I. Die Einweihung der Eleonorenſchule.
Das vergangene Schuljahr ſtand unter dem Zeichen des Übergangs aus den alten in die neuen Verhältniſſe. Welchen Fortſchritt für die Entwickelung unſerer Schule unſer Neubau bedeuten ſollte, haben wir Alle ſeit Jahren wohl vorausempfunden, aber alle unſere Hoffnungen wurden durch die Wirklichkeit übertroffen: unſer neues Heim iſt nicht nur in architektoniſcher Beziehung eine hervorragende Zierde unſerer Stadt, ſondern entſpricht auch nach der praktiſchen, ſchultechniſchen Seite hin vollauf allen Anforderungen, welche die Neuzeit an einen derartigen Bau ſtellt.— Der 18. Oktober war der Tag der Einweihung. Um 11 Uhr begann in Anweſenheit einer überaus zahlreichen Feſtverſammlung die Feier in unſerem prächtigen Turn⸗ und Feſtſaal. Als Vertreter der höchſten Behörde hatte ſich Herr Geheimrat Dr. Eiſenhuth aus Darmſtadt, ferner aus der Stadt ſelbſt die Spitzen der Behörden, die Herren Stadtverordneten in großer Anzahl, der Ehrenbürger der Stadt Freiherr Heyl zu Herrnsheim, die Eltern der Schülerinnen ſowie eine ſtattliche Zahl anderer Gäſte eingefunden. Der Weiheakt begann mit einem Geſang des Chores, welcher unter der bewährten Leitung ſeines Dirigenten, Herrn Ganz, unterſtützt von einigen Kollegen, ſich ſchon ſeit einigen Wochen der Vorbereitung zum Feſt mit Eifer gewidmet hatte. An den Geſang ſchloß ſich die Anſprache des Erbauers der Schule, des Herrn Stadtbau⸗ rats Metzler. Derſelbe gab in ſeinen anſchaulichen Ausführungen einen erſchöpfenden Überblick über die Geſamtanlage, die Verteilung der Räume, die inneren Einrichtungen und die dekorative Ausſtattung und ſchloß mit der Übergabe des Schlüſſels an Herrn Oberbürgermeiſter Köhler. Wenn wir von der allgemeinen Wiedergabe des Inhalts ſeiner Rede an dieſer Stelle abſehen, ſo geſchieht es, weil Herr Stadtbaurat Metzler die Güte hatte, ſich an anderer Stelle in dieſem Programm dieſer Aufgabe in einer für Fachleute wie Schulmänner gleich wertvollen Weiſe zu unterziehen. Die nun folgende Anſprache des Herrn Oberbürgermeiſters Köhler gab zunächſt in klaren, knappen Zügen einen Üüberblick über die Geſchichte der Schule: Unſere Schule ging wie ſo viele ſtädtiſche höhere Mädchenſchulen aus der Vereinigung mehrerer Privatſchulen hervor. Es waren dies das vorzugsweiſe evangeliſche Keim'ſche Inſtitut ſowie das überwiegend israelitiſche Stohmann'ſche Inſtitut. Im Jahre 1874 bildete ſich nun ein Kuratorium, das auf eigene Ver⸗ antwortung eine höhere Mädchenſchule ins Leben rief, mit der Abſicht, dieſe ſpäter der Stadt zu übergeben. Mit 183 Schülerinnen in 6 Klaſſen wurde dieſelbe in dem Kraft'ſchen Hauſe am Fruchtmarkt, welches Herr von Heyl erworben und der Schule zur Verfügung geſtellt hatte, er⸗ öffnet. Im Jahre 1886 nahm die Stadt die Schule dann in eigene Fürſorge. Zwanzig Jahre lang hat ſie in dem Gebäude der Hagenſtraße, das früher als. Verſorgungshaus gedacht war, ausgeharrt. Mit etwa 200 Schülerinnen war man eingezogen, mit etwa 450 Schülerinnen verließ man es. In das Jahr 1899, in welchem die Schule das Jubiläum ihres 25. Beſtehens feierte, fielen zugleich die erſten Vorarbeiten zur Er⸗ richtung des neuen Gebäudes. Im Jahre 1902 ſtimmte die Stadtverordnetenverſammlung einem


