrede, welche in ein Hoch auf das Groß⸗ herzogspaar ausklang. In ſeiner nun folgenden Anſprache hob Freiherr Heyl zu Herrnsheim die Bedeutung der Frau für unſer öffentliches Leben hervor. Anknüpfend an die Anſprache des Direktors begrüßte er die ſtarke Betonung der Forderung der Erziehung zur Perſönlichkeit. Nicht nur tüchtige Männer, ſondern auch tüchtige Frauen tun unſerem Volke Not und zwar mehr denn je. Denn wenn auch die techniſchen Erfindungen unſere Frauen viel entlaſtet haben, ſo iſt die Laſt der moraliſchen Verpflichtungen, welche auf der Frau ruhn, umſo größer geworden. Aber die Frauen ſind, Gott ſei Dank, ihnen gewachſen und es gilt nun die geiſtigen Schätze, die in der Frau ruhen, durch die Erziehung zu heben. Sein Hoch galt dem Herrn Oberbürgermeiſter und ſeiner Gemahlin, die durch ihr verſtändnisvolles Eingehen auf die dem öffentlichen Wohle gewidmeten Pläne ihres Gatten, ein ſprechender Beweis für Redners Betonung der Bedeutung der Frau für unſer öffentliches Leben iſt. Der Gefeierte erwiderte mit Worten des Dankes und widmete hierauf ſeinen Gruß dem Kollegium der Anſtalt. In anerkennenden Worten hob er hierbei namentlich die Bedeutung des Geiſtes der Eintracht hervor, welche in dem Kollegium Tradition iſt und ſprach die Hoffnung aus, daß dieſer gute Geiſt auch für die Zukunft der Anſtalt erhalten bleiben möge. Der Direktor ſprach hierauf nochmals der ſtädtiſchen Verwaltung ſeinen Dank für ihre warme Fürſorge aus und wies darauf hin, daß nicht viele Städte von der Größe von Worms in den Mauern ihrer höheren Mädchenſchulen ſo alle Stände, alle Kon⸗ feſſionen friedlich umſchlöſſen wie unſere Schule. So dürfte dieſelbe bei aller Beſcheidenheit ihrer Aufgabe doch ein nicht zu unterſchätzender Faktor für die Förderung der Eintracht und des Bürgerſinns ſein. Sein Hoch galt der Stadtverwaltung, die in gleicher, einträchtiger Geſinnung der Schule mit gutem Beiſpiel vorangehe. Herr Profeſſor Dr. Uhrig feierte hierauf den