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Antrage zu, auf dem ſtädtiſchen Gebiet am Waſſerturm ein neues Gebäude zu errichten. Im Jahr 1904 wurde das endgültige Bauprojekt gutgeheißen. So hat die Stadt, welche für die Volksſchule und die anderen höheren Lehranſtalten bereits in ſo liberaler Weiſe geſorgt hatte, nun auch der höheren Mädchenſchule ein würdiges Heim geſchaffen, deſſen künſtleriſche Vollendung einen neuen Beweis von dem Können des Herrn Stadtbaurats Metzler gibt. Sodann macht der Redner zur freudigen Überraſchung der Anweſenden die Mitteilung, daß die Frau Großherzogin der Stadt die Ehre und die Freude erwieſen habe, zu genehmigen, daß die Anſtalt künftighin den Namen„Eleonorenſchule“ trage. Stadt und Schule ſprechen dafür ihren ehrerbietigen Dank aus.— Mit Worten des Dankes an den zu Ehren des Tages erſchienenen Herrn Geheimrat Dr. Eiſenhuth, des oberſten Leiters des heſſiſchen Schulweſens, ſchließt Redner ſeine eindrucksvolle Anſprache, indem er das Gebäude dem Direktor mit dem Wunſche übergiebt, die Schule möge in alle Zukunft die Aufgabe ihrer Zeit verſtehen und ſich ihr gewachſen zeigen.— Nach einer aber⸗ maligen muſikaliſchen Darbietung— Lobgeſang, Sinfonie von Mendelsſohn— ergriff der Direktor das Wort. Sein Dank galt zunächſt den geladenen Gäſten, insbeſondere auch den Ver⸗ tretern der Behörde, welche durch ihr zahlreiches Erſcheinen zur Verherrlichung dieſes für die Schule ſo denkwürdigen Tages beizutragen die Freundlichkeit hatten. Sodann dankte Redner den ſtädtiſchen Behörden aller Inſtanzen, welche zum Gelingen des Werkes beigetragen hatten. In erſter Linie Herrn Oberbürgermeiſter Köhler, durch deſſen energiſche Initiative die ganze Frage in Fluß kam, ſodann den Herren Stadtverordneten, welche, dieſer Initiative Folge gebend, in einmütiger Beſchlußfaſſung den Gedanken in die Tat umzuſetzen halfen, ferner dem Stadtbaurat Metzler, dem Erbauer unſeres ſtolzen Baues, ſowie allen bei dem Werke beteiligten Künſtlern und Meiſtern.— Er ging dann im Verlauf ſeiner Rede auf diejenige Frage ein, deren Berührung bei einer derartigen Gelegenheit nahe liegt, die Frauenfrage, zu welcher eine höhere Mädchen⸗ ſchule, an einem ſolchen Abſchnitt ihrer Entwickelung angelangt, billigerweiſe Stellung nehmen muß. Was will dieſe Bewegung? Sie will die Anerkennung der Frau als gleichberechtigter Faktor in dem Kampf um die materiellen und die geiſtigen Güter der Welt. Dieſer Anſpruch wird der Frau heutzutage nicht nur in der Theorie als billig zuerkannt, ſondern auch in wachſen⸗ dem Maße durch die Praxis des Lebens in der Erſchließung aller möglichen Berufsarten, welche bisher ein Monopol des männlichen Geſchlechts waren, in der Zulaſſung zu den höheren Lehr⸗ anſtalten und zum Univerſitätsſtudium. Und nun klopft dieſe Frage auch an die Pforten der höheren Mädchenſchule, und es beſteht eine mächtige Strömung, welche den Lehrplan nach dem jeweiligen Stande der Frauenfrage eingerichtet wiſſen möchte. Hier gilt es Stellung zu nehmen. Nach Anſicht des Redners iſt und bleibt es die Aufgabe der höheren Mädchenſchule, ihren Schülerinnen die Grundlage einer allgemeinen Bildung zu übermitteln: dies Ziel bleibt, und darum bleibt auch der Weg zu demſelben, der im Großen und Ganzen bewährte Lehrplan. Welche Organiſationen, den veränderten Zeitverhältniſſen entſprechend, ſich daran angliedern mögen, iſt eine techniſche Frage, welche die Zukunft löſen muß. Jedenfalls dürfen wir über der ver⸗ hältnismäßig geringen Zahl derjenigen, welche weiteren Zielen zuſtreben, den überwiegend größeren Prozentſatz derjenigen Schülerinnen nicht aus dem Auge verlieren, welche ihre allgemeine Bildung mit der Schule abſchließen. Die höhere Mädchenſchule iſt eben keine Fachſchule und keine Vor⸗


