Jahrgang 
1929
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13. Die grimmige Kälte, die zu Beginn des jahres 1920 einsetzte, führte zu sehr erheb- lichen Störungen des Unterrichts. Die Dampfheizung war einem derartigen Ansturm nicht gewachsen, und so mußten die Klassen zunächst dauernd wandern, indem die Räume auf gesucht wurden, in denen man sich noch einigermaßen aufhalten konnte. Vom 16. bis 19. Februar wurde der Unterricht um die erste Stunde gekürzt. Die Kohlenknappheit 2zwang schließlich am 20. Februar den Magistrat, sämtliche Wiesbadener Schulen bis zum 2. März 2zu schließen.

14. Oberschulrat Prof. Dr. Zühlke besuchte die Anstalt am 18. Oktober 1928 und wohnte dem ÜUnterricht in mehreren Klassen bei. Zu dieser Revision war auch der Dezernent der städtischen Schulen, Stadtrat Dr. Osterheld, zugezogen. Die Schwimmprüfung der Abiturienten wurde am 4. September abgehalten. Die erbstreifeprüfung in den Leibeésübungen wurde am 27. September bei Gelegenheit des allgemeinen Abturnens vorgenommen. Die schriftlichen Arbeiten fertigten die Oberprimaner am 31. Januar, am 1., 4. und 5. Februar an. Die münd- liche Reifeprüfung der Olr fand am 5. März unter dem Vorsitz des Oberschulrates Prof. Dr. Zühlke statt. Bei der Prüfung der Qlrg am darauffolgenden Tage führte der Unter- Zeichnete den Vorsit-.

15. Das Schuljahr schloß am 27. März mit einer allgemeinen Feier. Der Anstaltsleiter gab zunächst einen Ceberblick über die wesentlichen Ereignisse des verflossenen Schuljahres. Es folgte dann die Entlassungsfeier der Abiturienten. Nachdem der Unterprimaner Iung den Scheidenden namens der Schulgemeinde die herzlichsten Glückwünsche auf den Weg mitgegeben hatte, sprach als Vertreter der Abiturienten der Oberprimaner Abels der Schule den Dank aus und verabschiedete sich von seinen bisherigen Kameraden. Nach einer kurzen Ansprache übergab der Unterzeichnete sodann den Abiturienten ihre Zeugnisse und zur Frinnerung an die Anstalt ein Werk von Heinrich Wilhelm Riehl. Mit dem Männerchor Burschen heraus! schloß die Feier.

VIII. Aus den Erlassen und Verfügungen der Behörden.

1. Min. Erl. UII 5002 vom 24. 5. 28.(P. S. K. Nr. 7913 vom 4. 6. 28.) Die Riehlschule wird als voll berechtigte Oberrealschule anerkannt.

2. Min. Erl. UII 18231 vom 30. 1. 28(P. S. K. Nr. 3026 vom 24. 7. 28.) Die Gefährdung des Bestandes unserer Wälder macht es notwendig, die Schuljugend immer wieder auf die Bedeutung des Waldschutzes aufmerksam zu machen. Insbesondere wird es Aufgabe des biologischen, geologischen und erdkundlichen Unterrichts sein müssen, bei passender Gelegenheit darauf ninzuweisen. Hervorragend geeignet sind für solche aufklärende Arbeit auch die regelmäßigen Wanderungen und größeren Ausflüge.

3. Min. Erl. UII 1262 vom 20. 9. 28. Das am 12. 3. 1024 erlassene allgemeine Verbot der Erteilung von Privatunterricht und des Haltens von Pensionären durch voll besoldete Leiter und Lehrer an öffentlichen höheren Schulen wird aufgehoben.

4. Min. Erl. UIII Nr. 2803 vom 22. 1. 20. betr. Aufnahme in die Pädagogischen Akademien. Am 1. Mai 1920 werden in die bereits bestehenden Pädagogischen Akademien je 50 Studenten aufgenommen, und zwar in Elbing und Kiel zur Ausbildung evangelischer Volksschullehrer und Jehrerinnen, in Bonn zur Ausbildung katholischer Volksschullehrer und in Frankfurt a. M. Zur Ausbildung von Volksschullehrern und-ehrerinnen. Ferner wird beabsichtigt, zum gleichen Zeitpunkte neue Pädagogische Akademien zur Ausbildung evangelischer Volksschullehrer und Jehrerinnen in Breslau, Erfurt, Hannover und Dortmund zu eröffnen und dort ebenfalls je 50 Studierende aufzunehmen. Wegen des noch vorhandenen Ueberflusses an evangelischen Schulamtsbewerberinnen werden jedoch zu den Akademien in Erfurt und Hannover vorläufig nur männliche Studierende zugelassen.

Mit Rücksicht auf die besonders große Zahl noch unbeschäftigter katholischer Schulamts- bewerberinnen werden katholische Abiturientinnen bis auf weiteres in keine Pädagogische Akademie aufgenommen.